Sweeney Todd

OT: -  118 Minuten -  Musical / Thriller
Sweeney Todd
Kinostart: 22.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sweeney Todd

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Hollywoods Märchenonkel Tim Burton, der sich als wahrer Spezialist für fantastische, überzogene Stoffe bewiesen hat und der kreative, wegen seiner speziellen Rollenwahl berüchtigte und spätestens durch seinen Auftritt als Jack Sparrow in Fluch der Karibik, auch vom Mainstream Publikum geliebte Johnny Depp, vereinen ihre gemeinsame Kreativität in Sweeney Todd mittlerweile bereits zum sechsten Mal. Und wie man es von diesem Deam Team erwartet ist das Ergebnis höchst zufriedenstellend.


Der Barbier Sweeney Todd (Johnny Depp) wurde von Richter Turpin (Alan Rickman) ins Exil geschickt, damit sich dieser in Ruhe um Sweeneys wunderschöne Frau kümmern kann, auf die er schon lange ein Auge geworfen hat. 15 Jahre später kehrt er zurück, verbündet sich mit der Bäckerin Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter) und hat nur ein Ziel: Rache. Die beiden verdorbenen Seelen verbinden ihre Geschäfte: Denn all diejenigen, die Sweeney Todd tötet, werden ein Stockwerk tiefer von Mrs. Lovett weiterverarbeitet...


Sweeney Todd ist die Adaption des gleichnamigen Broadway-Musicals und Tony-Gewinner, von Stephen Sondheim. Sweeney Todd gilt dabei als eines der blutigsten Musicals der Welt, und die dementsprechende Filmumsetzung steht dem in nichts nach. Dass es in Zeiten von Saw blutiger Filme gibt steht gar nicht zur Debatte, aber auf Musicalebene ist es doch sehr erfrischend einmal eine etwas düstere und blutige Geschichte zu sehen. Sweeney Todd ist dabei das perfekte Gegenstück zu seinem knallbunten, ebenfall mit Johnny Depp in der Hauptrolle gedrehtem Charlie und die Schokoladenfabrik. Zwar war dieser Film kein Musical aber er wurde zumindest stellenweise von Gesangseinlagen aufgelockert. Was jedoch auffällt ist der sehr krasse Gegensatz in der Gestaltung der beiden Filme. Während Charlie und die Schokoladenfabrik ein witziger und bunter Familienfilm ist, ist Sweeney Todd eine düstere, abgründige Geschichte für Erwachsene.


Bereits in der, im Web vorab veröffentlichten, Intro-Sequenz des Films wird klar, dass Sweeney Todd absolut nichts für schwache Nerven ist. Tim Burton hatte die Erlaubnis seine blutige und düstere Adaption des Musicals voll und ganz durchzuziehen. Im dreckigen, versifften England haben die Figuren nichts glamouröses ansich, sondern entsprechen voll und ganz dem von Abgründen durchzeichneten Stil des Films. Sweeney Todd selbst darf London in einer Gesangsszene sehr schön beschreiben als "a hole in the world like a great black pit and it's filled with people who are filled with shit" und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Allerdings sollte man sich keine Sorgen machen, wenn man normalerweise keine Gewaltfilme mag, denn Sweeney Todd verbindet seine Brutalität mit einer wunderschönen visuellen Ästhetik und erzeugt somit einen Stil, der etwas von Sleepy Hollow hat, wenngleich die beiden Hauptfiguren eher wie die Realversionen der beiden, ebenfalls von Johnny Depp und Helena Bonham Carter verkörperten, Hauptfiguren aus Tim Burtons Corpse Bride wirken.


Dabei ist es äusserst bemerkenswert, dass man sich nicht dazu entschieden hat die vielen Gesangseinlagen des Films von professionellen Sänger übernehmen zu lassen, sondern Tim Burton den Wunsch gewährte, dass er seine Schauspieler selbst singen lassen wollte. Bemerkenswert ist dies ins Besondere, hatte doch weder Johnny Depp, noch Helena Bonham Carter eine erwähnenswerte Gesangsausbildung, was sich als großes Risiko für die gesamte Produktion hätte herausstellen können. Es bleibt nun aber auch nicht aus zu sagen, dass man es durchaus hört, dass beide Hauptdarsteller eigentlich keine Sänger sind. Also von einer bühnenreifen Darstellung sind sie alle entfernt, aber dabei kommt ihnen zu gute, dass Tim Burton den Film mehr auf einer realistischeren Filmebene inszeniert, als auf einer überzogenen Musicalebene. Die Musikstücke werden alle dezent in Szene gesetzt und von einer überladenen Muscial-Tanzshownummer ist zum Glück weit und breit nichts zu sehen.


Tim Burton hat die Essenz der Geschichte verstanden, und es ist schön zu sehen, dass man den Charakteren ihre dunkle Seite gelassen hat, und sie nicht zu peinlich effektvollen Auftritten gezwungen hat. Im Zentrum der Geschichte steht nämlich nicht die Show, sondern die tragische Figur des Sweeney Todd, dem sein Leben geraubt wurde und der sich nun seiner Rache verschrieben hat. Sweeney Todd erzählt eine Geschichte voll Tragik und Trauer und taucht dies alles in ein Meer aus Blut. Bemerkenswert ist auch, dass man es wagt die Story vernünftig zu Ende zu bringen, und sich nicht in deplatziertem Kitsch verliert.


