Der Krieg des Charlie Wilson

OT: -  97 Minuten -  Politsatire
Der Krieg des Charlie Wilson
Kinostart: 08.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 13.01.2011
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Filmkritik zu Der Krieg des Charlie Wilson

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Im Jahr 2004 fand das große Oscarduell zwischen Million Dollar Baby und The Aviator statt, aus dem der Clint Eastwood Film schließlich als Sieger herausging. Doch es gab einen anderen Film, der sich diesen Award wohl noch mehr als diese beiden Filme verdient hatt: Closer - Hautnah, von Mike Nichols, der jedoch gar nicht nominiert war, weil sein dunkler Umgang mit der Liebe nicht gerade den Nerv der Academy traf. Für das Oscarjahr 2007 gab es dann lange einen großen Oscarfavoriten: Der Krieg des Charlie Wilson, der theoretisch alle Eigenschaften eines Oscargewinners mit sich bringt. Doch als der Film dann das erste Mal vorgeführt wurde, hat er seinen Status als Oscarfavorit schnell verloren. Und das hat auch seine guten Gründe.


Während eines Bades im Whirlpool mit einigen attraktiven Damen, kommt dem Lebemann und Kongressabgeordneten Charlie Wilson (Tom Hanks) eine Idee, wie er seinem Leben einen neuen Schwung geben kann. Anfang der 1980er Jahre marschiert die Sowjetunion in Afghanistan ein, und die Menschen dort haben einfach nicht die finanziellen Mittel um ihnen etwas entgegenzusetzen. Auf Anreiz seiner Freundin Joanne Herring (Julia Roberts) setzt sich Charlie Wilson dafür ein um den Afghanen mehr finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Gemeinsam mit dem etwas von der Bahn abgekommenen CIA Agenten Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman) startet er einen lange andauernden Kampf, um die Russen aus Afghanistan zu vertreiben...


Der Krieg des Charlie Wilson stütz sich auf einer wahren Geschichte, die Drehbuchautor Aaron Sorkin, nach der Romanvorlage von George Crile III adaptierte. Der Kongressabgeordnete Charlie Wilson setzte sich dafür ein, dass die Afghanen in ihrem Krieg gegen die Sowjetunion unterstützt wurden, und ist dafür verantwortlich, dass die finanzielle Unterstützung von Seiten der USA von schlappen 5 Millionen auf 500 Millionen Dollar pro Jahr angehoben worden ist. Doch leider machte Amkerika den Fehler gleich nach dem Abzug der Russen auch ihre finanzielle Unterstützung einzustellen und somit ein zerbombtes Land sich selbst zu überlassen.


In Der Krieg des Charlie Wilson wird auf diesen Umstand mit dem finalen Zitat des echten Charlie Wilson hingewiesen: "There things happened. They were glorious and they changed the world ... and then we fucked up the end game". Charlie Wilson wollte nämlich weiterhin Geld in das Land investieren, sodass man die zerbombten Städte wieder aufbauen könnte, und auch eine medizinische Versorgung und ein intaktes Bildungssystem wieder herstellen könnte. Doch leider lag es seinem Land nur daran den Erzfeind Russland in die Flucht zu schlagen, und so wechselten sich die Fronten drastisch.


Und in diesem Aspekt der Geschichte stellt sich auch die Verbindung zur Gegenwart her. Denn wie die meisten wohl wissen waren die Taliban nicht immer die Feinde der USA. Zuvor wurden sie nämlich mit Waffen und Geld versorgt um den Russen Widerstand entgegen zu bringen. Doch da die USA das Land im Folgenden im Stich gelassen hatte, entstand böses Blut und wir alle wissen ja in welch schrecklichen Ereignissen dies gipfelte. Am Ende von Der Krieg des Charlie Wilson darf der skeptische Philip Seymour Hoffman mit einem zynischen „We will see" in Frage stellen ob die Operation wirklich so erfolgreich war.


