Todeszug nach Yuma (3:10 to Yuma)

OT: -  117 Minuten -  Western
Todeszug nach Yuma (3:10 to Yuma)
Kinostart: 18.01.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Todeszug nach Yuma (3:10 to Yuma)

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Kann ein Western das heutige Action-verwöhnte Publikum überhaupt noch begeistern? Die Antwort muss ein klares ja sein, denn der hier besprochene Todeszug nach Yuma, ein Remake des B-Western Klassikers Zähl bis Drei und bete, konnte sich immerhin die Spitzenposition der US-Charts sichern, und sich selbst in die Gewinnzone befördern. Das Rezept ist denkbar einfach: Ein Regisseur, dessen letzter Film Walk the Line Kritiker und Publikum gleichsam überzeugen konnte und ein Ensemble wie man es sich besser nicht wünschen könnte. Herausgekommen ist der wohl beste Grund dafür, dass der Western eigentlich nicht tot sein dürfte.


Dan Evans (Christian Bale) bringt seine Familie, bestehend aus seiner Frau Alice (Gretchen Mol) und seinen beiden Söhnen William (Logan Lerman) und Mark (Benjamin Petry) gerade so über die Runden. Dan leidet weiters daran, dass er damals im Bürgerkrieg ein Bein verloren hat, aber als ihm der Job angeboten wird, den gefährlichen Verbrecherboss Ben Wade (Russell Crowe) nach Contention zu bringen, wo der Gefangenentransportzug nach Yuma losfährt, nimmt er wegen der Belohung von 200 Dollar an. Doch dieser Ritt ist nicht gerade einfach: Dan wird nur von einer kleinen Gruppe Männer begleitet, und vor ihm liegt das Indianergebiet. Ausserdem ist Wades Bande, unter der Leitung von Charlie Price (Ben Foster) bereits hinter ihnen her...


Aus dem Westerngenre entspringen zweifellos einige Perlen der Filmgeschichte. Der Western ist ein ur-amerikanisches Genre voll mit klaren Regeln und gespickt mit klar definierten Charakteren. Etwas anders sieht es schon mit dem Italo-Western aus, der sich eher auf zynische Hauptfiguren stützt, und bewusst den amerikanischen Regeln widerspricht. Nach der Boomphase vegetierte das Genre vor sich hin und konnte nur durch vereinzelte Ausnahmefälle wie Clint Eastwoods oscarprämiertes Meisterwerk Erbarmungslos kurzfristig aus der Versenkung gezogen werden. Todeszug nach Yuma ist nun wieder einer dieser Ausnahmefälle, der beweist, dass das Genre noch immer etwas hergibt, auch wenn die Klasse eines Erbarmungslos nicht erreicht wird.


Dabei besitzt Todeszug nach Yuma sowohl Aspekte des klassischen amerikanischen Western, als auch des Italo-Westerns. Von der melancholischen Stimmung eines Erbarmungslos ist in Todeszug nach Yuma allerdings nichts zu sehen. Clint Eastwood hatte damals die Mechanismen des Genres vollständig durchleuchtet und einen zutiefst pessimistischen Abgesang auf das Genre erschaffen. Er war sich damals durchaus bewusst, dass es wohl die letzte Chance für ihn ist das Genre, das ihn berühmt gemacht hatte mit Würde zu Grabe zu tragen, und er hat diese Chance nicht verstreichen lassen.


Todeszug nach Yuma geht einen vollkommen anderen Weg: James Mangold taucht das Szenario in eine schillernde Hochglanzoptik und versucht gar nicht erst auf eine metaphysische Ebene vorzudringen. Sein Film ist ein reines psychologisches Duell zwischen seinen beiden Hauptfiguren, und als solches voll und ganz überzeugend. Es hat etwas höchst beeindruckendes an sich, wie die beiden Gegenspieler immer mehr Gemeinsamkeiten entdecken, und sich aus blanker Rivalität immer mehr Achtung und Respekt entwickelt.


Ein Großteil des Lobes gebührt dabei den beiden unvergleichlichen Darstellern Christian Bale und Russel Crowe. Beide haben sich unzählige Male als grandiose Charakterdarsteller bewiesen, und beide agieren in Todeszug nach Yuma am Zenit ihrer Leistungsfähigkeit. Russel Crowe übernimmt dabei den dankbareren Part als charismatischer Gegenspieler, den man trotz seiner Missetaten einfach sympathisch finden muss. Christian Bale schließlich ist der aufrichtige Kerl, der für das Richtige kämpft, aber dafür wesentlich unspektakulärer in Erscheinung tritt. Doch nicht nur diese beiden offensichtlichen Genies sollen erwähnt werden, sondern der gesamte Cast verdient für die grandiosen Leistungen ein dickes Lob. Einzig Ben Foster als genial psychopathischer Bösewicht muss noch zusätzlich hervorgehoben werden, da er mit absoluter Gänsehautgarantie in Erscheinung tritt.


Das Aufeinanderprallen dieser Ausnahmetalente sorgt schließlich für das was man gemeinhin als pure Kinomagie bezeichnet. Die Story entwickelt sich nachvollziehbar und begeisternd weiter und wird auch zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht, wenngleich dieses wohl auch der Punkt ist, der am meisten Angriffsfläche für mögliche Kritiker lässt. Auch weicht der Film manchmal von seinem stark reduzierten psychologischen Duell ab, und verliert sich ein kleines bisschen in Nebensächlichkeiten. Doch dies ist wirklich meckern auf hohem Niveau, denn Todeszug nach Yuma ist ein in jeder Hinsicht starker und vorbildlicher Unterhaltungsfilm.


Fazit:
Todeszug nach Yuma ist der beste Beweis dafür, dass der Western eigentlich nicht tot sein dürfte, denn die Mechanismen des Genres funktionieren noch immer. Auch ist es schön, dass sich James Mangold, einmal von seiner Hochglanzoptik abgesehen, auf keine modernen Spielereien einlässt, sondern seinen Western nach dem Stil der alten Schule inszeniert. Im Zentrum steht ein genial fesselndes psychologisches Duell zwischen zwei groß aufspielenden Hauptdarstellern, die sich von ihrer besten Seite zeigen. Zwar werden die ganz hohen Western-Sphären nicht erreicht, aber ein Unterhaltungsfilm auf sehr hohem Niveau ist auf jedenfall dabei herausgekommen.


Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 33
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