Sweeney Todd ist auf mehreren Ebenen besonders im Oeuvre von Tim Burton. Denn obwohl er sich schon immer sehr für dunkle, märchenhafte Geschichte interessierte, war doch noch keine so düster wie Sweeney Todd. Auch ist er auf technischer Ebene der bis dato herausragendste Film den Burton jemals gedreht hat. Die Ausstattung verstärkt den düsteren Flair des Films, und ist genau so opulent, dass der Film an Größe gewinnt, aber dezent genug um sich nicht über die Geschichte zu stellen. Auch die Kostüme, die Kamera und der Schnitt greifen perfekte ineinander und liefern ein handwerklich äusserst befriedigendes Gesamtbild.


Bei einer Besprechung des Films ist es natürlich unmöglich nicht näher auf die Leistung von Johnny Depp einzugehen. Was er in jeder Hinsicht perfekt schafft, ist die emotionale Lage seiner Figur alleine durch seine Augen widerzuspiegeln. Er füllt seinen Charakter sowohl optisch, als auch in allen anderen Belangen perfekt aus, jedoch gibt es einen Faktor, der etwas zwiespältig in Erinnerung bleibt. Denn obwohl Johnny Depp wahrlich nicht schlecht singt, sondern seinen Job sogar überraschend gut macht, bleibt es nicht aus zu sagen, dass er das Innenleben seiner Figur in konventionellen Dialogszenen besser übermittelt, als in den Gesangszenen, die sich zwar nicht schlecht anhören, in denen Depp aber bei weitem nicht seine gewohnte Genialität einfließen lassen kann, da es stellenweise so scheint, als wäre er mit dem Gesang selbst so gefordert, dass er es nicht schafft den Funken Kreativität mit einzubringen, der ihn normal so auszeichnet. Man könnte allerdings auch argumentieren, dass der nicht ganz perfekte Gesang von Depp auch einen eigenen Charme mit sich bringt und die Unvollkommenheit der Figur des Sweeney Todd nur unterstreicht.


Da Sweeney Todd die höchst ungewöhnliche Ausgangslage hat, dass der Protagonist des Films ein Rasiermesserschwingender Mörder ist, der sich gemeinsam mit einer Freundin zusammentut, die aus menschlichen Überresten Fleischkuchen bäckt und diese dann verkauft, erfordern es die Umstände, dass man dem ganzen einen Bösewicht entgegenstellt, der es schafft selbst in dieser dunklen Welt noch hervorzustechen. Und mit Alan Rickman hat man genau diesen Gegenspieler gefunden. Zwar legt der Charakterdarsteller seinen Richter nicht als aufdringlichen Superschurken an, aber dies ist auch gar nicht notwendig. Seine subtile Überheblichkeit, gepaart mit seinem höhst unsympathischen Auftreten, und seinen schrecklichen Taten gegenüber der Hauptfigur, sorgt mich Leichtigkeit dafür, dass er sich den Hass des Publikums sichert.


Leider ist es mir nicht möglich Vergleiche mit dem Musical anzustellen, aber wahrscheinlich ist es ohnehin besser wenn man den Film ohne Vorkenntnisse betritt und sich von Tim Burton durch die schräge, abgründige Welt führen lässt. Sweeney Todd hat es dabei gar nicht notwendig das Publikum durch viele überraschende Plottwists für sich zu gewinnen, sondern erlaubt es sich einfach eine unterhaltsame, blutige und speziell am Ende höchst tragische Geschichte zu erzählen, die wenngleich auch nicht perfekt, doch uneingeschränkt empfehlenswert ist. Sweeney Todd ist sicher nicht der beste Film des Jahres, aber er darf sich zu den besonderen Filmen zählen, die man sich einfach genussvoll ansehen kann ohne dass man viel zu meckern hat. Wer Tim Burton mag, der wird auch hier nicht enttäuscht werden.


Fazit:

Sweeney Todd verfügt wirklich über viele äusserst starke Elemente. In der Karriere von Tim Burton ist Sweeney Todd wohl der düsterste und abgründigste, aber auf jedenfall ist es sein handwerklich perfektester Film. Er entwirft eine tragische, makabre und auf morbide Weise unglaublich unterhaltsame Geschichte einer gebrochenen Seele, und kreiert einen Film, der für das Publikum ein rundum zufriedenstellendes Erlebnis ist. Doch obwohl man eigentlich am Ende des Films relativ wenig zu meckern hat, gibt es dennoch Kleinigkeiten die den Genuss etwas trüben. So fällt es unter anderem auf das Johnny Depp, obwohl er die Figur perfekt ausfüllt, in den Gesangsszenen nicht soviel Emotionen übermittelt wie man es von ihm kennt. Doch man soll sich durch solche Kleinigkeiten nicht abhalten lassen: Jeder der Tim Burton mag, wird seine Freude an Sweeney Todd haben.


Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 56
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Liste von purence
Erstellt: 25.11.2016