My Blueberry Nights

OT: - 95 Minuten - Romantik / Drama
My Blueberry Nights
Kinostart: 08.02.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu My Blueberry Nights

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Wong Kar-Wai, bei der bloßen Erwähnung seines Namens schmelzen zahllose Arthouse-Kinofans dahin. Dies hat auch seine guten Gründe, dürfen sich doch seine wunderschönen Independent Filme wie In the Mood for Love oder 2046 zu den Perlen des neuen Hong-Kong Kinos zählen, und haben sich die Liebe der Fans redlich verdient. Mit My Blueberry Nights wagt der kreative Regisseur mit der unverwechselbaren Bildästhetik den Sprung über den großen Teich, der so vielen seiner Kollegen nicht gerade gut getan hat, und serviert seinen ersten amerikanischen Film, der auch gleich der Eröffnungsfilm des diesjährigen Filmfestivals in Cannes wurde. Doch man kann die Fans beruhigen: Es ist noch immer ein klassischer Wong Kar-Wai, nur eben mit westlichen Darstellern.

 


In einem kleinen, fast schon rustikal romantischen Cafè auf Coney Island findet eine nicht gerade spektakuläre, aber deswegen nicht minder bedeutungsvolle Begegnung zwischen zwei Menschen statt. Die wunderschöne Elizabeth (Norah Jones) trifft auf den sympathischen Cafè-Besitzer Jeremy (Jude Law) und schließt ihn auch sofort ins Herz. Die beiden verbindet von nun an eine starke Freundschaft, doch Elizabeth muss ihre wahren Gefühle erst auf die Probe stellen: Sie bricht zu einer Abenteuerreise quer durch Amerika auf, hangelt sich von einem Kellnerinnenjob zum anderen und lernt Leute kennen. Dabei vergisst sie allerdings nicht auf Jeremy, sondern schreibt ihm regelmäßig Briefe in denen sie von ihrem Abenteuer berichtet...

 


Wong Kar-Wai gilt als ein Meister der poetischen Melancholie, und in My Blueberry Nights beweist er aufs Neue, warum er sich diesen Titel redlich verdient hat. Das Zentrum seines Films ist nicht bloß die Liebesgeschichte der beiden Hauptfiguren, der Regisseur scheint sich in jede noch so kleine Nebensächlichkeit seines Szenarios verliebt zu haben. Er zelebriert nicht nur die kleinen, für viele als unwichtig erscheinenden, kurzen zwischenmenschlichen Kontakte im Leben, sondern auch Orte, Situationen und vor allem das menschliche Gesicht in all seiner Variation. Er zeigt uns Gesichter hinter Scheiben, spielt mit den Spiegelbildern, lässt Neonlicht daraufscheinen und erreicht somit eine ungeheuer facettenreichen und vielschichtiger Inszenierung.

 


Der Höhepunkt in My Blueberry Nights, in den Wong Kar-Wai unverschämt viel Aufwand gesteckt hat, ist die Kussszene zwischen Norah Jones und Jude Law. Zwar ist dies eine ansich sehr einfache Szene, doch da sie von essentieller Bedeutung für den emotionalen Aufbau des Films ist, haben sich alle Beteiligte unglaublich viel Mühe gegeben, und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Es ist die Szene in der Norah Jones als letzter Gast noch im Cafè von Jude Law ist, bereits auf der Bar eingenickt ist, und einen kleinen Krümel Kuchen auf den Lippen hat. Es ist schließlich pure Magie, wie sich Jude Law von der gegenüberliegenden Seite nähert, die beiden Köpfe ineinander verschmelzen, und er ihr das Stück Kuchen von den Lippen küsst.

 


Doch My Blueberry Nights ist keine klassische Romanze, sondern hat auch ein gehöriges Stück Road Movie in sich. Der Trip von Elizabeth durch die USA ist wirklich ansehnlich geworden, auch wenn sich ein kleiner Wermutstropfen eingeschlichen hat. Denn die drei wichtigsten Nebencharaktere auf die Elizabeth während ihrer Reise trifft (gespielt von David Strathairn, Rachel Weisz und Natalie Portman) sind so interessant, dass man wirklich gerne mehr über sie erfahren möchte. Wong Kar-Wai legt diese Figuren allerdings äusserst schemenhaft an, und lässt viel von ihnen im Verborgenen. Auf der einen Seite ist dies gut, da sie ihre Geheimnisse noch interessanter machen, aber andererseits, wäre es doch schön mehr von ihnen zu erfahren.

 


Von der Inszenierung her, durfte sich Wong Kar-Wai richtig austoben, und kreiert somit kreative Bilder, wie man sie aus dem normalen Hollywood kaum zu sehen bekommt. Er zelebriert Momente und lässt es sich nicht nehmen oft einfach nur die subtile Schönheit eines vorbeifahrenden, beleuchtenden Zuges in Zeitlupe aufzunehmen. Wie oben beschrieben rückt er auch gerne das menschliche Gesicht in den Mittelpunkt, aber die wohl, abgesehen von der unglaublich starken Kussszene, schönste Szene des Films, ist die sich wiederholende Großaufnahme eines über Blaubeerkuchen zerschmelzendem Vanilleeis. Als an manchen Stellen etwas nervig erweisen sich jedoch die von Wong Kar-Wai gerne eingesetzten ruckeligen Zeitlupenaufnahmen.

 


Ein weiteres wesentliches Element in My Blueberry Nights sind die wunderschönen Musikstücke von Norah Jones, die mit ihrer rauchigen Jazzstimme das Flair des Films genau auf den Punkt bringt. Grammygewinnerin Norah Jones darf sich im übrigen in My Blueberry Nights das erste Mal als Schauspielerin versuchen, und zeigt gleich neben solch Größen wie Jude Law, Natalie Portman, Rachel Weisz oder David Strathairn, dass sie auch dieser Aufgabe gewachsen ist. Selbstredend sind auch alle anderen Stars des Films in Hochform, und lassen My Blueberry Nights auf sehr vielen Ebenen gelingen. Nur der kleine Negativpunkt, dass alles eben doch eine Spur zu oberflächlich ist, bleibt dennoch vorhanden.

 


Fazit:

Der große Arthouse-Meisterregisseur Wong Kar-Wai wechselt für My Blueberry Nights nach Amerika, serviert aber dennoch einen Film der voll und ganz seinem Stil entspricht, nur eben mit einem westlichen Setting ausgestattet ist. Seine visuelle Schönheit fällt dabei besonders ins Auge, und es hat etwas äusserst erfrischendes, wie poetisch er seine Bilder arrangiert. Dennoch bleibt der Negativpunkt hängen, dass sein Film etwas zu oberflächlich ist, und man gerne noch mehr über die Charaktere erfahren möchte. Andererseits hat es allerdings auch etwas geheimnisvolles an sich, und so werden sich wohl manche darüber auch freuen. Für Freunde des etwas ruhigeren Kinos ist My Blueberry Nights somit definitiv einen Blick wert.

 


Wertung:

7/10 Punkte








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