Keinohrhasen

OT: -  115 Minuten -  Romantik / Komödie
Keinohrhasen
Kinostart: 21.12.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Keinohrhasen

Von am

Bei kaum einem Genre gibt es solch festgefahrene Regeln wie bei der romantischen Komödie. Egal aus welchem Land der Film kommt, egal wie der Regisseur heißt, alle Filme gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Abwechslung erfährt das Genre nur durch verschiedene Darsteller, und leicht veränderte Situationen. Doch Filme wie Rezept zum Verlieben und P.S. Ich liebe Dich konnten dennoch beweisen, dass man aus dieser Situation, insofern alle Zutaten stimmen, noch etwas herausholen kann. Mit Keinohrhasen versucht sich nun auch Deutschlands Liebling Til Schweiger erneut in einer romantischen Komödie. Selbstverständlich kann auch er das Genre nicht revolutionieren. Aber das muss er auch gar nicht, denn sein Film ist der erneute Beweis dass die Regeln des Genres noch immer funktionieren.

Ludo (Til Schweiger) ist nicht der Typ Mensch der alles im voraus plant. Der Klatschreporter kostet sein Dasein lieber aus, als sich mit Verantwortung zu beladen. Eine feste Beziehung will er nicht, stattdessen genießt er die Freude mit möglichst vielen verschiedenen Frauen ins Bett zu steigen. Ein schlechtes Gewissen? Kennt er nicht, denn er macht den Frauen gar nichts vor, sondern stellt von Anfang an klar, dass er nur auf Sex aus ist. Doch sein Leben wird aus den geregelten Bahnen geworfen, als er, gemeinsam mit seinem Kollegen Moritz (Matthias Schweighöfer) einen folgenschweren Fehler macht.
 
Aus sicherer Quelle erfahren sie, dass Wladimir Klitschko etwas besonderes für seine Freundin Yvonne Catterfeld plant: Beim gemeinsamen Essen will er um ihre Hand anhalten. Doch genau um Typen wie Ludo fernzuhalten, hat er das gesamte Restaurant gemietet, was den beiden Reportern natürlich gar nicht gefällt. Doch Ludo wäre nicht einer der besten seiner Branche, wenn ihm nicht eine Lösung einfallen würde: Das Foto soll vom Glasdach des Restaurants geschossen werden, doch auch da klappt nicht alles wie geplant, und schlussendlich landet Ludo vor einer Richterin, die den Macho auch gleich zu Sozialstunden verdonnert. Im Kindergarten, wo er diese verrichten muss angekommen, ist Ludos Pechsträhne jedoch noch nicht zu Ende. Denn seine neue Chefin ist  Anna (Nora Tschirner), die er noch aus seiner Kindheit kennt. Doch leider waren die beiden nicht gerade die besten Freunde...

Til Schweiger bringt ja bereits einiges an Erfahrung im Genre der romantischen Komödie mit. Schließlich war er eines der stärksten Zugpferde, die das Genre während seines Booms in den Neunzigern in Deutschland, am Leben hielt. Die Rolle als Womanizer festigte schließlich auch seinen Ruf als einer der bekanntesten deutschen Darsteller. An der Spitze in der Heimat angelangt zog es ihn, wie die meisten erfolgreichen Schauspieler, nach Amerika. Natürlich versuchen alle nach Hollywood zu gelangen um dort Filme zu machen, was selbstverständlich dazu führt, dass der Markt leicht überfüllt ist.

Nun ist Til Schweiger also nach seinem eher misslungenen Amerika-Ausflug, zurück in der Heimat, und stellt sich mit Keinohrhasen gleich einer doppelten Aufgabe: Einmal ganz von seiner Rolle als Frauenheld, die Schweiger routiniert herunterspielt, abgesehen, zeigt er sich auch für das Drehbuch mitverantwortlich, und nimmt auch zum dritten Mal in seiner Karriere (nach Barfuß und Der Eisbär) auf dem Regiestuhl platz. Und nach dem Ende des Films bleibt es nicht aus zu sagen, dass es doch eine Überraschung ist, dass es gerade Regisseur Til Schweiger schafft einen solche charmanten, und rundum geglückten Film zu schaffen, der die Mechanismen des Genres so gut ausnützt, wie man es auch gerne aus Hollywood öfters bekommen würde.

