Der Fuchs und das Mädchen

OT: -  92 Minuten -  Familienfilm
Der Fuchs und das Mädchen
Kinostart: 27.12.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
2172
Bewerten:

Filmkritik zu Der Fuchs und das Mädchen

Von am

Scheinbar hat Luc Jacquet gefallen an der Tierwelt gefunden. Nachdem er zuletzt mit seiner überaus erfolgreichen Dokumentation Die Reise der Pinguine nicht nur die Herzen des Publikums, sondern vor allem das Box-Office sprengte, und ausserdem auch noch einen Oscar für den besten Dokumentarfilm abräumte, weicht er auch bei seinem Wechsel ins Spielfilmgenre nicht von seinem Erfolgsrezept ab: Erneut steht ein Tier im Mittelpunkt. Obwohl sich der Film diesesmal Spielfilm nennt, was an der offensichtlichen Inszenierung des Geschehens liegt, weicht Luc Jacquet auch nicht so richtig vom Dokumentargenre ab. So richtig traut er sich also noch nicht die Fronten zu wechseln, doch dies ist auch gar nicht das Problem des Films. Aber dazu später mehr.

Eines Sommermorgens trifft ein Mädchen auf ihrem Schulweg auf einen jagenden Fuchs, den sie fortan nicht mehr aus ihrem Kopf bekommt. Am nächsten Tag geht sie wieder an die selbe Stelle, doch vom Fuchs ist keine Spur, und so beschließt sie tiefer in den Wald zu gehen, um den Fuchs zu suchen. Leider hat sie dabei jedoch einen Unfall, und kann nun, behindert durch einen Gips, nicht mehr auf Fuchssuche gehen. Als der Winter über das Land herein bricht, verschlingt sie ihr Buch über Füchse, und hofft, dass ihr Fuchs die kalte Jahreszeit überdauert. Als der Winter zur Neige geht, und der Sommer langsam wieder näher kommt, macht sie sich erneut auf die Suche nach dem scheuen Tier, und schafft es langsam tatsächlich sein Vertrauen zu gewinnen...

Der Fuchs und das Mädchen hinterlässt den Zuseher mit einem sehr ambivalenten Gefühl. Dass der Film auf Familienunterhaltung zugeschnitten ist, versucht er gar nicht lange zu verbergen, und in diesem Punkt kann man ihm sein Gelingen wohl auch nicht absprechen. Die Geschichte hat sehr deutliche, märchenähnliche Züge, und die Kleinen werden wohl über das ganze Gesicht strahlen, wenn sie den liebenswert herumspringenden Fuchs bei seinem Alltag zusehen. Doch nicht nur die Kleinen, sondern auch die Erwachsenen werden Freude an den atemberaubend schönen Bildern der Natur haben, die uns Luc Jacquet hier vorzaubert.

Somit wäre der Film ansich ein wirklich schönes Erlebnis für die ganze Familie, wenn da nicht ein erhebliches Manko wäre: Der Fuchs und das Mädchen transportiert für Kinder wahrlich keine löbliche Botschaft. Im Endeffekt geht es um ein kleines Mädchen, dass sich den ganzen Tag im Wald herumtreibt, und sich mit einem Raubtier anfreundet. Mancher mag hier argumentieren, dass ja alles nur ein Film ist. Dies ist natürlich richtig, aber dennoch macht Der Fuchs und das Mädchen die Freundschaft zum Fuchs so schmackhaft, dass wohl einige Kinder, die auf dem Land leben, auf die Idee kommen werden das Gezeigte nachzumachen.

Nur in Wirklichkeit ist es nun mal nicht so, dass wenn man sich am Abend im Wald verirrt, am Morgen der Fuchsfreund neben einen aufwacht, und so emotionalen Rückhalt gibt, und man anschließend ohne Probleme von den Eltern gefunden wird. Doch eigentlich wäre es wohl auch gar nicht so gut wenn ein Fuch neben einen schlafen würde, denn wenn ein Fuchs den Menschen freiwillig nahe kommt, dann sollte man den Kindern nicht vermitteln, dass sie den Fuchs streicheln können, sondern eher, dass sie schleunigst Abstand gewinnen sollten. Doch das Wort Tollwut macht sich eben nicht so gut in einer emotionalen Märchengeschichte.

