Girlhood (2014)

OT: Bande de filles - 112 Minuten - Drama
Girlhood (2014)
Kinostart: 19.12.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Girlhood

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Regisseurin Céline Sciamma ist einigen Filmfestival-Liebhabern bereits durch Water Lillies und Tomboy ein Begriff, in denen sie ebenfalls weibliche Rollenbilder thematisierte. Sciamma’s Coming-of-Age-Geschichte Girlhood wurde erstmals beim Cannes Film Festival 2014 gezeigt. Außerdem erhielt das französiche Drama Preise bei dem San Sebastián International Film Festival, dem Philadelphia Film Festival sowie dem Stockholm International Film Festival. Sciamma versucht als Filmemacherin vor allem mit Image und Identität weiblicher Figuren zu spielen und greift hierzu soziale Restriktionen und Tabus auf.

Marieme (Karidja Touré) wohnt in einem Viertel am Rande von Paris und spielt in einem Mädchen-Team Football, bis ihr aufgrund ihrer schlechten Noten der Aufstieg in den nächsten Jahrgang verwehrt wird. Ausweg aus ihrer Lage bieten ihr die Mädchen Lady (Assa Sylla), Adiatou (Lindsay Karamoh) und Fily (Marietou Touré), und so formieren sie sich zu einer vierköpfigen Mädchenbande. Nachdem Marieme ein neuer Spitzname, nämlich „Vic“ für Victory, verpasst wird, durchläuft sie eine Menge von Veränderungen: Sie glättet ihre Haare, zieht enge Kleider zum Feiern an, stiehlt im Einkaufszentrum, führt eine geheime Beziehung mit dem Freund ihres Bruders, singt, tanzt und trinkt mit ihren neuen Freundinnen. Marieme versucht sich von den verbalen sowie körperlichen Attacken ihres gewalttätigen Bruders loszureißen, denn zu Hause hat dieser das Sagen und ist der Mann im Haus. Sie will die Freiheit endlich spüren sowie selbst eine Stimme haben und nicht nur mehr die Ersatzmutter und Köchin für ihre kleinen Geschwister zu Hause sein. Mit ihrer neuen Mädchenclique kämpft sie quasi gegen all die Themen die zum Erwachsenwerden dazugehören: die erste Liebe, der erste Sex, die erste Begegnung mit Drogen etc. Zu Beginn ahmt sie noch Verhalten sowie Einstellungen ihrer Bandenmädchen nach, doch mit der Zeit findet sie immer mehr heraus wer sie selbst wirklich ist und wie die Welt bzw. Freiheit außerhalb ihres Blocks aussieht. Und Marieme entscheidet sich, was ihre Zukunft anbelangt, bewusst nicht für den einfachen Weg weiterhin stumm zu bleiben und das brave Mädchen zu spielen, sondern schlägt auch mal gefährlichere Wege ein…

Die Rolle der Marieme/Vic durchläuft mehrere Veränderungen und der Zuschauer begleitet sie durch verschiedenste Phasen ihres Lebens. Vom Mädchen, das von der Schule fliegt, zum raufenden Teenager, der immer mehr maskuline Wesenszüge annimmt. Karidja Touré spielt als Marieme eine sehr wandlungsfähige Figur, die innerhalb weniger Zeit die verschiedensten Gesichter aufsetzen kann. Bei der Auswahl der Rollen wurde vor allem auf Darsteller ohne Schauspielerfahrung gesetzt, welche selbst in verärmlichten Vororten aufgewachsen sind und somit die Geschichte des Films besser erzählen können. Die ausgewählten Darstellerinnen zeichnen ich in Girlhood vor allem durch Charisma und ihre starke Identität aus. Aber auch eine gewisse Zerbrechlichkeit und Zartheit der Mädchen neben dem geballten Kampfgeist ist zu erkennen. Gerade diese Abbildung der Charaktere wirkt sehr authentisch und auch nur deshalb funktioniert die Geschichte im Film selbst so gut.

Da der Film nur mit den nötigsten Dialogen ausgestattet ist, lässt er viel Raum um die Impressionen der französischen Vororte sowie die Ausstrahlung der gut besetzten (Laien-)Darsteller auf sich wirken zu lassen. Es wird eine zeitgenössische Atmosphäre abgebildet, die sowohl in politischem als auch sozialem Kontext gesetzt wird. Vor allem bei Tanzszenen spielt die Filmmusik einen wichtigen Aspekt in Girlhood. So ist ein Höhepunkt des Films eindeutig die Sequenz zu Rihannas Song „Diamonds“, in welcher die Mädchenbande feiert und ihre vorübergehende Unabhängigkeit und Freiheit betanzt.

Trotz alledem gibt es gegen Ende hin doch ein paar Filmmomente die nicht ganz abgerundet erscheinen und es dem Zuschauer erschweren Marieme’s Taten nachvollziehbar zu machen. Zum Beispiel, wenn Sie sich gegen die Mädchenbande und für den Job als Drogenkurier entscheidet. Möglicherweise ist dies durch die doch zu weiten Zeitsprünge begründet.

Fazit:
Girlhood lebt von den ausstrahlungsstarken jungen Darstellerinnen sowie von den besonderen Musikmomenten. Ein Film der eine komplette Gefühlspalette beinhaltet: Lebensfreude, Freiheit, Sexualität, Zorn, Willensstärke, Selbstentfaltung, Unterdrückung, Macht etc. Gegen Ende hin verzeichnet der Film ein paar kleine Schwächen, doch im Großen und Ganzen ist es ein sehenswertes Drama, welches die Geschichte junger Frauen aus Frankreichs Minderheitenvierteln erzählt.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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Frankreich
Liste von ali6k
Erstellt: 14.01.2015