Speziell in der ersten Hälfte ist Keinohrhasen noch ein absoluter Spaßgarant, der sich noch nicht einmal vor dem Hollywood-Komödienhighlight des Jahres Beim ersten Mal verstecken muss. Dieser ist zwar rundum noch eine Klasse besser, aber man soll sich auch gar nicht lange mit einem Vergleich aufhalten. Es ist einfach köstlich, wie sich Til Schweiger als Macho vom Dienst durch die Szenen schlägt, und dabei stets mit bissigen Humor für Lacher sorgt. Was allerdings besonders amüsant ist, sind die vielen Seitenhiebe auf unsere Sensations-Medienlandschaft, die sich vor allem in der klar erkenntlichen "Bild" Parodie zeigen. Auch die Gagdichte, mit dazugehörender Trefferquote ist erstaunlich hoch, aber nach dem gelungenen Einstiegsgag, mit einem herrlich selbstironischen Jürgen Vogel, hat Keinohrhasen ohnehin schon einmal jeden auf seiner Seite.

Danach schaltet der Film allerdings einen Gang zurück, und aus der heiteren Komödie, wird eine klassische Romanze. Dies soll hier auch nicht per se als negativ angemerkt werden, denn auch in diesem Abschnitt funktioniert der Film überraschend gut. Dies liegt zum Großteil an der tollen Chemie der beiden Hauptdarsteller. Man kann von Til Schweiger als Schauspieler halten was man will, aber sein Charisma ist einfach ein nicht zu verachtender Pluspunkt. Die Rolle als sympathischer Frauenschwarm ist ihm auf den Leib geschrieben, und er lässt auch keine Schwächen erkennen. Und wenn man ehrlich ist, benötigt man für einen solchen Mainstream-Unterhaltungsfilm ohnehin mehr Charisma, als Talent. Als sein perfektes Gegenstück erweist sich die sympathische Nora Tschirner, die versucht dem Macho Paroli zu bieten, und die ebenfalls einen wesentlichen Teil zum Gelingen des Films beiträgt.

Auch überragend sind die vielen kleinen Nebenrollen, die von Schweiger wirklich überragend besetzt worden sind. Bereits erwähnt wurde ein wunderbar selbstironischer Jürgen Vogel, der seinen Ruf gekonnt auf die Schippe nimmt, aber auch ansonsten liest sich die Besetzungsliste wie das Who-is-Who des deutschen Films. Zwar bekommt der sympathische Christian Tramitz nur einen sehr kleinen Gastauftritt, der auch nicht der Rede wert ist, aber dafür darf ein anderer Bully Spezi besonders glänzen: Rick Kavanian hat mit seiner herrlich überzogenen Performance als cholerischer Chefredakteur alle Lacher auf seiner Seite, und man würde sich doch wünschen ihn öfters zu sehen.

Dennoch kann man nicht behaupten, dass Keinohrhasen ein fehlerfreier Film ist. Einmal ganz davon abgesehen, dass sich wie immer die typischen Schwächen des Genres einschleichen, und wohl jeder halbwegs filmerfahrene Zuseher alle Wendungen des Films vorhersehen kann, merkt man doch, dass sich der Film am Ende etwas in die Länge zieht. Erschwerend hinzu kommt noch, dass der Abschluss leider nur ein uralter, visualisierter Taxifahrer Witz ist, der so abgenutzt und verstaubt ist, dass wohl kaum jemand noch darüber lachen kann. Doch diese kleinen Dämpfer wirken sich nicht allzu schlimm aus, denn obwohl Keinohrhasen seine Makel hat, ist es dennoch ein herzerwärmender Film, der garantiert für Spaß sorgt! Für Freunde des Genres ein Pflichttermin!

Fazit:
Mit Keinohrhasen darf Til Schweiger zeigen, dass er es als Regisseur absolut drauf hat. Zumindest im Unterhaltungsfach, in der Sparte der romantischen Komödien. Denn es gehört definitiv etwas dazu, wenn man es schafft aus den verrosteten Mechanismen des Genres noch ein solch rundum sympathisches und unterhaltsames Werk zu kreieren. Zwar ist der Film etwas zu lang geworden, mit einigen schwächeren Gags versehen, und der schwache Witz zum Schluß hätte auch nicht sein müssen, aber dennoch sorgt Keinohrhasen für einen absolut unterhaltsamen Abend. Ein sympathischer Film, der sich nicht vor der Hollywood-Konkurrenz verstecken muss! Endlich wieder eine deutsche Komödie, die man sich im Kino ansehen sollte, denn viele Kollegen scheinen eher fürs Fernsehen zu produzieren.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 5.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 67
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