Weiters stößt es sehr negativ auf, dass es sich die Filmemacher nicht nehmen ließen eine möglichst süßliche Botschaft einzubauen. Der Schluß macht zunächst sogar einen Schritt in die richtige Richtung, doch am Ende ist Luc Jacquet scheinbar der Mut für das einzige konsequente Ende ausgegangen. Er will uns vermitteln, dass sich der Mensch nicht in die Natur einmischen soll, und dass man Tiere nicht besitzen soll. Illustriert wird diese Botschaft durch eine Szene, in der das Mädchen den Fuchs an die Leine nehmen will, und sich dann beinahe ein tragisches Ende anbahnt. Um dies alles noch zu untermauern folgt die rührselige Feststellung, dass Liebe und Besitz nicht das Gleiche ist.

Das ganz große Problem ist nun jedoch, dass das entschärfte Ende die Botschaft des Films schmälert, und auch hat es einen sehr bitteren Nachgeschmack, dass die Filmemacher auf der einen Seite posaunen, dass man sich möglichst wenig in die Natur einmischen soll, aber auf der anderen Seite den natürlichen Lebensraum der Tiere so verbiegen, dass er gut in die Inszenierung des Films passt. Irgendwie fühlt man sich als Zuseher nämlich ziemlich verarscht, wenn man zuerst die "misch dich nicht in die Natur ein" Botschaft über sich ergehen lassen muss, aber danach im Abspann eine ganze Liste an Tier-Trainern vorgesetzt bekommt.

Ist Der Fuchs und das Mädchen deswegen schlecht? Natürlich nicht. Der Film würde seine Aufgabe als Familienfilm sogar ausserordentlich gut erfüllen, nur besitzt er eben alle oben erwähnten Schwächen. Er macht die Freundschaft zu einem Fuchs eben viel zu schmackhaft, was kleinen Kindern (speziell in ländlichen Regionen) die Vorsicht rauben kann. Am besten ist es den Film als ganze Familie zu besuchen, und die Kleinen dann noch einmal explizit aufzuklären, dass alles nur ein Märchen war, und in der realen Welt nicht gut gehen würde. Denn im Gegensatz zu Animationsfilmen oder Märchengeschichten, liefert Der Fuchs und das Mädchen eine viel zu greifbare Verniedlichung einer möglichen Gefahrenquelle. Dennoch ist der Film visuell ein Augenschmaus, und vermag es auch emotional zu berühren. Wenn man sich auf den Märchencharakter einstellt...

Fazit:
Luc Jacquet versucht sich also das erste Mal an einem Spielfilm. Doch so richtig hat er sich nicht von seinen Doku-Wurzeln gelöst, denn sein Film lebt vor allem von der wunderschönen Abbilderung der Natur. Doch leider erweist sicht die Verschmelzung aus Fiktion und Wirklichkeit nicht durchwegs als gelungen, was den ansonsten rührenden Familienfilm etwas an Fahrtwind raubt. Denn kleinen Kindern die Freundschaft zu einem Fuchs so schmackhaft zu machen, und die Gefahren des Waldes so zu unterschlagen schmälert den Wert des Films enorm. Am besten ist es wenn die ganze Familie in den Film geht, und die Erwachsenen die Kinder aufklären können. Denn als Märchen funktioniert Der Fuchs und das Mädchen ziemlich gut.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
50%
7 /10
0%
6 /10
50%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Stephen Kings Langoliers - Verschollen im Zeitloch (1995)
Horton hört ein Hu! (2008)
Am Anfang war das Licht (2010)
Californication (2007)
The Big Bang Theory (2007)
Breaking Bad (2008)
30 Rock (2006)
Dexter (2006)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!