![]() ![]() Magnolia OT: Magnolia Regie: Paul Thomas Anderson Drehbuch: Paul Thomas Anderson Darsteller: Tom Cruise, Julianne Moore, Philip Seymour Hoffman, John C. Reily, William H. Macy, Philip Baker Hall, Jason Robards, Alfred Molina, Melora Walters, Luis Guzman, Felicity Huffman, Patton Oswalt Filmstart: 13.04.2000 | Laufzeit: | Drama |
Dabei erzählt der Film keine Geschichte im herkömmlichen Sinn. Er gewährt nur einen Einblick in das Leben von einigen Menschen, die so wie sie hier gezeigt werden auch direkt aus der echten Welt kommen könnten. Magnolia erlaubt es uns tief in die verschiedenen Charaktere hinein zu blicken und dort die unterschiedlichsten Facetten des menschlichen Lebens zu erkennen und zu analysieren. Alles dreht sich um die mal mehr, mal weniger starken Verbindungen in den Leben unterschiedlicher Menschen, und wie oft wir gar nicht wissen wie sehr sich unsere Wege doch überschneiden, bzw. wie sehr wir doch von den Entscheidungen anderer beeinflusst werden, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Magnolia ist einfach ein ausserordentlich starker Blick auf das Leben und vor allem auf uns Menschen, aber mehr noch ist es einer der beeindruckendsten Filme der jüngeren Kinogeschichte.
Lange waren beide Seiten damit zufrieden keinen Kontakt zu haben, doch da Earl jeder Zeit sterben kann, bittet er seinen Pfleger Phil Pharma (Philip Seymour Hoffman) seinen Sohn zu finden. Showmaster Jimmy Gator (Philip Baker Hall) ist seit vielen Jahren das Zugpferd in der, von Earl produzierten, TV-Show „What did kids know?“, in der junge Wunderkinder die Chance bekommen ihr Wissen gegen das von Erwachsenen zu testen. Was jedoch noch niemand weiß ist, dass Jimmy an Krebs leidet, und kurz davor ist zu sterben. Am Ende seines Lebens angelangt, will er noch seinen Frieden mit seiner Umwelt machen, und muss somit seiner Frau gestehen, dass er sie betrogen hat.
Das erste was man nach der Ansicht von Paul Thomas Andersons Meisterwerk Magnolia machen muss, ist einmal tief durchatmen. Der Film ist im Wesentlichen eine Ansammlung an menschlichem Leiden, Problemen und Beziehungen, und wahrlich kein leichtfüßiges Erlebnis. Viel mehr ist Magnolia ein schwerer, tiefgreifender Genuss, wie man ihn nur ausgesprochen selten zu sehen bekommt. Das Ende, abgesehen von Andersons stilistischer Bombe, an der wohl einige zu knabbern haben und auf die ich später noch zu sprechen komme, ist schließlich nicht nur makellos, da dieses Wort auch viel zu verschlissen ist. Das Ende von Magnolia ist einzigartig, überwältigend und dezent zu gleich.
Paul Thomas Anderson beweist mit Magnolia nicht nur, dass er ein unglaublich talentierter Regisseur ist, er liefert den unwiderlegbaren Beweis, dass er eines der größten Genies in der Branche ist. Jedoch nicht nur sein Regietalent, sondern vor allem auch seine unglaublichen Fähigkeiten als Autor müssen erwähnt werden. Denn Magnolia ist ganz sein Baby, und entspringt seiner Kreativität. Die Geschichte ist so detailreich und verzweigt, dass man sie erst beim zweiten Mal ansehen richtig erfassen kann, und erst nach mehrmaligen Sehen alle Facetten entdecken kann.
Als Zuseher muss man sich nur darauf einlassen, und mit in diese Welt hinabsteigen. Magnolia lebt zur Gänze von seinen Charakteren und diese sind schon beinahe unverschämt gut gezeichnet. Jede einzelne Figur in diesem Film ist es Wert beleuchtet zu werden, und sie sind wirklich alle ausnahmslos interessant. Ein Großteil des Reizes besteht darin, dass man in Magnolia von allen Figuren soviel erfährt, wie man es aus anderen Filmen einfach nicht kennt. So erreichen Szenen eine äusserst ambivalente Tragweite, wie zum Beispiel die Szene als Linda in der Apotheke extrem harte Medikamente kaufen will, und dabei vom Apotheker äusserst unangenehm ausgefragt wird. Normalerweise würde man die Reaktion von Linda an dieser Stelle vielleicht unangebracht finden, aber dadurch, dass sich Magnolia die Zeit nimmt ihr Leben zu bleuchten, kann man sie verstehen.
Nun kommen wir zum wohl meistdiskutierten Aspekt an Magnolia. Dem ominösen Prolog, und dem am Ende auftretenden Ereignis, welches scheinbar so gar nicht in den Film passt. Der Prolog ist offensichtlich die Einstimmung für die mysteriösen Wettererscheinung am Ende, die hier allerdings nicht näher beschrieben wird, da der Überraschungseffekt viel zur Stimmung beiträgt. Ausserdem stellt der Prolog quasi eine pointierte Zusammenfassung der metaphysischen Aussage von Magnolia dar. Das Leben ist nun mal, mehr als es uns lieb ist, vom Zufall (oder doch etwas anderem?) beeinflusst, und wenn man einen Film sehen würde, der das Leben detailgetreu widergibt, würde man die vielen Zufälle nicht glauben. Dem Überraschungseffekt am Ende will ich mich hier gar nicht zu ausgiebig zuwenden, da jeder für sich darüber nachdenken soll. Man kann allerdings davon ausgehen, dass dieser Effekt hauptsächlich dazu dient um den Zuseher zum Nachdenken zu zwingen, und ihm kurz vor dem Ende die Kinnlade herunterklappen zu lassen. Kurz gesagt dient diese Wendung vor allem dafür dem Zuseher die Geschichte auch wirklich einzuhämmern.
Fazit:
Alles in allem ist Magnolia nicht nur ein in jeder Hinsicht perfekter Film, es ist ein Bollwerk am filmischen Horizont und einer der besten Filme der jüngeren Kinogeschichte. Paul Thomas Anderson schafft es ein ungeheuer dichtes Geflecht aus grandios gezeichneten Figuren, sowohl narrativ, als auch inszenatorisch miteinander zu vernetzen, und würzt dies alles noch mit solch ungeheuer starken Dialogen, dass dem Zuseher stellenweise das Wasser im Munde zusammenläuft. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Magnolia absolut keine leichte Kost ist, sondern den Zuseher in jeder Hinsicht fordert. Auch die Länge von 181 Minuten wird viele abschrecken, erweist sich allerdings als absolut notwendig um die Geschichte standesgemäß zu erzählen. Die Schauspieller operieren durchwegs am Zenit ihrer Leistungsfähigkeit, und spielen so authentisch, dass man an vielen Stellen das Gefühl hat, dass man mit dem Ansehen von Magnolia in eine eigene Welt steigt, und dort die Menschen beobachtet. Jeder der sich für Filme interessiert und Magnolia noch nicht kennt, schuldet es sich selbst dieses Meisterwerk nachzuholen. Und zwar nicht nur einmal, denn mit jedem Mal ansehen entdeckt man neue Facetten.
Wertung:
10/10 Punkte
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27.08.2011 - Magnolien aus Stahl (1989)

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