Die Neun Pforten

OT: - 133 Minuten - Mystery / Thriller
Die Neun Pforten
Kinostart: 16.12.1999
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 18.08.2011
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Filmkritik zu Die Neun Pforten

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Als Novum in der jüngeren Horrorfilmgeschichte muss ohne weiteres Roman Polanskis „The Ninth Gate“ genannt werden. Sich ganz von modernen effekthaschenden Inszenierungen lösend, gelingt dem polnischen Regisseur ein zutiefst klassischer, gruseliger Horrorthriller, der in seiner Zeitlosigkeit auch noch in vielen Jahrzehnten für Gänsehaut sorgen wird – eben genau wie „Rosemary’s Baby“. Obwohl er sich lediglich auf einen Handlungsstrang aus Arturo Pérez-Reverte konzentrierte und den Rest strich, gelang ihm hier die wohl beste Roman-Adaption seit „Der Name der Rose“. Polanski erklärt nicht viel, lüftet nur wenige Geheimnisse und überlässt dem Zuschauer das Mitdenken. „The Ninth Gate“ ist gleichermaßen spannend wie atmosphärisch und gruselig. Schon mit seinem kribbeligen, schon allein zig Fragen aufwerfenden Intro, sorgt er für reichlich Neugierde. Doch bis die befriedigt wird, soll es etwas dauern...

Dean Corso (Johnny Depp, „The Astronaut's Wife”, „From Hell”) ist in dieser Bücherschnitzeljagd die Hauptfigur. Der „Bücher-Dealer“ ist gleichermaßen gefühlskalt wie skrupellos, verfügt jedoch über ein ungeheures Bücherwissen. Der gesellschaftliche Außenseiter lebt nur für den schnöden Mammon (auch wenn er nicht danach aussieht), ist stets zur Stelle wenn wertvolle Büchersammlungen aufgelöst werden und bescheißt mögliche Erben nach Strich und Faden. Diese moralische Unabhängigkeit und die Gier nach Geld macht ihn für den reichen Büchersammler Boris Balkan (Frank Langella) so wertvoll. Wem kann man besser vertrauen, als einem Mann, dessen Loyalität man sich erkaufen kann? In seinen Diensten macht Corso sich nach Europa auf, um die Echtheit eines raren, Sammlerstücks Balkans mittels eines Vergleichs zu überprüfen. Lediglich zwei weitere Exemplare sind noch von diesem Buch existent. Es ist eine Anleitung um den Teufel zu beschwören... Wenige Stunden nach Aushändigung des Buches findet er seinen Kollegen tot vor und zwar in einer Pose, wie sie auch das Buch zeigt...

Das soll aber erst der Anfang einer Reihe mysteriöser Vorfälle sein. In Europa haftet sich eine geheimnisvolle Frau an seine Fersen, die ihm zwar hilfreich zur Seite steht, jedoch ganz eigene Ziele verfolgt. Vorher kennen gelernte Charaktere geben sich als etwas völlig anderes zu erkennen. Dem bald von einer Angstparanoia befallenen Corso kommt zurecht das alles nicht ganz geheuer vor. Ist hier etwa Magie im Spiel?

„The Ninth Gate“ ist bis in die kleinste Nebenrolle ideal besetzt. Neben der wirklich extrem unheimlichen Emmanuelle Seigner ist natürlich Johnny Depp, der sich inzwischen zu oft in plumperen Mainstreamfilmen wiederfindet (Braucht er das Geld?), als ein Ausnahmedarsteller zu finden. Wie er sich in die Figur des Büchersöldners versetzt und ihm trotzdem noch seinen schrägen, leicht strangen Stempel aufdrückt, ist einfach grandios. Nuanciert spielt er den etwas schludrig-schlampigen Corso, der bald nicht nur des Geldes wegen quer durch Europa jagt.

Angesichts der Polankskischen Inszenierung stellen sich mir bei jedem erneuten Ansehen die Nackenhaare auf. So schlicht und einfach „The Ninth Gate“ auch gemacht ist, er ist perfektes Gruselkino, dass gar nicht mal erschreckt, aber eben mit seiner großartigen Atmosphäre den Zuschauer voll und ganz in seinen Bann zieht. Polanski sieht sich keinem Erfolgsdruck ausgesetzt und unterliegt damit nicht den Restriktionen des Mainstreams. Er kann seine Vision so umsetzen, wie er sie vorgesehen hat, kein Produzent pfuscht ihm rein und so spürt man in jeder Sekunde die Liebe zum Stoff.

Für Corso scheint dieser Auftrag ein Pakt mit dem Teufel (??) zu sein. Man lauert ihm auf, er stellt seltsame, auf einen bekannten rothäutigen, behörnten Herrn hindeutende, Unterschiede zwischen den Büchern fest und wird immer wieder seinem Auftraggeber konfrontiert. Der ist zwar nie greifbar, scheint ihn jedoch auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Zwischendurch versucht man immer wieder ihm das Buch abzunehmen. Um die richtige Antwort zu erhalten, kommt er meist nur Sekunden zu spät. Wer ist ihm immer einen Schritt voraus? Nur langsam kommt er hinter das Geheimnis des Buches und stößt dabei nicht nur auf einen uralten Satanskult. Doch was ist wirklich und was unwirklich? Ist hier nun schwarze Magie im Spiel oder nicht? Das wird, genau wie die Interpretation des Endes, der Phantasie des Publikums überlassen.

Seine Neugier und seine nun aufkeimende Besessenheit hinter das Geheimnis des Buches zu kommen sind die Triebfedern für Corsos Handeln. Längst nicht mehr an seine Entlohnung deckend, taucht er tief in eine okkulte, unwirkliche Welt ein, um dort endlich Antworten zu finden?! Einen Bärenanteil an der fesselnden Atmosphäre hat auch die Optik des Films. Hier dominieren meist altmodische Gemäuer – meist aus vergangenen Jahrhunderten. Eben die Zeit aus der auch das Buch stammt. Dies fördert, dank Kameramann Darius Khondji („Se7en“, „Alien: Resurrection“) eine unbestimmbare Leere hervor. Ein Gefühl der Einsamkeit, des Alleinseins mit etwas Übernatürlichem, etwas Bösem, ist dadurch stets präsent.

Fazit:
Roman Polanski gelang mit „The Ninth Gate“ ein, heute kaum noch für möglich gehaltener, schwer atmosphärischer Horrorthriller, der ganz auf Blood and Gore verzichtet und dafür raffiniert den Zuschauer zum Miträtseln und Mitfiebern einlädt. Angesichts der düsteren Bildkomposition, den tollen schauspielerischen Leistungen und Polanskis Willen sich hier einfach nicht an Bekanntem zu halten, kann nur eine Empfehlung ausgesprochen werden.

Wertung:
9/10 Punkte


Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 45
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