Redacted

OT: -  90 Minuten -  Antikriegsfilm
Redacted
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Redacted

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Viele Filmfans lieben Brian de Palma dafür, dass er es sehr schön schafft, filmgeschichtliche Referenzen in seine Filme einzubauen und damit gleichzeitig eine Hommage an die früheren Werke erschafft, aber auch seinen eigenen Film aufwertet. Es ist kein Geheimnis, dass Brian de Palma ein riesiger Fan von Alfred Hitchcock ist, was spätestens seit Der Tod kommt zweimal ohnehin jeder gesehen hat. Mit seinem neuesten Werk Redacted weicht er nun etwas vom Konzept der Hommagen ab und erlaubt sich höchstens eine Anspielung auf sein eigenes Werk: Casualties of War.


Redacted handelt von einer Gruppe US-Soldaten im Irak. Stationiert an einem Kontrollposten, vegetieren sie vor sich hin und sehen sich stets mit der unnahbaren Gefahr bedroht, die von allen Seiten auf sie lauert. Ihre Psyche wird langsam zermürbt, und wie es in Extremsituationen eben so ist, kann ein kleiner Funke zu einer gigantischen Katastrophe führen: Als ein Wagen auf den Kontrollpunkt zurast und nicht langsamer wird, eröffnen sie das Feuer, und wie sich später herausstellt, haben sie eine hochschwangere Frau und ihren Mann auf dem Weg ins Krankenhaus erschossen. Doch nicht alle Soldaten empfinden gleich viel Trauer für diesen Vorfall, und eine kleine Gruppe plant bereits eine weitere Schandtat: Sie wollen das Mädchen, das bei ihrem Heimweg immer am Posten vorbei muss, besuchen und vergewaltigen...


Die Parallelen zu dem oben erwähnten Brian de Palma Film Casualties of War sind zumindest inhaltlich nicht von der Hand zu weisen. Damals wurde der junge Michael J. Fox von seinem Zugsführer, gespielt von Sean Penn, gezwungen, eine Frau zu vergewaltigen. Der damalige Krieg fand in Vietnam statt, in Redacted dreht sich alles um den Irakkrieg. Dabei gibt es allerdings zwei wesentliche Unterschiede: Der Vietnamkrieg war längst vorbei, als Casualties of War gedreht wurde, während der Irakkrieg immer noch voll im Gang ist. Aber vor allem basiert Redacted auf einem wahren Vorfall: Dem Massaker von Mahmudija.


Dieses Massaker fand am 12. März 2006 nahe der mittelirakischen Stadt Mahmudja statt. Dabei haben fünf Soldaten der US-Armee eine erst 14-jährige Irakerin vergewaltigt und ermordet. Im Anschluss an diese Tat haben sie noch die Eltern und die jüngere Schwester des Opfers getötet und ihr Haus angezündet. Im Anschluss an dieses Massaker hat eine militante Gruppe mit dem Namen Mudschaheddin-Schura-Rat drei Soldaten, die der selben Einheit angehörten, entführt und schließlich vor laufender Kamera ermordet. Das Dokument dieser Schandtat stellten sie schließlich im Internet der Weltöffentlichkeit zur Verfügung.


Redacted hat nun zwar aus rechtlichen Gründen einige Details verändert, aber dass sich der Film auf diese wahren Ereignisse stützt, ist unwiderlegbar. Brian de Palma ist laut eigenen Angaben durch das Internet über diesen Fall gestolpert und hat die Ereignisse durch verschiedene Websiten, Blogs und Videoseiten rekonstruiert. Für Redacted hat er versucht, diesen rekonstruierenden Stil auf die Leinwand zu bringen. Brian de Palma hält an einigen Stellen die Kamera einfach auf Websites und versucht somit einen Dokumentarstil zu wahren.


Der Titel Redacted ist dabei eine Anspielung auf das gerne vom Militär verwendete Zensurverfahren, bei dem gewisse Stellen in Berichten geschwärzt werden. Der Film selbst nun versucht dieser Zensur entgegen zu wirken und alles zu zeigen. Brian de Palma hat sich dafür entschieden, seinen Film im Stil einer Mockumentary, also einer Fake-Doku, zu drehen. Der Film besteht ausschließlich aus Aufnahmen, die von Kameras stammen, die von den Soldaten geführt werden, oder eben dem oben beschriebenen Abfilmen von Websites. Zwar bleibt die gewohnte visuelle Opulenz von Brian de Palma dadurch auf der Strecke, aber man kann auch nicht abstreiten, dass dieser Stil seinen Reiz hat.


Dass Brian de Palma allerdings hierfür den Regiepreis bei den Filmfestspielen in Venedig gewonnen hat, dürfte wenig mit der filmischen Qualität von Redacted zu tun haben. Momentan ist es eben so, dass der Großteil der Menschen sogar in Amerika gegen den Krieg im Irak sind, und es ist im Augenblick hip, gegen die sinnlose Kriegstreiberei zu sein. In Europa ist dies natürlich noch schlimmer, und es scheint so, als würde alles und jeder, der auch nur Ansatzweise gegen Amerika Stellung bezieht, hoch im Kurs stehen. Und nur deshalb konnte sich Brian de Palma für diesen sehr oberflächlichen Film den Regiepreis von Venedig sichern.


Redacted erzählt nämlich nichts, was wir nicht alle schon wissen: Der Krieg verändert den Menschen und bringt das Schlimmste in ihm hervor. Brian de Palma dringt nun weder besonders tief in die Psyche seiner Charaktere vor, noch kann er der Materie neue Facetten abgewinnen. Redacted ist nämlich alles andere als mutig, denn es gehört in der heutigen Zeit nicht mehr viel dazu, gegen das US-Militär zu sein, und obwohl die Taten in Redacted zweifellos grausam und abscheulich sind, können sie den Zuseher nie ergreifen. Denn der Film geht eben stets auf Nummer sicher und versteckt sich gerne hinter Oberflächlichkeiten.


Fazit:

Dass sich Redacted den Regiepreis in Venedig sichern konnte, liegt wohl einzig daran, dass der Film gegen Amerika Stellung bezieht und über einen zugegeben interessanten Mockumentary Stil verfügt. Denn auf filmischer Ebene besitzt Redacted so einige gravierende Schwächen: Brian de Palma schafft es weder, in die Psyche seiner Figuren einzudringen, noch kann er seiner schockierenden Story Tiefe verleihen. Der Film bleibt an den oberflächlichen Grausamkeiten des Krieges hängen, ohne jemals mehr daraus zu machen. Schade, da hätte mehr daraus werden können.


Wertung:

5/10 Punkte

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Ø Wertung: 5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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