Pride (2014)

OT: Pride - 120 Minuten - Komödie / Drama / Geschichte
Pride (2014)
Kinostart: 31.10.2014
DVD-Start: 27.03.2015 - Blu-ray-Start: 27.03.2015
Will ich sehen
Liste
21470
Bewerten:

Filmkritik zu Pride

Von am
Der Streik der britischen Bergarbeiter, der im März des Jahres 1984 begann und ziemlich genau ein Jahr lang dauerte, gilt als einer der am härtesten geführten Arbeiterkämpfe in der Geschichte Großbritanniens. Im Oktober 1984 befanden sich mehr als 130.000 Bergarbeiter im Streik, fast 100 Gruben lagen still. Was nicht viele wissen ist, dass die Bergarbeiter von einer ganz speziellen Organisation von Anfang an unterstützt wurden. Eine Gruppe von jungen homosexuellen Menschen setzten sich unter den Namen „LGSM“ („Lesbians and Gays Support the Miners“) für die Rechte der Bergarbeiter ein. Drehbuchautor Stephen Beresford und Produzent David Lingstone hörten von dieser fantastischen Geschichte und vertieften sich in die Geschichtsbücher, forschten bei Beteiligten und betrieben höchsten Aufwand um Fakten über diese historischen Ereignisse zu sammeln. Für den Theater- und Musical-erfahrenen Warchus, der 2015 als Leiter des legendären Old Vic Theatres in London die Nachfolge von Kevin Spacey antreten wird, stellt Pride den ersten Kinofilm seit 15 Jahren dar. Premiere feierte der ebenso inspirierende wie amüsante Film 2014 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, wo er in der renommierten Quinzaine des Realisateurs minutenlang mit stehenden Ovationen gefeiert und mit der Queer Palm ausgezeichnet wurde.


Ein Handschlag hat schon vieles besiegelt. So auch die außergewöhnliche Liaison zweier Gruppen, die sich im Sommer 1984 in England gefunden haben: Bronski Beat trifft Gaelic Folk oder auch… eine ausgelassene Schwulen- und Lesbentruppe aus London trifft auf streikende Waliser Bergarbeiter. Irritationen beim ersten Aufeinandertreffen sind vorprogrammiert! Doch spätestens als der exzentrische Jonathan den hüftsteifen Walisern zeigt, was echtes Disco-Feeling ist, scheint das Eis gebrochen… Doch nicht in jedem Waliser finden die couragierten Großstädter einen dankbaren Verbündeten und stellen so ein ganzes Dorf auf den Kopf. Die L.G.S.M. (Lesbians and Gays Support the Miners) sammelt für ihre Kumpel Geld in bunten Eimern und stellen sich damit farbenfroh der gnadenlosen Politik von Margaret Thatcher entgegen. Zwischen den neuen Komplizen entwickelt sich eine besondere Freundschaft, mit bis heute historischen Folgen.

Margaret Thatcher sagte einmal, dass es sowas wie Gesellschaft gar nicht gäbe. Genau diese Botschaft möchte der Film „Pride“ wiederlegen. Der Glaube an die Stärke der Gesamtheit steht im Vordergrund. Und tatsächlich fühlt sich der Zuseher rasch als ein Teil dieses Gesamten und ein Strudel voller gelungenen Elementen entführt ihn, in den Kampf für Toleranz und Gleichberechtigung. Dabei ist der Cast bestückt mit Individuen die sich perfekt in die ganze Gruppe fügen und so bildet sich ein harmonisches Ganzes, welches den gesamten Film gekonnt trägt. Das dabei die einzelnen Individuen etwas in den Schatten Rücken müssen, ist leicht zu verkraften. Als anfängliche Identifiktationsfigur für den Zuseher dient Joe. Er ist schüchtern, ruhig und hat mit seinen Coming Out noch schwer zu kämpfen. Doch langsam blüht er in der Gruppe der „LGSM“ auf und während er seinen Eltern erzählt, dass er seine Zeit in einem Kuchenback Seminar verbringt, erfährt er, wie es sich anfühlt Teil eines funktionierenden und toleranten Kollektiv zu sein.

Dabei rückt auch Joe nur anfänglich in den Vordergrund um für eine rasche Einleitung in die Thematik zu dienen. Danach verschwindet er in der Gruppe von Charakteren, die trotz des Faktes, alle nur Nebenfiguren zu sein, doch alle sehr gelungene Individuen sind und so jeder einzelne einfach Spaß aber auch Emotionen wecken kann. Am Ende hin wird, dann wieder der einzelne (vor allem Mark und Joe) mehr in den Vordergrund gestellt, was vielleicht eine kleine Disharmonie des Ganzen Filmes zu Folge hat, aber eigentlich nur ein kleiner Kritikpunkt in einem einfach sehr gelungenen Film ist. Denn hier fügen sich nicht nur die einzelnen Charaktere in ein wunderbares Ganzes zusammen. Auch die einzelnen Elemente des Filmes harmonieren einfach vorzüglich miteinander.

Vor allem ist Pride eine Komödie und ja auch zum Lachen gibt es einiges. Etwa in den Situationen, in denen die älteren Damen am Abend in Schwulenbars auf Streife gehen. Aber und das ist wirklich bemerkenswert, durch den Humor, wird keineswegs das emotionale Gewicht der Geschichte gemindert. Wenn etwa bei einer Feier, ein junges Mädchen den Bekannten Protestsong „Bread and Roses“ anstimmt und nach und nach alle mitsingen, kann sich schon mal die Gänsehaut bilden. Aber auch andere Szenen, ohne Spoilern zu wollen, haben großes emotionales Potential. Denn ein herausragendes Drehbuch ist es zu verdanken, dass eine doch sehr ernste Geschichte, durch Humor, satten Dialogen und Abwechslungsreichen Szenen eine unterhaltsame emotionale Angelegenheit wurde. Dabei gibt Drehbuchautor zu, dass er einiges an Fiktionalität den Film mitgeben musste, um einen gewissen Unterhaltungswert zu schaffen. Letztendlich sind aber, laut seinen Angaben, trotzdem noch 80% der Geschichte tatsächlichen Ereignissen.

Fazit:
Pride ist ein Feel-Good-Movie der alles hat, was das Herz begehrt. Humor, Emotionen, einen gelungen Cast, Vielfalt und Gänsehaut Momente. Eine gelungene Komödie und ein kraftvolles Statement für Toleranz und Gleichberechtigung. Auf jeden Fall weiterzuempfehlen.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
100%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Keine Empfehlungen gefunden!
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von donbenni
Erstellt: 09.12.2012
Will ich sehen
Liste von Tasse
Erstellt: 18.09.2012