French Connection - Brennpunkt Brooklyn (1971)

OT: The French Connection - 104 Minuten - Cop / Thriller
French Connection - Brennpunkt Brooklyn (1971)
Kinostart: 14.01.1972
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu French Connection - Brennpunkt Brooklyn

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Zur gleichen Zeit wie „Dirty Harry“ erschienen, ebenfalls zum Klassiker avanciert und trotzdem völlig anders – das ist „French Connection“. Regisseur William Friedkin („The Exorcist“, „The Hunted“) schuf einen Copthriller, der sich in seiner pessimistischen, trostlosen Einstellung ganz dem Realismus (basiert auf wahren Tatsachen) verschrieb und damit ein bis dato zu seltenes Bild von Großstadtpolizisten zeigte - die Kehrseite der Marke. Der Freund und Helfer ist längst nicht mehr der gesetzestreue Saubermann, der an die „Sache“ glaubt, sondern dessen düsterer Schatten.

Jimmy „Popeye” Doyle (Gene Hackman, „Superman”, “Unforgiven”) und Buddy „Cloudy” Russo (Roy Scheider, „Jaws”, „Blue Thunder”) sind zwei solche Exemplare. Ihre Verhaftungsquote ist die höchste des gesamten Dezernats und trotzdem erfüllt ihr Job sie nicht mit Stolz oder Genugtuung. Sie sind längst verroht - abgestumpft von der täglichen Gewalt, Kriminalität und Korruption. Popeye ist ein impulsiver, von rassistischen Vorurteilen geprägter Cop, der sich längst nicht mehr an die Regeln hält, Informationen über Prügel aus kleinen Fischen heraus holt, säuft, herumhurt und in seiner Obsession auch schon über Leichen – die von Kollegen – geht. Er ist ein Außenseiter in der Gesellschaft, längst vom Strudel der Großstadt verschluckt. Sein Ehrgeiz ist längst purem Hass gewichen. Hass auf alles Kriminelle, das sich ein Leben in Saus und Braus ergaunert hat. Wohingegen er als einfacher Cop am Existenzminimum nagt. Der jähzornige, ständig brodelnde und vor dem Ausbruch stehende Vulkan kann nur mit Mühe und Not von Cloudy im Griff gehalten werden. Was Cloudy an Entschlusskraft und Skrupellosigkeit fehlt, macht Doyle wieder wett. Was Doyle wiederum an Ruhe und Vernunft fehlt, macht der wesentlich abgeklärtere Russo wieder wett. Die beiden ergänzen sich und verstehen sich wohl deshalb auch so gut. Doch Doyles Methoden sind ansteckend und so kann sich Russo seinem Einfluss nicht ganz entziehen und tickt ab und zu auch aus...

Ihr Instinkt verhilft ihnen auf die Spur eines internationalen Drogenrings, der aus Frankreich heraus operiert und nun den trocken liegenden amerikanischen Markt erobern will. Doyle und Russo sehen ihre große Chance endlich einen großen Fisch ins Netz zu bekommen, müssen sich aufgrund des Stellenwerts des Falls aber mit einem FBI-Duo arrangieren, das Doyle aufgrund früherer Vorfälle nicht sonderlich wohl gesonnen ist.

Wie Friedkin hier Brooklyn, New York und seine arbeitenden Polizisten festhält, ist schlicht und einfach grandios. Dieser dampfende, heruntergekommene, schmutzige und unwirtliche Moloch ist ein kein Ort an dem man sein Leben verbringen möchte – vor allem während dieser klirrenden Winterkälte. Kameramann Owen Roizman („Bullitt“, „Wyatt Earp“) findet einige entsprechende Motive: schmutzige Hinterhöfe, verwahrloste Gebäude, verfallene Straßenzüge. In der überlangen Observation müssen die draußen stehenden Cops sich mit Fastfood warm halten , während ihre Zielperson auf der gegenüber liegenden Straßenseite im feinsten Restaurant der Stadt speist. Eine beschissene Welt – that’s life. Friedkin inszeniert nüchtern und genügsam, lässt ganz die Bilder wirken. Eine einmalige Atmosphäre die hierbei geschaffen wird – nicht zuletzt dank des unüberhörbaren Straßenverkehrs.

Doch nicht die klassische Polizeiarbeit ist es, die Resultate erbringt. Die nehmen sie auch nicht ernst genug. Bei Beschattungen lässt man sich austricksen oder verliert die Fahrzeuge im Straßendschungel der Stadt. Es sind die unkonventionellen Methoden Doyles, die hier ein Ergebnis erzwingen. Als man ihn töten will, verhaftet er seinen Killer nicht, sondern bringt ihn zur Strecke – setzt damit ein Zeichen. Dieses überlange Rennen zwischen Hochbahn und Auto ist im übrigen ein atemberaubender Höhepunkt. Genial inszeniert und von Bill Hackman (u. a. „Bullitt“, „Diamonds Are Forever“) koordiniert, erweist sich die Jagd nach dem Killer als minutenlanger Adrenalinkick voller genialer Autostunts und toller Kameraarbeit.

Beide wissen, dass sie einen großen Fisch an der Angel haben – vielleicht einen, an dem sie sich verschlucken werden. Der Druck von oben wächst, die Fehlschläge häufen sich und schließlich sind Drogenhändler gewarnt und trotzdem geben die beiden nicht auf. Ob es sich rentieren wird, erfährt dann jeder mit den abschließenden Texttafeln. Zur Konfrontation kommt es jedenfalls, aber stellt sich auch der Erfolg ein?

Einen Bärenanteil am Erfolg des Streifens haben die hier noch sehr jungen und in der deutschen Fassung leider nicht mit ihren bekannten Synchronstimmen ausgestatteten Gene Hackman und Roy Scheider. Beide gehen mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit in ihren Rollen auf, als wären sie schon ihr ganzes Leben lang Cops. Es war seinerzeit für beide der Durchbruch und Start zu einer großen Karriere. Vor allem Gene Hackman darf stolz auf die hier von ihm gezeigte Leistung zurück blicken.

Fazit:
Desillusionierender, mehrfach prämierter Copthriller, der ganz nüchtern und realistisch eine andere Welt amerikanischer Großstädte wiedergibt. Machtlos gegenüber Drogen und Kriminalität müssen zwei längst Moral und Gewissen über Bord geworfene Cops alles geben, um an ihr Ziel zu gelangen. Mit seiner herunterziehenden Atmosphäre, der trostlosen Optik und seiner wohl dosierten, keinesfalls überzogenen Action ist „French Connection“ ein zeitloser Klassiker. Sehenswert!

 

Wertung:

8/10 Punkte



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Erstellt: 30.09.2012