Control (2007)

OT: - 121 Minuten - Drama
Control (2007)
Kinostart: 18.01.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Control

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Kontrolle, alles dreht sich um Kontrolle, und wenn man eben diese verliert, dann ist man auf Kollisionskurs. Ian Curtis, mittlerweile ruhmreicher Musiker, und ehemaliger Frontman der Band Joy Division hat die Kontrolle verloren. Über sich selbst, über seinen Erfolg, aber vor allem über die Liebe. Sollte man sich wirklich an das Portrait eines Menschens heranwagen, der sich selbst das Leben nahm um allem zu entfliehen? Ja, man sollte, aber nur wenn es in einem solchen Rahmen wie in dem hier besprochenen Control geschieht. Denn obwohl der Film nicht immer die richtige Ballance wahrt, ist es doch insgesamt ein überaus gelungenes Portrait einer verlorenen Seele.

Ian Curtis (Sam Riley) verliebt sich mit jungen 19 Jahren in Debbie (Samantha Morton), heiratet sie kurz danach, und bald darauf kommt ihre gemeinsame Tochter zur Welt. Beruflich stoßt Ian bald schon als Sänger zur Band Joy Division, die er mit seiner pessimistischen Ausstrahlung voran bringt. Die Band steigt in ihrem Bekanntheitsgrad, doch der gewonnene Ruhm ist nicht gerade gut für Ian: Er beginnt eine Affäre mit der Journalistin Annik (Alexandra Maria Lara), und treibt seine Ehe damit in den Abgrund. Doch seine Gefühle sind nicht eindeutig, und getrieben durch seine epileptischen Anfälle, seine Depression, und viele weitere kleine Faktoren trifft er am Abend vor der ersten Amerika-Tournee seiner Band eine folgenschwere Entscheidung...

Star-Fotograf Anton Corbijn, der mit Control sein Regiedebüt feiert, hatte es nicht leicht mit der Entscheidung diesem Projekt zuzustimmen. Corbijn gelang nämlich vor allem durch seine Rockfotos von Bands wie U2, Nirvana, R.E.M, u.a. zu Ruhm und hatte somit schon lange den Stempel als Rock-Fotograf aufgedrückt, von dem er sich allerdings langsam distanzieren wollte. Als er dann die Entscheidung traf, dass er sich auch als Regisseur versuchen wolle, lehnte er die Ian Curtis Biographie zunächst vehement ab, wollte er sich doch nicht schon wieder in die Rockschublade drängen lassen.

Doch scheinbar war es unvermeidlich dass Corbijn, ein langjähriger Begleiter der Band Joy Division und Freund aller Mitglieder, auf dem Regiestuhl Platz nimmt. Viele der Bilder, die uns heute aus dieser Zeit im Kopf herumschwirren stammen aus der Linse von Anton Corbijn, und besonders die Aufnahmen von Joy Division prägten das Bild der Band wie die keines anderen. Somit ist es eine mehr als logische Entscheidung, dass Corbijn nun auch den Film über die Band in Szene setzt, hat er doch sowohl das visuelle, als auch emotionale Verständnis, das dafür notwendig ist, und hätte den Film jemand anders gemacht, und hätte dieser ihn in den Sand gesetzt, wäre es wohl kaum so schnell möglich eine bessere Interpretation der Geschehnisse vorzulegen.

Mit Control beweist Corbijn aber vor allem, dass er es ausgezeichnet versteht seine unglaubliche Bildästhetik von der stillen Fotographie auf die bewegten Bilder zu übertragen. Die Bilder des Films könnten so Aufnahme, für Aufnahme in einem Musikmagazin abgebildet sein, denn Corbijn hat es tatsächlich geschafft der toten Band wieder das Leben von damals einzuhauchen. Viel bemerkenswerter ist jedoch, wie er es zu Stande bringt den gesamten Zeitgeist der 70er Jahre auf der Leinwand wieder aufleben zu lassen. Die Atmosphäre des Films ist schier unglaublich dicht und in seinen rauchigen schwarz-weiß Aufnahmen bringt Corbijn den Flair dieser Zeit messerscharf auf den Punkt.

Einen wesentlich Anteil dafür, dass Control ein insgesamt durchaus bemerkenswerter Film geworden ist, leistet allerdings Hauptdarsteller Sam Riley. Die Zerrissenheit dieser Figur bringt er auf solch präzise Art und Weise auf die Leinwand, wie man es von diesem Debütanten in keiner Sekunde erwartet hätte. Die Meisterleistung seiner Darbietung vollzieht er schließlich während den unzähligen Musikszenen  des Films, in denen er sich die Identität von Ian Curtis förmlich überzieht. Natürlich profitiert er auch von seiner großen äußerlichen Ähnlichkeit mit Curtis, aber wie er sich mit dem krampfartigen Tanzbewegungen in eine beinahe hypnotische Ekstase zittert hat etwas äusserst befremdliches ansich, denn es wirkt tatsächlich so, als wäre Curtis von den Toten auferstanden, und hätte sich wieder auf die Bühne gestellt.

Was allerdings verhindert, dass Control in die wirklich hohen Sphären der filmischen Qualität aufsteigt ist, dass es sich Anton Corbijn an einigen Stellen bei der emotionalen Seite der Geschichte, etwas zu leicht macht. Kurz gesagt verliert der Film in den ruhigen Szenen, in denen er sich nicht auf die musikalische Interpretation von Joy Division stützt merkbar an Drive. Corbijn muss noch manches lernen was solch einen Film betrifft, denn selbst weitaus glattere Mainstreambios wie Walk the Line oder Ray konnten auf persönlicher Ebene mehr überzeugen als Control. Von der hypnotischen Kraft dieses Werks sind diese Filme dafür allerdings ein Stück entfernt. Und somit ist der Film, obwohl er den Selbstmord von Curtis an einigen Stellen zu sehr erklären möchte, auf jedenfall einen Blick wert. Joy Divison Fans müssen ihn sich ohnehin ansehen, aber auch alle die mit der Band weniger anfangen, können einen Versuch wagen.

Fazit:
Control ist zwar ein gutes Stück davon entfernt ein Meisterwerk zu sein, aber ein höchst ansehnlicher Erstling für Regisseur Anton Corbijn ist dennoch dabei herausgekommen. Er tut gut daran sich diesem Thema zu widmen, denn er kann nicht nur mit seiner unglaublich überzeugenden und wunderschönen Bildästhetik punkten, sondern vor allem auch damit, dass er einiges an persönlicher Erfahrung mit der Materie Joy Division mitbringt. Die Musikszenen sind vor allem dank der hypnotischen Darbietung von Sam Riley ein absolutes Highlight, aber den persönlichen Aspekten der Geschichte fehlt leider stellenweise der nötige Drive, und an manchen Stellen sind die Erklärungsversuche schlicht zu simpel. Ein sehenswertes Stück Film ist Control selbstverständlich dennoch geworden.

Wertung:
7/10 Punkte

















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Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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Liste von Tasse
Erstellt: 12.10.2015