Die Band von Nebenan

OT: -  85 Minuten -  Komödie
Die Band von Nebenan
Kinostart: 01.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Band von Nebenan

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Jedes Jahr wird im Zuge der Oscarverleihung der Award für den Besten fremdsprachigen Film vergeben. Meistens finden sich in dieser Kategorie auch viele Highlights, und für die Filmemacher ergibt sich eine schöne Chance ihren Film mit einer Nominierung, einem breiten Publikum bekannt zu machen. Israel wollte den hier besprochenen Die Band von Nebenan ebenfalls einreichen, aber dabei gab es nur ein Problem: Für die Kategorie Bester fremdsprachiger Film muss großteils in einer anderen Sprache als Englisch gesprochen werden, jedoch bezieht Die Band von Nebenan gerade seinen Reiz daraus, dass Ägypter auf Israelis treffen und sich diese in brüchigen Englisch unterhalten müssen. Folgedessen lehnte die Academy den Film ab und bewies einmal aufs Neue ihre Engstirnigkeit. Vielleicht wird es dem Mythos des Films jedoch sogar gut tun.


Es war einmal eine verlorene Kapelle in der Wüste... Kaum jemand erinnert sich an diese Geschichte. So wichtig war sie nicht: Das Alexandria Polizeiorchesters wurde engagiert um bei der Eröffnung eines arabischen Kulturzentrums in Israel zu spielen. Durch Fehler bei den Bürokraten, Pech und Zufällen verirren sie sich bereits am Flughafen, und landen schließlich in einem verlassenen Dorf mitten in der Wüste. Da es dort auch kein Hotel gibt, müssen sich die zurückhaltenden Ägypter Privatquartiere für die Nacht suchen, wodurch sich einige sehr interessante Begegnungen ergeben...


Die Band von Nebenan handelt vor allem davon vereiste kulturelle Krusten aufzubrechen und sich einfach ohne Vorurteile zu begegnen. Die oben beschriebene, engstirnige Reaktion der Oscarjury zeigt auch eindrucksvoll wie nötig wir diesen Film in unserer, von Bürokratie erdrückten Welt haben. Denn anstatt die Augen eine Spur aufzumachen, und zu erkennen wie sehr dieser Film, alleine wegen seines kulturellen Inhalts für die Kategorie als Bester fremdsprachiger Film geeignet ist, halten sich alle nur an die vorgegebenen Zahlenwerte, die bestimmen ab wann ein Film für diese Kategorie zugelassen ist.


Der Film hat es sich dabei vor allem zum Thema gemacht die vereiste Beziehung zwischen Israel und Ägypten wieder aufzufrischen. Seit dem Bestehen des Staates Israel waren die beiden Länder die Hälfte der Zeit im Krieg, und die andere Hälfte lang lebten sie in einem kalten Frieden. Die Band von Nebenan ist nun ein ausserordentlich charmantes Plädoyer dafür, dass man die Einstellungen der Regierungen hinter sich lassen kann, und selbst entscheiden soll was man tut, und wen man ins Herz schließt.


Es ist von lakonischem Humor getragen wie sich die steifen Ägypter zunächst im Militärmarsch durch die Wüste bewegen, und dabei nicht gerade auf verständnisvolle Reaktionen treffen. Mit kleinen Gesten kann Regisseur Eran Kolirin hier viel erreichen und eine sehr warmherzige Geschichte voll liebenswerter Figuren erschaffen. Als Zuseher sollte man sich allerdings kein Gagfeuerwerk erwarten, denn dafür ist Die Band von Nebenan mit Sicherheit der falsche Film. Viel mehr punktet das Szenario dadurch, dass es sich dezent an den kulturellen Konflikt zweier Nationen annähert und ihn sogar auf persönlicher Ebene zu lösen beginnt.


Auch ist es schön zu sehen, dass man einen Culture Clash nicht unbedingt so inszenieren muss, wie man ihn aus Hollywood kennt. In Die Band von Nebenan gibt es kein plakatives aufeinanderprallen der Kulturen, sondern viel mehr eine Ansammlung an Kleinigkeiten, die im gesamten ein äusserst stimmiges Bild ergeben. Es ist höchst amüsant zu sehen wie sich die eher formellen Ägypter hier an die lockeren Israelis annähern, aber noch viel besser ist es zu sehen welch interessante Geschichten den einzelnen Charakteren erfahren. Die Band von Nebenan ist somit mit Sicherheit nicht der Film, der die Massen in die Kinos lockt, aber Freunde von ruhigen Filmen sollten sich die ägyptische Band, die sich mit schwachem Englisch in Israel durchschlagen möchte, nicht entgehen lassen.


Fazit:

Die Band von Nebenan erzählt die äusserst persönliche Geschichte einer Band, die sich auf dem Weg zu ihrem Konzert verirrt. Aber der Film schafft es dieser persönlichen Ebene zu entwachsen und ein kulturelles Statement rund um die Beziehungen zwischen Israel und Ägypten zu setzen. Ganz nebenbei sorgen die liebenswertern Charaktere und ihr lakonischer Humor auch für eine gehörige Portion Unterhaltung. Aber nur wenn man sich auf das langsame Erzähltempo einlässt.


Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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