Tödliche Entscheidung (2007)

OT: Before the Devil Knows You're Dead - 123 Minuten - Thriller / Drama
Tödliche Entscheidung (2007)
Kinostart: 09.05.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Tödliche Entscheidung

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"May you be in heaven half an hour... Before the devil knows you're dead"

 

Dies ist das einleitende Zitat, das vor all den schlimmen Ereignissen im neuen Sidney Lumet Film Before the Devil Knows You're Dead steht. Als Einleitung dient jedoch eine völlig andere Szene: Noch vor einem richtigen Vorspann, oder einer langsamen Einleitung werden wir Zeugen einer äusserst intimen Sexszene zwischen Marisa Tomei und Philip Seymour Hoffman. Zwei Körper prallen aufeinander wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der weibliche Körper zart und zerbrechlich, trifft auf den schwermütigen, massigen Körper des Mannes. Und dies bleibt nicht die einzige bizarre Kollision in diesem Film.


Andy (Philip Seymour Hoffman), Ehemann der wunderschönen Gina (Marisa Tomei) und einem schönen Drogentrip nicht abgeneigt, hat es satt immer auf das Einkommen zu achten. Sein Bruder Hank (Ethan Hawke), der hinter Andys Rücken mit dessen Frau schläft, hat ebenfalls Geldprobleme, doch er ist nicht nur wie sein Bruder hinter dem Luxus her, sondern benötigt das Geld um Alimente an seine Ex-Frau (Amy Ryan) zu bezahlen. Deshalb überlegen sich die beiden Brüder ein Verbrechen ohne Opfer: Sie wollen den Juwelierladen ihrer Eltern Charles (Albert Finney) und Nanette (Rosemary Harris) überfallen, doch aus dem ansich sicheren Plan wird ein Desaster....


Es gibt Regisseure, deren Handschrift kennt man sofort auf den ersten Blick. Unabhängig von Genre und Thema verwenden sie wiederkehrende Elemente, an denen man sie immer wieder identifizieren kann. Der großartige Sidney Lumet ist jedoch keiner dieser Regisseure, sondern ordnet sich stets der Geschichte unter, wählt seine Mittel dezent und überlässt die Großteil der Last den Schauspielern, denen er genügend Freiraum lässt, für die er aber immer auch einige kreative Richtlinien parat hat.


Da sein Regiestil nicht gerade der aufdringlichste ist, sondern sich eben anderen Faktoren unterordnet, war er auch nie der Liebling der Oscarjury und konnte sich trotz Nominierungen für seine großartigen Filme Die 12 Geschworenen, Hundstage, Network und The Verdict, sowie einer Drehbuchnominierung für Prince of the City nie durchsetzen. Vor drei Jahren, als Sidney Lumet sein 80. Lebensjahr erreichte wurde ihm schließlich der Ehrenoscar überreicht, was für die Academy normalerweise bedeutet, dass sie glauben, dass seine Karriere das Zenit bereits überschritten hat.


Wenn man ehrlich ist, dann ist diese Schlussfolgerung auch nur logisch, bewegten sich Lumets letzten Filme doch weit unter dem Niveau seiner Meisterleistungen. Doch es ist schön zu sehen wie sich dieser Altmeister erneut zurückmeldet, und mit Before the Devil Knows You're Dead einen Film vorlegt, der ebenso aus seiner Blütezeit während der 70er stammen könnte. Wäre die Konkurrenz in diesem Jahr nicht so überirdisch stark, wäre es ein Film der mühelos im Oscarrennen mitmischen könnte. Auf jedenfall aber ist es ein Film den man gesehen haben sollte.


In Before the Devil Knows You're Dead dreht sich alles um eine äusserst dysfunktionale Familie, die sich durch ein Reihe an Fehlentscheidungen und dummen Zufällen immer weiter in eine Katastrophe steuert. Es fängt bereits damit an, dass Hank regelmäßig mit der Ehefrau seines Bruders ins Bett steigt, und somit sein Vertrauen auf eine sehr schlimme Art und Weise missbraucht. Doch gegen all die äusserst pikanten Ereignisse, die im späteren Verlauf des Films noch folgen werden, ist dies ein Klacks.


