Fast & Furious 7 (2015)

OT: Furious 7 - 137 Minuten - Action / Krimi / Thriller
Fast & Furious 7 (2015)
Kinostart: 02.04.2015
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Fast & Furious 7

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Zur Story: Der Kreis des FAST & FURIOUS Universums schließt sich. Han Seoul-Ohs (Sung Kang) tödlicher Rennunfall in F&F TOKYO DRIFT entpuppt sich in der Post Credit Scene von FAST & FURIOUS 6 als ein Vergeltungsanschlag von Owen Shaws (Hauptgegenspieler aus F&F 6, gespielt von Luke Evans) älterem Bruder Deckard Shaw (Jason Statham), der darauf brennt, ihn zu rächen. Er ist, was sie in Filmen gerne als die außer Kontrolle geratene Killermaschine bezeichnen, die eben nicht mehr staatlich zertifiziert ist, sondern sich eigene Namenslisten macht. In Teil 7 vermutet man also nicht mehr irgendeinen Abklatsch von Vin Diesels TRIPPLE X, wo ein Adrenalinjunkie plötzlich gezwungen ist für die Regierung zu arbeiten, weil ihre Spezialeinheiten dafür zu unfähig sind. Es soll wieder der gute alte Straßenkampf aus früheren Zeiten werden. Doch Deckard Shaw lässt sich unmöglich auffinden, er ist es, der sie auffindet. Also kommt wieder die Regierung ins Spiel – personell besetzt vom bewährten 80er-Actionhaudegen Kurt Russel – und die können ihnen natürlich helfen Deckard Shaw ausfindig zu machen, wenn sie zuerst ein Hacker-Gadget namens Gods Eye finden, damit........Moment! Schon wieder die Regierung?

Da war doch was. Genau dahin hat sich der 6. Teil entwickelt, als sich die Fast & Furious-Reihe dazu entschlossen hat endgültig ins Erwachsenenleben zu treten, aber in der geistigen Weiterentwicklung völlig degenerierte. Wie man recht schnell feststellen muss, dieser Kurs wird bedauerlicherweise fortgeführt: Regierungsbeamte und Spezialeinheiten, die den Jungs und Mädels von der Street zuhören müssen, weil die sowieso von nichts eine Ahnung haben, da hilft nur echtes Fachwissen eines Streetracers – was auch immer. Nach einem scheinbar durchdachten Briefing mit flotten Sprüchen wird dann doch wieder alles in Schutt in Asche gelegt, weil, was wären Actionfilme, wenn alles nach Plan laufen würde?

Die Handlung ist noch unnötiger verkompliziert worden als es im 6. Teil der Fall war. Nun gibt es dafür einen guten aber sehr bedauernswerten Grund: Jason Statham, der Typ, den man dafür kennt, dass er seine Gegner reihenweise auf die Matte schickt, stagniert hier ganz schön mit seinem Vorhaben, weil der Film wirklich zu einem verdammt ernsten werden könnte, sobald die Hauptdarsteller einer nach dem anderen von Mr. Handsome Kickass nach und nach von der Liste gestrichen werden. Damit würden aber auch die feuchten Jugendträume der Filmreihe verschwinden, die vielleicht, nein ganz sicher sogar, in Fast & Furious 17 immer noch ein fester Bestandteil der Serie sein werden: mehr oder weniger subtile upskirt shots, wackelnde Ärsche in Slow Motion, aufgeblasene Muckis, Supercars in pornorösen Kameraeinstellungen eingefangen, und natürlich – seit dem 6. Teil neu hinzugekommen – exzessiver Materialismus und im Geheimauftrag der Regierung zu handeln, aber trotzdem „richtig Straße“ bleiben. James Bond mit Slang sozusagen.

