A Beautiful Mind

OT: A Beautiful Mind - 130 Minuten - Drama
A Beautiful Mind
Kinostart: 28.02.2002
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu A Beautiful Mind

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Alle paar Jahre feiert Hollywood sich selbst mal ab, weil ihnen abseits von Krawumm und Effekthascherei (ohne das ich das verurteilen möchte) etwas Anspruchsvolles glückt, was dann auch die Massen in die Kinos lockt. „A Beautiful Mind“ ist so ein Exemplar. Dem Einspiel von 170 Millionen am amerikanischen Boxoffice folgten die erwarteten Oscar-Nominierungen (Acht an der Zahl) und Auszeichnungen (Vier). Die vier Golden Globes waren noch eine nette Dreingabe, interessierten aber nicht wirklich.

„A Beautiful Mind“ ist perfekt durchkalkuliertes Mainstreamkino, das mit Ron Howard („Backdraft“, „The Missing“) auch die passende Ideallösung parat hielt. Ohne jemals einen eigenen Stil entwickelt zu haben, ist er inzwischen schon so etwas wie ein Garant für den publikumtauglichen Kinofilm. Ich wage zu orakeln, dass der bald anstehende „Cinderella Man“ (ebenfalls wieder mit Russel Crowe in der Hauptrolle) genau nach dem gleichen Rezept gestrickt wird. Angesichts der Glättung des Lebens von Zahlengenie John Nash (Crowe, „The Insider“, „Gladiator“) und Aussparung jeglicher am Denkmal kratzender Wahrheiten, ist das Endresultat letztlich eigentlich eine verlogene Angelegenheit, für die Akiva Goldsman (u.a. auch Drehbuchautor von „Batman & Robin“ und dem unsäglichen „Lost in Space“. Das sagt schon alles...) dutzendfach geohrfeigt gehört.

Nun gibt es da aber immer noch immer noch eine Darstellerriege, die sich hier tüchtig ins Zeug legte – allen voran Russell Crowe. Der seit „The Insider“, „Gladiator“ und „Master and Commander: The Far Side of the World” zu meinen Lieblingsschauspielern zählende Australier spielt nun schon seit Jahren auf einem hohen Niveau, das wenige überhaupt erreichen. Das Universaltalent spielt den menschenscheuen Nash so gefühlvoll, emotionell und natürlich, als hätte er nie etwas anderes getan. Zumindest die Nominierung bekam er und der Film ganz zurecht.

Nashs erste wichtige Station ist Princeton im Jahr 1947. Als Sonderling von den Kommilitonen abgestempelt, beschränkt er soziale Kontakte nur auf das Nötigste und geht ganz in seiner Welt, die aus Zahlen und Gleichungen besteht auf. Das damals noch verkannte Genie hat nicht nur mit einer Denkblockade, sondern auch seinem Unerfahrenheit bezüglich des weiblichen Geschlechts zu kämpfen, was seine Mitstudenten dann immer wieder sehr amüsiert. Erst als er zum Professor aufsteigt und die bildhübsche Studentin Alicia (Jennifer Connelly, „Dark City“, „Hulk“) in sein Leben tritt, trifft er zum ersten Mal seine große Liebe, die seine merkwürdige, sehr direkte Art mit Menschen umzugehen, schätzt.

Alles scheint so idyllisch, bis der Geheimdienst (ein königlicher Ed Harris, „The Rock“, „Pollock“) ihn wirbt und zum Knacken von Codecs benötigt. Er ist der einzige, der Amerika vor den Kommunisten, die Böses planen, retten kann. Von Angstattacken geplagt und Wahnvorstellungen verfolgt, stellt man schließlich bei ihm Schizophrenie fest – im fortgeschrittenen Stadium. Nash leidet schon seit seiner Jugend daran. Seine Karriere, sein Ruf, sein Streben nach Wissen und vor allem seine Familie (inzwischen mit Kind) sind der Zerstörung nahe.

Seine Einweisung in die Nervenheilanstalt und sein späterer Aufenthalt zuhause (unter vielen Psychopharma wird die Krankheit unterdrückt) sind emotionale, unter die Haut gehende, dramatische Episoden, die bei aller Berechnung ihr Ziel nicht verfehlen. Der Film reißt diese Zeit etwas schnell runter, sodass nicht ganz klar wird, warum die deutlich unter John leidende Alicia nicht schleunigst das Weite sucht und einen Neuanfang wagt. Dennoch gefiel mir die zweite Hälfte, die sich Nash, der seine Krankheit akzeptiert, später alle Medikamente absetzt und deswegen alles neue zunächst instinktiv misstrauisch beäugt, weitaus besser. Sein unstillbares Bestreben nach neuen Erkenntnissen und die dagegen kämpfenden Medikamente hätten weitere Szenen verdient.

Das erwartungsgemäße Happyend, die zumindest Teilrehabilitation des Genies und die dank des Nobelpreises schlussendliche Akzeptanz aller, sind im letzten Drittel vorzufinden. Leider gelingt es Howard nie die einzelnen Stationen seines Lebens flüssig durchzuerzählen. „A Beautiful Mind“ wirkt kapitelhaft durchstrukturiert. Die wichtigsten Informationen wurden zusammengefasst, nur der filmische Schuh wurde nicht draus. Daher ist der Oscargewinn für Ron Howard hier auch etwas überraschend, denn über eine besonders gute Regie verfügt der Film nicht. Wohl aber über einen einmal mehr überragenden, wundervoll nuancierten Russell Crowe, der sich damit in ein neues Metier begab.

Fazit:
Inhaltlich durchschnittliches, biographisches Drama eines Zahlengenies, das weder über eine außergewöhnlich gutes Drehbuch noch einen überdurchschnittlich kompetenten Regisseur verfügt, dabei jedoch mit einer bestechenden Topriege überzeugt. „A Beautiful Mind“ wird sicherlich etwas zu hoch gehandelt. Zu unausgegoren werden die Stationen zusammengekleistert. Negatives wird verschwiegen, die Glorifizierung eines fast gescheiterten Genies wird in die Tat umgesetzt. Die Dramakomponente rund um Nashs Krankheit funktioniert jedoch ganz hervorragend und Russell Crowe hat bei mir eh ein Stein im Brett. Der Überflieger ist es nicht, aber weh getan hat er jedenfalls auch keinem.

Wertung:
7/10 Punkte


Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 66
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