Denn der Auslöser für all die unnötigen Probleme ist, dass sie beschließen den Juwelierladen ihrer Eltern zu überfallen. Sie denken nicht daran, dass dabei irgendwelche Schwierigkeiten entstehen könnten, sind die Eltern doch versichert, und sie selbst kennen alle Winkel des Ladens in- und auswendig. Andy will eigentlich alles ruhig angehen lassen, und den Raub völlig ohne Waffen durchziehen, doch schließlich kommt alles anders als geplant und der harmlose Raub ohne Opfer, wird zur Tragödie für die ganze Familie. Die große Stärke des Films ist nun wie ihn Sidney Lumet inszeniert, und wie er den Figuren Raum zur Entfaltung gibt. Alleine seine filmische Struktur, die alle Figuren abgeschottet voneinander abhandelt ist äusserst komplex und interessant, und fügt sich am Ende mit einem Knall zu einem großartigen Ganzen zusammen. Die Story selbst ist dabei relativ simpel und einfach aufgebaut, jedoch bringt Sidney Lumet durch den kaleidoskopartigen Aufbau einiges an Tiefe ins Geschehen.


Die Schauplätze, an denen sich die Geschichte abspielt sind dabei dezent, aber ausserordentlich elegant und in unterkühlte Farben getaucht, sodass das Szenario einen sehr edlen Look bekommt. Doch wie man es von Lumet kennt, sind die wahren Highlights die Darsteller, und zwar nicht nur ein einziger, sondern das gesamte Ensemble. Philip Seymour Hoffman konnte sich dank seines Oscargewinns mit Capote endlich aus seinen Nebenrollen emanzipieren und darf mittlerweile auch schon einen Film auf seinen Schultern tragen. In Before the Devil Knows You're Dead darf er sich nun erneut von seiner besten Seite zeigen, und auch Ethan Hawke und Marisa Tomei liefern awardwürdige Leistungen. Albert Finnley obliegt es in einem höchst tragischen Finale die Geschichte zu Ende zu bringen, und er schafft dies auch mit Bravour.


Before the Devil Knows You're Dead ist somit insgesamt ein sehr stilsicher inszenierter Film, der besonders davon profitiert, dass die Geschichte sehr bodenständig ist, und die Charaktere so geerdet gezeichnet werden, dass man sich mühelos in sie hineinversetzen kann. Die beiden Brüder sind keine kaltschnäuzigen Verbrecher, sondern normale Menschen, die eine Chance sehen ihre finanziellen Probleme zu lösen, und dadurch eine Lawine an falschen Entscheidungen lostreten. Was Sidney Lumet im Folgenden daraus macht ist ganz großes Kino auf sehr hohem Niveau. Sehr schön dass es noch solche Filme gibt.


Fazit:

Sidney Lumet wurde als Regisseur bekannt, der sich selbst nicht aufspielt, sondern seine Geschichte wirken lässt, und seine Darsteller zu Höchstleistungen antreibt. Somit ist Before the Devil Knows You're Dead ein klassischer Lumet, wenngleich man ihn seit den 70ern nicht mehr so gut gesehen hat. Die Story entwickelt sich glaubhaft und wird zu einem höchst tragischen Ende geführt. Ähnlich wie bei Woody Allens Match Point greifen alle Räder ineinander und schieben die Figuren langsam aber sicher in Richtung Abgrund. Jeder der Lumet bis jetzt mochte, darf sich diesen Film nicht entgehen lassen, und für alle die sich bisher nicht sonderlich für seine Filme interessierten ist Before the Devil Knows You're Dead der perfekte Einstieg in sein Schaffen.


Wertung:

8/10 Punkte










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