Dabei ist der Film allerdings bei weitem nicht so ernst, wie man nach der Schilderung der Thematik annehmen könnte. Regisseur Mike Nichols und vor allem Drehbuchautor Aaron Sorkin, der dem Film noch mehr seinen Stempel aufdrückt als Nichols, haben sich für einen sehr leichtfüßigen Stil entschieden, sodass Der Krieg des Charlie Wilson zu einer angenehm unterhaltsamen Politsatire wird, die jedoch das Problem hat etwas zu oberflächlich zu sein.


Zwar hat man sich nicht hinreissen lassen den Film zu einer reinen Lobhymne auf die großzügigen Amerikaner verkommen zu lassen, die das arme Land retten, aber dafür haben sich einige andere Anbiederungen an das konventionelle Hollywoodkino eingeschlichen. So fällt es auf, dass Der Krieg des Charlie Wilson zwar eine Politsatire ist, aber leider ist er als solche an vielen Stellen nicht bissig genug. Auch verhindert die knallhart reduzierte Laufzeit von gerade einmal 97 Minuten dass sich die Geschichte wirklich entfalten kann und so dringt der Film nie tief in die Materie ein, sondern schrammt oberflächlich an ihr vorbei.


Auch scheint es so, als wollte man es unbedingt verhindern, dass man erneut wegen der zu dunklen Atmosphäre, wie bereits 2004 in Closer, um die große Oscarehrung gebracht wird. Doch leider hat man es, ironischerweise gerade in dem Jahr in dem eher düstere Filme wie No Country for Old Men, There Will Be Blood, u.a. angesagt sind, mit der freundlichen Atmosphäre übertrieben. Denn alleine mit seinen bunten und einladenden Bildern macht Der Krieg des Charlie Wilson schon vollkommen klar, dass man es sehr auf ein Mainstreampublikum abgesehen hat, und es somit auch in Kauf nimmt das Thema etwas oberflächlich abzuspulen.


Mike Nichols Inszenierung ordnet sich dementsprechend auch diesen Faktoren unter. Die Atmosphäre ist stets leicht und locker, die Inszenierung schwungvoll und die Ausstattung in warmen Farben getaucht. Auch der Humor des Films ist so gestaltet, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, sondern sich alle herzhaft unterhalten fühlen. Doch leider fehlt das Böse an dieser Satire. Wo sind die bissigen Szenen, oder gar Szenen, bei denen der Zuseher wirklich über das Gezeigte nachdenken muss? Leider hat man sich bewusst gegen solch Szenen entschieden, damit man auch ein größeres Publikum ist Kino lockt.


Doch man soll auch nicht zu hart mit dem Film umgehen, es ist nur eben so, dass man nach Closer einen weitaus besseren Film von Mike Nichols erwartet hätte. Dennoch ist Der Krieg des Charlie Wilson sehr unterhaltsam, amüsant und schafft es mit Abzügen auf seine Thematik aufmerksam zu machen. Tom Hanks spielt dabei gewohnt solide, da sein Charisma ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, aber von seinen besten Leistungen ist er doch ein Stück entfernt. Philip Seymour Hoffman schließlich beweist sich Film um Film immer mehr als herausragender Darsteller, und kann auch in Der Krieg des Charlie Wilson auf ganzer Linie überzeugen. Gegen diese beiden großen männlichen Schauspielern kann nicht einmal eine Julia Roberts maßgeblich auf sich aufmerksam machen, und bleibt somit als reichlich unscheinbar in Erinnerung.


Fazit:

Der Krieg des Charlie Wilson ist eine von Anfang an unterhaltsame Politsatire, der jedoch die nötigen Zähne fehlen, um der Materie auch wirklich gerecht zu werden. Man traut sich nicht irgendjemandem weh zu tun, und versucht sich sehr diplomatisch aus der Affäre zu ziehen. Dies und die zu kurze Laufzeit verhindert, dass der Film etwas wirklich beeindruckendes darstellt. Ein unterhaltsamer Unterhaltungsfilm mit einigen tollen Momenten ist aber trotzdem daraus geworden.


Wertung:

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