Ein Augenblick Leben (2014)

OT: Ein Augenblick Leben - 89 Minuten - Dokumentation / Drama
Ein Augenblick Leben (2014)
Kinostart: 31.10.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ein Augenblick Leben

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Krankheit wird nach wie vor oft als Tabuthema angesehen, insbesondere wenn diese tödlich verläuft. Dabei haben gerade jene Menschen ein interessantes Leben hinter sich und vor allem durch die Erkrankung wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln können. Gute Gründe also, um sich über jene tabuisierenden Grenzen hinwegzusetzen und jenen Menschen eine Bühne zu geben. Doch wie weit kann man gehen, welche Fragen darf man stellen? Die Psychotherapeutin und Filmemacherin Anita Natmeßnig widmete sich bereits in ihrer letzten Dokumentation Zeit zu gehen (2006) unheilbar an Krebs erkrankten Menschen im CS Hospiz Rennweg. Bei diesen Dreharbeiten lernte sie auch einen ganz besonderen Protagonisten kennen, Robert Linhart. Zu ihm hatte die Regisseurin eine besondere Verbindung und versprach ihm schließlich an seinem Sterbebett, einen eigenen Film über ihn zu realisieren. Mit Ein Augenblick Leben trägt Natmeßnig ihrem Versprechen nun Rechnung.

Die Dokumentation begleitet den ehemaligen Nachrichtentechniker Robert Linhart nach seiner Entlassung aus dem CS Hospiz Rennweg. Der 53-Jährige gewährt der Filmemacherin und ihrem Team damit tiefe Einblicke in sein Leben und lässt sie dabei nicht nur in seine 25m²-Gemeindewohnung in Wien, sondern gibt auch viel über sein vergangenes Leben preis. So erzählt er von banalen Erlebnissen, auch von einschneidenden Erfahrungen, wie einem, seine Kindheit und Jugend prägenden Sprachfehler, zeigt Fotos von ehemaligen Liebhaberinnen und schwelgt durchaus zufrieden in vergangenen Erinnerungen. Dabei kommt vor allem auch das enge Verhältnis der Regisseurin zu ihrem Protagonisten zum Vorschein, wodurch eine besondere Ehrlichkeit seitens Robert Linharts generiert wird, Natmeßnig aber auch nicht davor zurückschreckt, von ihren eigenen Erfahrungen und Schlüssen aus den Begegnungen und Interviews mit ihrem Protagonisten zu berichten.

Bildlich arbeitet sie dabei mit bewegten Bildern, Szenen einer Bahnfahrt kommen, unterlegt mit Natmeßnigs Kommentar, mehrmals im Film vor. Diese stellen trotz des Zusammenhangs mit seinem letzten Wunsch, eine Kreuzfahrt zu machen, einen Kontrast zu den eher statisch angelegten Aufnahmen von Robert Linhart dar. Auch schnitttechnisch hielt man sich zurück und vermied große Spielereien zugunsten der ehrlichen und möglichst unverzerrten Dokumentation des letzten Lebensabschnitts Robert Linharts, was dem Film einen besonders starken Ausdruck verleiht und zum Nachdenken anregt. Sicherlich ist nicht jede Szene unbedingt zwingend notwendig, um die Thematik rund um das krankheitsbedingte Sterben mit all seinen Folgen zu thematisieren, doch tragen gerade diese zur authentischen Zeichnung des Lebens eben in dieser Zeit bei.

Wohl oder übel wird schließlich auch der Tod thematisiert und bildet sozusagen den Höhepunkt des Films, als Robert Linhart wie auf einem Totenbett im Krankenhaus schlafend gefilmt wird. Dennoch beschreibt Regisseurin Matneßig den Film vielmehr als eine Geschichte über das Leben und so mutet er letztendlich auch an. Denn bis zum Schluss wirkt Linhart nicht verbittert, sondern scheint seinen Frieden mit dem Leben gemacht zu haben und entlässt das Publikum mit einem guten Rat: „Die Leute sollen sich mehr selbst mögen, dann mögen sie auch die anderen mehr.“ Ein Film, der von Traurigkeit, Humor, menschlichen Abgründen und Schönheit geprägt, zum Nachdenken über das Leben, vor allem aber auch über ausständige Wünsche und Gelegenheiten einlädt.

Fazit:
Ein Augenblick Leben von Psychotherapeutin und Filmemacherin Anita Natmeßnig erzählt die Geschichte des unheilbar kranken Robert Linharts. Dieser lässt die Regisseurin, aber auch das Publikum einerseits an seinen Lebenserfahrungen, andererseits an seinen krankheitsbedingten Erkenntnissen und seinem Leben in den letzten Wochen teilhaben. Ein Film, der nicht mit tragischer Spannung und dramatischer Inszenierung, sondern vielmehr mit einer ungeschönten und ehrlichen Darstellung überzeugt.

Wertung:
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