Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird

OT: -  96 Minuten -  Politsatire
Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird
Kinostart: 27.12.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird

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Wie begegnet man einem so ernstem Thema, wie dem Tod von tausenden Menschen? Im Prinzip gibt es nicht sowas wie eine ideale Vorgehensweise, aber man sollte zumindest den Respekt vor dem Thema wahren. Filme wie Hotel Ruanda haben sich einem gänzlich ernsten Weg verschrieben und waren damit erfolgreich. Ein Lord of War verpackte die ernste Thematik in eine zynische Hochglanz-Verpackung und liefert damit ebenfalls ein ausserordentlich beeindruckendes Ergebnis. Blood Diamond schaffte es auf der einen Seite seinem ernsten Thema gerecht zu werden, aber gleichzeitig den Hollywood-Mechanismen treu zu bleiben. The Hunting Party scheitert nun leider an diesem Versuch.

Die beiden Freund Simon Hunt (Richard Gere) und Duck (Terrence Howard) sind die besten ihres Fachs: Kriegsberichterstatter der abgeklärtesten Sorte, die der Gefahr ins Auge blicken um für die Nachrichten beeindruckende Bilder zu liefern. Doch eines Tages wird es Simon zu viel, und er bekommt mitten in einer Live-Sendung einen Ausraster, der das Leben der beiden für immer verändern soll: Simon wird vom Sender entlassen, und muss sich nun mit Journalisten-Jobs aus der unteren Schublade abmühen, und um ihn noch mehr zu ärgern, wird sein Freund Duck befördert, und darf nun als Chefkameramann eine ruhige Kugel schieben.

Jahre später zieht es Duck dennoch wieder in das ehemalige Jugoslawien, der Nachkriegszeit, wo er damals gemeinsam mit Simon seine größten Erfolge feierte. Eigentlich wäre es ein ruhiger Auftrag, doch überraschenderweise taucht Simon in Ducks Hotel auf, und versucht ihn für einen sehr gefährlichen Auftrag zu gewinnen: Angeblich hat Simon Infos über den meist gesuchten Kriegsverbrecher des Landes, Lisica (Ljubomir Kerekes), genannt Der Fuchs, der für unzählige Vergewaltigungen und Morde verantwortlich ist. Zunächst gibt Simon vor ein Interview mit dem Fuchs führen zu wollen, aber bald schon stellt sich heraus, dass er es in Wirklichkeit auf die 5 Millionen Kopfgeld abgesehen hat...

Es sind durchaus interessante und vor allem unangenehme Themen, die in The Hunting Party angsprochen werden. Richard Shepherd stellt einige offensichtliche Vermutungen über den wahren Grund an, warum man es immer noch nicht geschafft hat viele Kriegsverbrecher zu verhaften, die angeblich mit gigantischen Mitteln verfolgt werden. Der prominenteste unter ihnen, Terrorboss Osama Bin Laden ist da nur die Spitze des Eisberges, und so sind es die Fragen die im Film aufgeworfen werden, durchaus Wert gestellt zu werden. Mit den vielen Anspielungen während des Films, und der Zusammenfassung am Ende des Films, macht Richard Shepherd auch gar kein Geheimnis daraus auf welcher Seite er dabei steht.

The Hunting Party basiert in seinen Grundzügen auf der wahren Geschichte von fünf Journalisten, die sich im Rausch dazu entschlossen haben auf die Jagd nach einem der größten Kriegsverbrecher des ehemaligen Jugoslawiens zu begeben. Genauer gesagt basiert der Film auf dem Artikel "What I Did On My Summer Vacation" von Scott Anderson der im Sommer 2000 im Esquire Magazin abgedruckt wurde. The Hunting Party weist gleich zu Beginn, mit der Meldung „Only the most ridiculous parts of this story are true.“ darauf hin, dass er es mit der Genauigkeit nicht allzu genau nimmt, versucht sich aber im Endeffekt am Ende als relativ real darzustellen, indem er im Abspann schön darauf hinweist wieviele Passagen nicht direkt aus der Realität stammen.

Doch leider kennt man The Hunting Party an allzu vielen Stellen sehr deutlich an, dass Hollywood seine Finger mit im Spiel hatte. So ist es zum Beispiel auffällig, dass es sich der Film nur an wenigen Stellen traut sein Thema ernst zu nehmen, und man hat die zynischen Passagen auch nicht eingebaut um die Wirkung zu verstärken, sondern es wirkt so, als hätte man den Film einfach nur ironisch aufgeweicht, damit sich das Publikum beim Ansehen leichter tut. Vielleicht wäre es einfach zu abschreckend gewesen, wenn man die Leichen des Krieges nicht auflockernd dargestellt hätte?

Und so kommt es auch, dass sich The Hunting Party schwächer gibt, als er hätte werden können. Denn die beiden Seiten des Films funktionieren nicht so miteinander wie sie hier vermischt werden. Der Film versucht auf der einen Seite kritische Fragen zu stellen, und ein trauriges Bild eines ehemaligen Kriegsgebietes zu zeichnen, leidet aber auf der anderen Seite daran, dass er auch versucht ein leichtfüßiger Abenteurfilm zu sein. Die Helden entsprechen dabei jedem Hollywoodfilm, und wie am Ende versucht wird noch eine persönliche Brücke zwischen Simon und dem Fuchs zu bauen, ist schon beinahe peinlich.

Dennoch ist The Hunting Party kein schlechter Film. Es ist ein solider Hollywoodfilm, der theoretisch genauso überzeugen würde, wie alle anderen leichten Buddy-Filme, aber das Problem ist nur, dass sich dieser Unterhaltungsaspekt nicht besonders gut mit dem heiklen und ernstem Thema des Films verträgt. Wer allerdings über diesen Schwachpunkt hinweg sehen kann, der bekommt einen grundsoliden Unterhaltungsfilm, mit einigen kritischen Tönen und gut aufgelegten Hauptdarstellern. Nur leider stimmt die Mischung eben nicht immer.

Fazit:
The Hunting Party hat sich das sehr ambitionierte Ziel gesetzt auf einige sehr unverständliche Missstände bei der Jagd nach Kriegsverbrecher hinzuweisen. Auch geht der Film zunächst den richtigen Weg, dies auf höchst zynische Weise zu tun, was die Absurdheit dieser Ausgangslage noch deutlicher macht. Doch leider driftet er dabei manchmal zu sehr auf bloß durchschnittliches Unterhaltungsniveau herab, und setzt dabei die gewohnten Mitteln Hollywoods ein. Das Problem ist nur, dass diese Mitteln in dieser Thematik fehl am Platz sind, und sich der Film somit selbst an Kraft raubt. Höchst solides Unterhaltungskino mit einem großartigen Richard Gere ist allerdings dennoch dabei herausgekommen.

Wertung:
6/10 Punkte

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