Freigesprochen

OT: -  100 Minuten -  Drama
Freigesprochen
Kinostart: 18.01.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Freigesprochen

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Der Ruf von österreichischen Filmen ist relativ klar definiert. Weniger filminteressierte Zuseher reduzieren unsere Kinokultur hauptsächlich auf die typischen österreichischen Komödien, ganz im Zeichen eines Roland Düringer oder Alfred Dorfer. Die Cineasten verstehen unter dem österreichischen Film vor allem das  knallharte, anspruchsvolle Kino eines Michael Haneke oder Ulrich Seidl. Dazwischen gibt es nur wenig, aber das soll sich nun mit dem neuen Film von Peter Payer, Freigesprochen, ändern. Das Ziel war ein verhältnismäßig normales Drama, doch genau das ist dem Film schließlich zum Verhängnis geworden: Denn Freigesprochen ist leider, trotz guter Ansätze allzu gewöhnlich geworden, und kann der Konkurrenz nicht das Wasser reichen.


Das Leben läuft rund und in geordneten Bahnen. Sowohl für das Ehepaar Thomas (Frank Giering) und Hanni (Corinna Harfouch), als auch für die jungen Liebenden Anna (Lavinia Wilson) und Ferdinand (Robert Stadlober). Doch diese Ruhe wird jäh durchbrochen, durch einen einzigen Kuss. Als Anna und der Fahrdienstleiter Thomas für diesen einen kleinen Moment der Versuchung nachgeben, ahnen sie nicht, welch weitläufige Konsequenzen dadurch losgetreten werden. Durch die Ablenkung reagiert Thomas zu spät auf ein Alarmsignal, was schließlich zu einer gigantischen Tragödie führt.


Der Expresszug von Paris nach Budapest kollidiert mit einem Lieferwagen, welcher auf die ungesicherte Bahnkreuzung gefahren ist. Am Ende sterben nicht nur 21 Insassen des Zuges, sondern auch Josef (Alfred Dorfer), der beste Freund von Thomas und Lenker des Lieferwagens. Durch die schwere Schuld verbunden flüchten Thomas und Anna schließlich in ein Lügennetzwerk, und da Thomas auch vor Gericht freigesprochen wird, könnte das Leben eigentlich normal weitergehen. Wären da nicht die schlimmen Gewissensbisse...


Regisseur Peter Payer nimmt sich mit seinem neusten Film Freigesprochen, dem Theaterstück Der jüngste Tag von Ödön von Horvath, aus dem Jahr 1937 an, und transferiert es in die heutige Zeit. Natürlich sind bei einer solchen Adaption immer Änderungen nötig, aber das wichtigste ist, dass der Geist der Vorlage erhalten bleibt. Freigesprochen beginnt zunächst ausserordentlich ruhig, und lässt den Zuseher  im Unklaren auf was er eigentlich hinaus will. Doch sobald die Charaktere vorgestellt sind geht es auch schon Schlag auf Schlag und man ahnt bereits auf was das alles hinauslaufen wird.


Etwas schade ist nur, dass die erste Szene des Films bereits vorwegnimmt, dass sich am Ende jemand töten wird. Zwar kann man argumentieren, dass auch der großartige American Beauty gleich von Anfang an kein Geheimnis daraus machte, dass die Hauptfigur den Film nicht überleben würde, aber im Gegensatz zu Freigesprochen, war man sich dort dieser schwierigen Ausgangssituation bewusst, und tauchte das Szenario in eine bissige Lakonie. Freigesprochen macht allerdings den großen Fehler nicht zu verraten wer sich tötet. Natürlich soll dieser Schachzug die Spannung aufrecht halten, aber leider reduziert sich der Film dadurch, ähnlich wie 2:37, auf ein reines Rätselraten wer sich denn nun getötet hat.


Auch ansonsten macht es sich Freigesprochen stellenweise leider etwas zu leicht. Denn ansich wäre die gesamte Einführung, bis zum Zugunglück wirklich gelungen, doch die anschließende Schuldbewältigung erweist sich leider als flache Seifenoper-Version von Schuld und Sühne. Schnell und abgehackt werden die Hauptfiguren durch alle Stadien der Schuldbewältigung gescheucht, und müssen sich quer durch alle möglichen Dummheiten manövrieren, um dann am leider viel zu schwachen Ende anzugelangen.


Man hat es einfach an allen Ecken und Enden mit der Visualisierung der Schuldgefühle übertrieben, um auch jeden klar zu machen worauf der Film hinaus will. Viele Szenen scheinen einfach nur in den Film gezwängt worden zu sein, damit die Figuren ihr Leiden zum Ausdruck bringen können. Als Beispiel sei hier nur die Szene erwähnt, als Thomas alleine zum See geht um zu rudern, nur um dort einen Wutanfall zu bekommen, weil ihn das alles nur an seinen verstorbenen Freund Josef erinnert. Überhaupt hat man etwas zu plakativ versucht die Geschichte durch aufdringliche Symbolik zu verstärken, was leider auf Dauer etwas nervig wird. Mit dem völlig deplatzierten "Geister-Dorfer" hat man dann den Vogel endgültig abgeschossen.


Das alles ist umso trauriger, hätte Freigesprochen doch ein wirklich guter Film werden können. Die Produktionswerte sind tadellos, die Story gibt einiges her, und auch die Schauspieler hängen sich mächtig ins Zeug. Doch das alles nützt leider gar nichts, wenn der psychologische Aspekt der Geschichte auf Vorschulniveau heruntergespult wird, und man mit einer schon krampfhaft übertriebenen Symbolik versucht dem Ganzen Nachdruck zu verleihen. Warum man im übrigen die Idee hatte, die Schuldgefühle von Thomas, durch das Auftreten seines Freundes als Geist zu visualisieren bleibt mir ein Rätsel. Denn dieser naive, plakative Ansatz raubt dem Film schlussendlich jede Dramatik.

Fazit:
Freigesprochen besitzt wirklich gute Ansätze, und weiß auch die ganze Einführung lang zu gefallen. Doch wenn sich dann die Fronten geklärt haben, und sich der Film auf eine psychologische Schuld und Sühne Geschichte stürtzen möchte, fallen leider sehr viele Fehler auf. Die Symbolik des Regisseurs ist zeitweise sehr überzogen, und es gibt Szenen, die scheinbar nur dazu da sind, um auch jedem Zuseher klar zu machen um was es denn geht. Somit flacht der Film zunehmend ab, um sich dann am Ende seinem leider allzu schwachen Finale hinzugeben. Der als Geist auftretende Alfred Dorfer ist schließlich die Krönung des Films, der aus gutem Ausgangsmaterial Stoff für eine Seifenoper macht. Schade.

Wertung:
5/10 Punkte

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