Ma folie (2015)

OT: Ma folie - xx Minuten - Drama
Ma folie (2015)
Kinostart: 20.03.2015
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ma folie

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Nach einigen prämierten Dokumentationen und Kurzspielfilmen, ist Ma folie nun der erste Kinofilm der österreichischen Regisseurin und Drehbuchautorin Andrina Mračnikar. Ein Film, der mit teils romantischen teils abschreckenden Bildern eine Beziehungsstudie erzählt, in der Wahnsinn und Sinnlichkeit nur durch einen schmalen Grat getrennt sind.

In einer Bar in Paris kreuzen sich die Blicke von Hanna (Alice Dwyer) und Yann (Sabin Tambrea). Der Funke springt über und so bleibt das frisch verliebte Paar die nächsten Tage unzertrennlich. Als Hanna zurück in ihre Heimatstadt Wien muss, übt Yann sich zunächst darin, ohne seine große Liebe zu leben, scheitert jedoch kläglich. Stattdessen schickt er ihr lettres filmées – Liebesvideos – auf ihr Handy. Doch die Sehnsucht wird zu groß und so besucht Yann Hanna kurzerhand in Wien. Was als fantastische Romanze begann, kippt zusehends in die Untiefen wahnsinniger Liebesvorstellungen.

Mračnikar hat offenbar ihren Stil und ihr Genre gefunden. Bereits Krankheit der Jugend (2007) schildert die Orientierungslosigkeit einer tristen und emotional aufgeladenen, jungen Generation nach dem zweiten Weltkrieg. Im Jahr darauf folgte Die Wand ist abgerissen, in dem ein Paar sowohl während eines Filmdrehs, als auch im wahren Leben eine Beziehung führt und schon bald Spiel und Realität miteinander verschwimmen. Ma folie schließt hier als düster gefärbte Parabel über die zerstörerischen Kräfte einer leidenschaftlichen amour fou an. Wie viel Wahnsinn verträgt eine Liebe und wer ist überhaupt der Wahnsinnige? Mit diesen Fragen wird der Zuseher direkt konfrontiert und wird Zeuge einer verhängnisvollen Liebe auf den ersten Blick. Dabei bleiben diese und andere Fragen offen und ermöglichen es jedem Einzelnen seine eigene Version der Geschichte weiterzuspinnen.

Den Filmen ist auch gemein, dass sie mit einem relativ überschaubaren Cast auskommen. Dadurch dreht sich auch in Ma folie alles um das Innenleben der Figuren, ihre Gefühle, ihre Triebe und persönlichen Oppressionen. Sowohl Dwyer als auch Tambrea wirken in ihren Rollen durchweg glaubhaft. Während Dwyer schonungslos ihre emotionalen Grenzen auslotet, macht Tambrea ein für alle Mal klar, dass er niemand ist, den man ohne weiteres in eine Schublade stecken kann und beweist ein gutes Händchen bei der Rollenauswahl.

Größtenteils funktioniert also Mračnikars Studie über amourösen Wahnsinn. Der eine oder andere wird jedoch ein gewisses Maß an Nervenkitzel schmerzlich vermissen. Das könnte vor allem an den relativ oberflächigen Figurenzeichnungen liegen, die angesichts des psychologischen Aspekts der Geschichte nur unzureichend wirken und den Weg für ein tiefer gehendes Verständnis für das Handeln der Figuren versperren. Lediglich eine Stimme aus dem Off sowie unzählige Videobotschaften sprechen eine deutlichere Sprache. Jedoch wird dadurch nur Yanns Innenleben beleuchtet. Wackelige Bilder, die zunächst Verliebtheit, später Eifersucht und Rage vermitteln. Dadurch, dass der Übergang vom Liebesmärchen zum Psychodrama nicht geradlinig und schleichend, sondern vielmehr im Zick Zack verläuft, entstehen immer wieder Brüche und verhindern eine Sogwirkung, die den Zuseher in das düstere Beziehungsdrama hineinziehen würde. Auf wiederkehrende Streitigkeiten folgt immer wieder Abkehr. Doch die beiderseitige emotionale Abhängigkeit zum Partner lanciert eine unheilvolle Entwicklung. Yann schickt in gewohnter Manier Videobotschaften an seine Liebe, in der er ihr zwar seinen Schmerz vermitteln will, die ihn jedoch als psychotischen Stalker deklarieren. Hanna wendet sich daraufhin wiederholt von Yann ab, schafft es aber nicht, sich ihm völlig zu entziehen. Der Kreislauf beginnt von Neuem. Ein desaströses Liebeskarussell, das zwar durch visuelle Eindrücke durchdringend wirkt, aber dennoch keine Spannung zulässt.

Fazit:
Ma folie kann sich jedenfalls hinsichtlich seiner zwielichtigen Atmosphäre und aufgrund überzeugender Darsteller als ein gut gelungenes, eindringliches Filmwerk behaupten. Und obwohl es vor allem an Spannungsmomenten fehlt, sowie ein tiefer gehendes Verständnis für die Figuren ausbleibt, so gibt Ma folie nicht zuletzt genügend Anreize für angeregtes Kopfkino. Dies animiert dazu sich seine ganz persönliche Filmversion zu entwerfen und diese auch nach dem Kinobesuch eine Weile weiterlaufen zu lassen.

Wertung:
7/10 Punkte
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Liste von mixalismak1
Erstellt: 29.05.2014