Das ist jetzt nichts woran man sich nicht gewöhnen könnte. Wenn die Filmindustrie glaubt, dass das die Jugendlichen sehen wollen, okay. Was aber den 7. Teil zu einer absoluten Farce macht, ist die gnadenlose Einfallslosigkeit des Drehbuchs, das offiziell und hauptsächlich Chris Morgan anzukreiden ist. Der Spezialist für leicht verständliche Action-Geschichten hat sich hier selbst übertroffen, in dem er einige emotional dramatische Momente des 6. Teils, wo er ebenfalls am Drehbuch mitwirkte, dreist abgekupfert hat. Was vielleicht nicht so übermäßig schlimm wäre, wenn sie nicht schon im Vorgänger für Brechreizmomente gesorgt hätten. Es ist unsagbar, wie billig hier versucht wird große Gefühle zu produzieren. Die einzig intensiven Empfindungen, die dieser Film sehr gut hervorzurufen vermag, ist Wut und schmerzhaftes Sodbrennen. James Wan lässt kaum Unterschiede zu seinem Regie-Vorgänger Justin Lin erkennen. Vielleicht liegt der einzige Unterschied darin, dass der 7. Teil die nervtötenden Szenen aus dem 6. Teil zu noch unerträglicheren Déjà-vu-Momenten potenziert, ansonsten sind die zwei Teile wie ein Film zu sehen.

Selbstverständlich ist nicht alles zum in die Tonne treten. Nach dem man sich schon seit FAST 5 langsam daran gewöhnen musste, das physikalische Gesetzmäßigkeiten an die Zeichentrickserie LOONEY TUNES angepasst worden sind, hat die FAST & FURIOUS-Reihe einen neuen Anreiz bekommen, den sie leider als stockernstes Spektakel verkauft, was aber nicht heißen soll, dass man sich nicht darüber herrlich amüsieren kann. Die nicht immer beabsichtigt komischen Actiongrotesken stehen dem Vorgänger im Nichts nach. Drehbuchautor Chris Morgan hat einen Riecher für Actionszenen, die sonst nur einem Kleinkind einfallen würden; leider mit einem mangelnden Sinn für Tempo und Rhythmus inszeniert. Exzessiver Einsatz von shaky cams und unzählige Einstellungen, von denen keine länger als gefühlte drei Sekunden dauert, sind diese Art von Thrill-Ride, die jede Form von Spannung abtöten. Zeitweise sind die Actionsequenzen von FAST 7 einfach nur eine Bilderflut von Explosionen, prügelnden Menschen, fliegenden Autos und etwas einfallslos choreographierten Schusswechseln.

Mit Jason Statham hatten die Macher den bisher besten Gegenspieler zur Verfügung, einer der den anderen zu leicht die Show gestohlen hätte. Stattdessen degradierten sie ihn zu einem hartnäckigen Sparringspartner. Den Kampfszenen kann man bis auf den hysterischen Schnitt, wenig vorhalten. Ebenso ist zuzugeben, dass Paul Walkers CGI-Double, bei aller uns wohlbekannten Künstlichkeit, schlichtweg lebensecht wirkt.

Fast & Furios ist seit dem letzten Teil so ein bisschen wie die ATV-Serie „Teenager werden Mütter“, nur eben im gnadenlosen Bombast gekleidet. Viel stumpfsinniger Kitsch jenseits der Schmerzgrenze und eine Zerstörungswut der teuersten Blockbuster-Liga. Mit einem Wort beschrieben: „Überladen“. Dass der Film mit einem 250 Millionen Budget sogar noch teuer als die AVENGERS geworden ist, liegt aber an Paul Walkers tödlichem Verkehrsunfall und allen damit verbundenen Produktionsumständen.

Fazit:
Ebenso wie Paul Walkers unerwartetes Dahinscheiden, wird es auch das charmante und etwas naive FAST & FURIOUS nie wieder geben, wo sich erwachsene Männer mit „Bro“ anreden, bei jeder Begegnung freundschaftliches Fistbumping praktizieren und immer irgendwo zwischen Gesetzestreue, Kriminalität und Selbstjustiz agieren. Andererseits hat der 7. Teil aufgezeigt, dass sich die Serie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr weiter entwickeln (eher verschlimmern) und nach Paul Walkers Tod hoffentlich endgültig aufgegeben wird – was bei entsprechendem Erfolg am Boxoffice natürlich nicht passieren wird. Es ist einfach nur ein schlechter Film und selbst für einen sogenannten No-Brainer absolut keine Entschuldigung. Die Macher haben es dennoch bei all dem aufgeblasenen Müll, den sie fabriziert haben, geschafft, ihm zumindest ein schönes und sehr persönliches Ende zu widmen – das gehört aber irgendwie nicht mehr zum Film.

Wertung:
3/10 Punkte

Igor Basagic
Filmering.at
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