Hautnah (2004)

OT: Closer - 104 Minuten - Drama / Romantik
Hautnah (2004)
Kinostart: 13.01.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Hautnah

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Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?

Closer ist ursprünglich ein Theaterstück gewesen, das nach riesigen Erfolgen nun endlich seine würdige Verfilmung findet. Patrick Marbers grandioses Bühnenstück wurde 1997 in London uraufgeführt und hat seit dem sämtliche Preise der Theaterwelt gewonnen. Der Stil des Filmes ist sehr direkt vom Theater übernommen. Das heißt, es werden sehr harte Schnitte gesetzt, die das Überspringen einer gewissen Zeitspanne bedeuten. Am Anfang kann dies noch zu Verwirrungen führen, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Alice (Natalie Portman) wird von einem Auto angefahren. Der ihr völlig fremde Dan (Jude Law) eilt ihr zu Hilfe und begleitet sie ins Krankenhaus. Dann erfolgt einer der angesprochenen heftigen Schnitte: Dan ist mit Alice zusammen und ist bei einem Fotoshooting bei der attraktiven Anna (Julia Roberts). Er verliebt sich in sie und die beiden küssen sich, doch als sie erfährt das Dan eine Freundin hat lässt sie von ihm ab. Da Dan weiß dass sich Anna oft im Aquarium in London aufhält gibt er sich in einem Sex Chat als sie aus und lotst den ahnungslosen Larry (Clive Owen) somit direkt zu ihr. Diese Chat Szene zwischen Jude Law und Clive Owen dauert gut und gerne 10 Minuten und ist die mit Abstand witzigste Sequenz in Closer. Doch als Larry Anna im Aquarium trifft erklärt er ihr die Situation und die beiden verlieben sich. Dies bringt Dan von nun an den Spitznamen Amor ein.....

Closer ist schlichtweg brillant. Selbst Al Pacino befand Closer als den besten Film des Jahres 2004. Altmeister Mike Nichols zeigt wieder einmal sein goldenes Händchen für innovative Liebesfilme und liefert nach Die Reifeprüfung wieder einen Meilenstein dieses Genres. Die Chat Szene ist visionär und wird wohl bald ihre Kopien finden, aber vor allem besticht Closer durch den schonungslosen Umgang mit der Liebe.

Es werden nicht wie in den meisten anderen Filmen nur die schönen Momente der Liebe gezeigt. Mike Nichols geht einen revolutionären Weg: Die heftigen Schnitte lassen den Zuseher die guten Phasen der Beziehung einfach überspringen und es werden nur die Schattenseiten der Liebe offenbart. Dies ist in dieser Form noch in keinem anderen Film vorgekommen und weiß auf ganzer Ebene zu gefallen.

Doch die Story der vier vom Leben bestraften Hauptpersonen wäre ohne geeignete Darsteller einfach nicht zu verfilmen gewesen. Mike Nichols hat aber auch hier sein Talent bewiesen. Er kombinierte die zwei heißesten aufkommenden Stars Hollywoods , Natalie Portman und Clive Owen, mit zwei alt eingesessenen Hollywoodveteranen, Jude Law und Julia Roberts. Alle vier bieten eine überragende Leistung, aber der Höhepunkt des Films ist zweifellos Clive Owen. Seine Darstellung des Larry ist virtuos und auf ganzer Linie überzeugend. Nicht um sonst wurde er dafür mit einem Golden Globe und einer Osarnominierung als Bester Nebendarsteller belohnt. Clive Owen hatte auch schon im Theaterstück Closer, bei der Weltpremiere in London gespielt, dort gab allerdings den Dan. Er bat Mike Nichols innigst darum ihn doch den Larry spielen zu lassen, da er eine neue Herausforderung suchte.

Mike Nichols ging das Risiko ein und wurde mit einer ausgezeichneten Leistung belohnt. Alle Rollen sind wunderbar ausgearbeitet und wirken überzeugend: Jude Law mimt den Romantiker Dan, Julia Roberts gibt die depressive Anna, Natalie Portman die etwas naive Alice und schließlich spielt noch Clive Owen den sexbesessenen Larry. Mike Nichols wollte eigentlich Cate Blanchet für die Rolle der Anna, doch ihre Schwangerschaft verhinderte ihr Auftreten in Closer. Als Ersatz musste ausgerechnet Julia Roberts herhalten. Man hatte zwar Sorgen das sie aufgrund ihres divenhaften Verhalten absolut nicht in die Rolle der Anna passen würde, doch dies erwies sich als unbegründet und Julia hat eine fabelhafte Leistung abgeliefert.

Closer ist eine Parabel aus Liebe, Hass, Eifersucht und Vertrauen. Es wird offen über das Thema Liebe und Sex geredet und Mike Nichols nimmt keine Rücksicht auf die konservativen Amerikaner, sondern zeigt das Leben wie es wirklich ist. Kein Cowboy der mit seinem Mädchen in den Sonnenuntergang reitet. Jede der Hauptfiguren muss zumindest einmal im Film einen schweren Verlust über sich ergehen lassen.

Diese Offenheit kombiniert mit der fabelhaften Inszenierung beschert uns einen wundervollen Filmgenuss. Closer verdient sich einen Platz unter den besten Filmen aller Zeiten und wird noch lange in Erinnerung bleiben. Mike Nichols nimmt kein Blatt vor den Mund und liefert uns eine beeindruckende Studie der menschlichen Abgründe. Im Film gibt es keinen wahren Sympathieträger, da alle Hauptfiguren ausschließlich auf ihr eigenes Wohl wert legen und sich wenig um das Glück des Partners kümmern. Dies macht Closer zu einem außergewöhnlichen Filmgenuss der den Zuseher fesselt und fasziniert.

Fazit:
Meisterhafte Studie über ein emotionales Zusammenspiel von vier Menschen.

Wertung:
10/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 33
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