John Wick (2014)

OT: John Wick - 101 Minuten - Action / Thriller
John Wick (2014)
Kinostart: 30.01.2015
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu John Wick

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Nach THE EQUALIZER (Regie Antoine Fuqua) so wie einer zweiten Fortsetzung zu TAKEN (Regie: Olivier Megaton), ist das Verhältnis zwischen dem Gourmet-Publikum unter Actionenthusiasten und den Bad Ass Lone Wolfs leicht verstimmt. Regisseur Antoine Fuqua gelang wenig, dem langatmig geratenen Drehbuch Schwung zu geben, und TAKEN 3 ist vermutlich deswegen so geworden wie es ist, um ein weiteres Sequel erfolgreich zu verhindern (leider sprechen die Zuschauerzahlen dagegen). Filme dieser Art haben nach dem ökonomischen Verständnis der Investoren aus berechtigten Gründen ausgedient, weswegen sie, von Erfolgsfortsetzungen oder Re-Boots ausgenommen, weitaus seltener gedreht werden. Der Rückgang an Gewaltdarstellungen zugunsten einer breiteren Zuschauermasse steht den Superhelden viel besser. Typen wie Bryan Mills (Liam Neeson, TAKEN 3) sind mehr den je gezwungen nach dem Altersfreigabenprinzip der MPAA zu töten: dröge, blutleer und kuschelweich soll es sein.

Dem kommerziellen Kalkül gegenüber steht das Regiedebüt von Chad Stahelski und David Leitch (nicht offiziell als Regisseur angeführt) widerstrebend entgegen. Smoothe Actionfilm-Arbeit, die einen erstaunlich offenen Umgang mit Gewalt aufweist, wie es im US-Kino kaum noch zu sehen ist. Zwei Dinge wird der versierte Actionliebhaber nach 30 Minuten Laufzeit feststellen: 1) JOHN WICK entstammt dem Geiste früher 90er und 2) der Film ist eine Spur zu ernst, um eine Kill Count-Anzeige in den Film einzubauen, wirklich daneben wäre es aber auch nicht.

Ex-Profikiller John Wick (Kenau Reeves) trat für die Liebe seines Lebens in den frühzeitigen Ruhestand. Bevor sie ihrer schweren Krankheit erlag, schenkte sie ihm einen Welpen – mit der Bitte, seine Fähigkeit zu Lieben niemals zu verlieren. Nachdem Wick vom launischen Sohn eines Gangsterbosses das Einzige genommen wurde, das ihm seine verstorbene Frau hinterließ, ist Wicks Rachemotiv keine Empfindung von rasendem Blutrausch, sondern logische Konsequenz eines eiskalten Killers, der zu seinen Wurzeln zurück gefunden hat.

Wer darauf versessen ist, endlich etwas anderes zu sehen als die ständige Anbiederung ans Massenpublikum mit überteuerten CGI-Plastikschrott, soll mal sehen wie Keanu Reeves im fließenden Übergang jede Kombination von Schlägen und Tritten mit einer nicht minder akrobatischen Exekution abschließt. Diese Kampfsport-Erfindung des Action-Altmeisters John Woo nennt sich Gun Fu oder Gun Kata und fand aufgrund seiner unvermeidbaren Darstellung von Brutalität in größer budgetierten Filmen vergangener Jahre eher selten zur Anwendung. Kurt Wimmers EQUILIBRIUM (2002) gehört noch zu den berühmtesten Vertretern des westlichen Gun Fu-Actionkinos, nun ist die Pistolen-Kampfkunst wieder zurück, und man ist geneigt zu sagen: Sie feiert sich selbst.

Die Szenen sind gleichsam ein Spektakel wie von beeindruckender aber nicht sinnlos übertriebener Brutalität. Neben Chads und Leitchs minimalistischem Regie-Stil, merkt man in erster Linie ihr Talent für Choreographie, den sie sich in ihrer Zeit als Stunt-Männer angeeignet haben. Das Fachwissen, wie Action-Szenen gedreht werden, garantiert aber noch lange kein gutes Gesamtwerk. Darin hat sich schon früherer Stuntman Scott Waugh (Drehbuch: George Gatins) mit der Videospielverfilmung NEED FOR SPEED versucht, und brachte, abgesehen von schönen Verfolgungsjagden und viel Super Car-Pornographie, ein überflüssiges Ärgernis auf die Leinwand. Glücklicherweise waren die Zwei, trotz empfindlicher Drehbuchverfehlungen, weit davon entfernt so gnadenlos zu scheitern.

Das Regie-Duo ersparte dem Publikum, rund um das eigentliche Kampf-Geschehen, so gut wie möglich den guten Geschmack mit der pathetischen Abrissbirne zu torpedieren, wofür man ihnen angesichts des obligatorischen Schmalzes, den die Liebhaber des Actionkinos kaum mehr vermeiden können, einfach nur dankbar sein muss.

Üblicherweise werden die aalglatten Kinderspektakel von entsprechend farblosen Vertretern der Rechtschaffenheit und der Nächstenliebe abgerundet; einer heiliger als der andere. JOHN WICK unternimmt gar nicht den Versuch seinem Antihelden eine Motivation tiefgreifender Natur zu geben: ein toter Hund seiner geliebten Verstorbenen reicht aus, um die Gangster stapelweise über die Klinge springen zu lassen.

Es gibt nicht viel mehr dazu zu sagen: simpel, in your face, bullet to the head, und gerade deswegen ungewöhnlich. Echte Effekte statt CGI-Blutspritzer zu verwenden, hätte gerade im gegenwärtigen Actionkino das Statement der Macher vollendet, jedoch ist dieser Makel genau so hinnehmbar, wie der zuweilen auftretende Realismusmangel der einen oder anderen Schusswechselszene. Dass die bösen Jungs seit Gedenken des Actionkinos fürchterlich beschissene Schützen sind, ist wirklich keine Neuigkeit - ebenso wenig die Schwäche amerikanischer Filmemacher für skrupellos lebensmüde Russen.

Fazit:
JOHN WICK hat einen gut harmonierenden Cast, dazu (fast immer) ein richtiges Maß an Coolness mit passend kühlem Unterton und schnörkellos solides Actionhandwerk von Authentizitätswert. Keanu Reeves` Karriere hat das 47 RONIN-Desaster zum Glück überlebt. Ganz ohne Risiko war sein dritter Folgeversuch mit den Ost-Asiatischen Kampfkünsten nicht. Im Hinblick dieser ungünstigen Vorzeichen dürfen Freunde des Rustikalen umso glücklicher sein, dass es JOHN WICK aufgrund des nicht selbstverständlichen US-Erfolges über den großen Teich nach Europa geschafft hat. Das Ehrlichste, was das Action-Kino seit langem geleistet hat.

Wertung:
8/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 11
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