The Insider

OT: -  155 Minuten -  Thriller / Drama 
The Insider
Kinostart: 27.04.2000
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Insider

Von am

Vier Jahre hat es gedauert bis Michael Mann sich nach seinem Meisterwerk „Heat“ an neuen Stoff gewagt hat. Nach so einem Erfolg werden an den nächsten Film gewiss hohe Erwartungen geknüpft, die „The Insider“ zumindest an den Kinokassen nicht erfüllen konnte, sich damit als großer Flop entpuppte und bei 7 Oscar-Nominierungen leer ausging. Dabei ist auch dieser Film großes „Mann-Kino“, das sich von seinen vorherigen Kassenschlagern „Heat“ und „The Last of the Mohicans“ allerdings klar unterscheidet.

Der, im Übrigen auf wahren Ereignissen beruhende, Film ist eine Anklage – gleichermaßen gerichtet an die Tabakindustrie, wie an das amerikanische Rechtswesen. Doch das führt Mann dem Zuschauer erst später vor Augen und zeigt stattdessen den TV-Produzenten Lowell Bergman (Al Pacino) irgendwo in Arabien, wie er mit verbundenen Augen zu einem Hisbolla-Führer gebracht wird, um mit ihm ein Interview für seine Show „60 Minutes“ auszuhandeln. So steht erst Bergmans Charakterisierung im Vordergrund: Ein Mann, auf dessen Wort Verlass ist, der nicht auf Kompromisse eingeht und dann den Investigativjournalismus glaubt, den er seit Jahren ausübt. Mit diesem Konzept hat er Erfolg. Noch…

Umschnitt nach Amerika. Dort verlässt der gehetzt wirkende, nervöse Dr. Jeffrey Wigand (Russell Crowe) ein Bürogebäude, fährt schnurstracks nach Hause, kippt sich einen Whiskey ein und muss seiner Frau schließlich gestehen, dass er entlassen worden ist. Die bricht fast zusammen, sorgt sich um die Krankenversicherung ihrer asthmakranken Tochter und kann erst mühsam von ihrem Ehemann, der von einer großzügigen Abfindung spricht, beruhigt werden.

Zunächst, so scheint es, haben diese beiden Figuren nichts gemeinsam, doch Bergman, dem Unterlagen über Entzündungstemperaturen von Zigaretten zugespielt werden, wird nun genau dieser Mann empfohlen, um das Fachjargon in einen verständlichen Text zu übersetzen. „The Insider“ zeigt schon bald Thrillerqualitäten, als sich die beiden Männer zu nähern beginnen. Dabei bleibt der Zuschauer zunächst noch im Ungewissen, wo der Hund nun begraben liegt, ahnt dabei aber schon, dass Wigand etwas zu sagen hat. Faxe werden hin und her gesendet, kurz telefoniert und schließlich kommt es zu einem Zusammentreffen, bei dem der misstrauische Wigand gern mehr erzählen würde, aber wegen einer Verschwiegenheitsklausel nicht kann.

Als er von Seiten seines ehemaligen Arbeitgebers jedoch unter Druck gesetzt wird, reißt ihm sein Geduldsfaden und er will auspacken. Nun steht sieht er sich nicht nur mit Einschüchterungsversuchen seitens der Tabakindustrie, sondern auch einer zerstörten Familienidylle konfrontiert. Soll er an die Öffentlichkeit treten? Bergman versucht ihn zu schützen, gleichermaßen aber auch von der Wichtigkeit seiner Aussage zu überzeugen, muss aber schon selbst bald feststellen, dass der Gegner sehr mächtig ist und den ganzen Sender mit Klagen überziehen, ja ihn übernehmen könnte.

Michael Mann zieht hier alle Register seines Könnens und zeigt in fesselnden Bildern, wie Wigand psychisch langsam zerbricht. Da reichen einfache Situationen, wie das abendliche Golf spielen, um eine Paranoia zu erzeugen. Es gibt vielleicht eine Handvoll Regisseure, die in Schnitttechnik, Ton (mal auf das wechselnde Tempo achten!), Farbgebung und Kameraeinstellungen so bewandert wie er sind.

Symbolisch kurvt Wigand, von einer Polizeikolonne an einem Friedhof vorbei, muss, als ihm so ziemlich alles genommen wurde, trotz Überqualifikation, an einer Schule Japanisch und Chemie unterrichten. Dank Russell Crowes nuancierter Performance spürt man den auf ihm lastenden Druck in jeder Sekunde. Stark wie er den schüchternen, ab und an extrovertierten, jähzornigen, grauhaarigen Mann gibt, der, weil er die Wahrheit sagen will, selbst vom Rechtswesen, dass ihn eigentlich unterstützen soll, aber von der Industrie gekauft wurde, im Stich gelassen und stattdessen attackiert wird.

Nach seiner ersten, nichtöffentlichen Aussage, klagt „The Insider“ auch die fehlende Unabhängigkeit der Medienkonzerne an, denn CBS hat längst Angst davor sich an dem heißen Eisen die Finger zu verbrennen. Doch weniger fürchten sie die Klagen der Tabakindustrie – ein Aktiencoup steht bevor, der Bergmans Vorgesetzte finanzielle Vorteile in Millionenhöhe gewährt. Bergman sieht jetzt nicht nur dem von ihm vertretenden Journalismus gestürzt, sondern auch Wigand im Stich gelassen. Er ist der Letzte, der dieses Interview noch senden will und die Konsequenzen nicht fürchtet. Schließlich spielt er die Medien gegeneinander aus. Die ihn dabei stets umwallende Aura, auf das er auch ja der Star im Film ist und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist auch hier wieder sehr präsent, was zu Kritik gereichen würde – mir gefällt Pacino gerade deswegen.

Trotz seiner enormen Lauflänge bleibt „The Insider“ ein durchweg spannendes Unterfangen, was nicht zuletzt Michael Manns kraftvoller Inszenierung und Erzählweise zu verdanken ist. Dialoge wie Monologe sind, besonders zwischen den beiden herausragenden Crowe und Pacino, denen man ihre innern Kämpfe jederzeit ansieht, fesselnd wie informativ. Der sich aufbauende Druck ist spürbar, während der Einblick in die amerikanische Medienkultur einen Schluss zulässt, den jeder schon seit Jahren ahnt. So unabhängig wie sie sich gibt, ist sie schon seit Jahren nicht mehr – zumindest wenn die Gegner mächtig sind.

Fazit:
Michael Mann schuf mit „The Insider“ einen hoch spannenden Thriller, der inszenatorisch wie inhaltlich keine Wünsche offen lässt. Trotz Überlänge bleibt die, mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielende, Geschichte spannend und verläuft unvorhersehbar. Die beiden großartigen Schauspieler Al Pacino und Russell Crowe stehlen sich nicht die Schau, sondern harmonieren wunderbar miteinander. Dass der Film optisch ebenfalls über jeden Zweifel erhaben bleibt, ist bei dem Regisseur inzwischen wohl schon obligatorisch.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 11
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