Hin und weg (2014)

OT: Hin und weg - 95 Minuten - Komödie / Drama
Hin und weg (2014)
Kinostart: 24.10.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Hin und weg

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Es ist eine Frage, über die der ein oder andere von uns vermutlich schon einmal nachgedacht hat: Was würde man tun, wenn man die Diagnose einer tödlichen Krankheit erhalten würde und nur noch wenigen Monate oder gar Wochen zu leben hätte? Antworten darauf gibt es vom Zurückziehen in das vertraute Familienumfeld bis hin zu nie gewagten Adrenalinkicks en masse. Dennoch bleibt ein solches Szenario für die meisten von uns unvorstellbar und utopisch. Genau in diesem Szenario bewegt sich nun die neue Tragikomödie von Christian Zübert, in den Hauptrollen Florian David Fitz, Julia Koschitz und Jürgen Vogel, die als extreme, dabei aber durchaus authentische Geschichte daherkommt und, anders als ähnliche Filme, zudem noch den umstrittenen Aspekt der Sterbehilfe behandelt.

Die beiden befreundeten Pärchen Hannes (David Florian Fitz), Kiki (Julia Koschitz), Dominik (Johannes Allmayer) und Mareike (Victoria Mayer) sowie der ewige Junggeselle und Badboy Michael (Jürgen Vogel) und Hannes Bruder Finn (Volker Bruch) machen sich jedes Jahr traditionell zu einer gemeinsam Radtour auf, wobei das Ziel jedes Jahr von jemand anderem bestimmt werden darf. Dieses Jahr trifft es Hannes, der sich zum Unverständnis seiner Freunde für Belgien entscheidet. Während eines Zwischenstopps bei Hannes Mutter (Hannelore Elsner) wird jedoch klar, dass Hannes‘ Wahl nicht ohne Grund fiel. Er ist leidet an der tödlichen und unheilbaren Krankheit ALS, an der bereits sein Vater zugrunde ging. Aufgrund seiner Erfahrung will er seiner Krankheit zuvorkommen und in Belgien Sterbehilfe erhalten. Seine Freunde haben nun keine andere Wahl, als ihren Freund auf seiner letzten Reise zu begleiten, die für alle Beteiligten das ein oder andere persönliche Abenteuer birgt.

Bekannt aus der Ärzte-Comedy-Serie „Doctor’s Diary“ in der Rolle des uncharmanten, aber umschwärmten Dr. Meier, beweist David Florian Fitz nach Erfolgen wie Vincent will Meer (2010) und Jesus liebt mich (2012), an denen er nicht nur vor der Kamera, sondern auch als Drehbuchautor und Co-Regisseur beteiligt war, nun einmal mehr seine Vielseitigkeit und Stärke für anspruchsvolle Charakterrollen. Auch Julia Koschitz (Ruhm, 2012) und Jürgen Vogel, dem komödiantische Rollen wie in Keinohrhasen (2012) zwar auf den Leib geschneidert scheinen, der aber auch in ernsten Geschichten überzeugt, sowie der restliche Cast tragen zu einer gewissen Authentizität des Plots bei. So tragisch eine solche Erzählung über eine unheilbare Krankheit ist, so groß ist auch die Gefahr, dass der Zuseher von all den Emotionen erschlagen wird, oftmals wird vor allem in Hollywood-Filmen auf musikalischer Ebene noch mehr auf die Tränendrüse gedrückt. In Hin und Weg findet sich natürlich auch musikalische Untermalung, die jedoch zur richtigen Zeit am richtigen Ort platziert wird und den tiefgehenden Szenen Raum lässt, für sich selbst zu wirken, was Züberts Drama-Inszenierung gelingt. Aufgrund seiner Beschaffenheit schafft es die Erzählung sich abseits von Kitsch zu bewegen und ähnlich wie schon Halt auf freier Strecke (2011) nahe am Leben geschrieben worden zu sein. Durch den emotionalen Aufbau des Films empfindet man ebenfalls eine große Empathie zu allen Charakteren, – Wie würde man an seiner/ihrer Stelle reagieren, wie würde man damit umgehen? – und kann so sowohl die positiv gestimmten Momente als auch die, nur allzu menschlichen Emotionsausbrüche nachvollziehen. Christian Zübert schafft es damit, die tragische Thematik aus mehreren Perspektiven zu veranschaulichen und zeigt, dass selbst im Angesicht des Todes die Entscheidung, wie man mit diesem umgeht, immer noch bei uns selbst liegen kann.

Doch während die Entscheidung zum würdevollen Tod des Hauptprotagonisten nachvollziehbar erzählt wird, rückt die, im Film thematisierte und gesellschaftlich viel diskutierte, aktive Sterbehilfe eher in den Hintergrund. Durch den Mix von Drama und Komödie droht, unter anderem deshalb, an der ein oder anderen Stelle die Tragik der Thematik und die Empathie mit den Charakteren ab und an abzureißen. Natürlich ist es schwierig nachzuempfinden, wie man mit der ein oder anderen Situation umgehen würde und so ertappt man sich beim heiteren Zusammensitzen der Truppe schon mal bei dem Gedanken, ob sie den eigentlichen Grund ihrer Reise und das Ziel, das alle am Ende ihres Ausluges schließlich erwartet, vergessen haben. Alles in allem schafft es Zübert sowie auch seine Darsteller aber, die Berechtigung aller unterschiedlichen Emotionen in einem solch gefühlsbeladenen Szenario größtenteils glaubwürdig aufzuzeigen. Obwohl das Ende des Films aufgrund seiner Story vorhersehbar wirkt, fiebert und leidet man trotzdem mit den Charakteren mit. Ein Film, der den Zuseher über den Kinosaal hinaus berührt und dem ein oder anderen noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

Ob es sich bei der gewählten Krankheit ALS und deren öffentlicher Aufmerksamkeit durch die international berühmte Ice Bucket Challenge um einen Zufall oder aber um berechnetes Marketing handelt, bleibt in Frage zu stellen. Dem Film wird die plötzliche mediale Beachtung des Krankheitsbildes jedoch sicherlich nicht schaden.

Fazit:

In Christian Züberts Tragikomödie Hin und Weg brilliert David Florian Fitz als todkranker ALS-Patient, der sich zusammen mit seinen Freunden auf die letzte, gemeinsame Fahrradtour aufmacht, an deren Ende schließlich seine Erlösung warten soll. Zusätzlich zur Leidensgeschichte des Hauptprotagonisten wird hier nämlich auch der Aspekt der Sterbehilfe behandelt, welcher den Film von anderen seiner Art abhebt, auch wenn hier noch Spielraum für mehr Tiefgang in diese Thematik möglich gewesen wäre. Regisseur Zübert zeigt insgesamt eine authentische Geschichte des Umgangs mit einem solchen Schicksalsschlag, wenngleich man sich das ein oder andere Mal durchaus fragt, ob man selbst anders reagieren würde. Genau dieses Nachdenken über den Kinosaal hinaus lässt den Zuseher die Geschichte und die Fragen, die sich mit ihr aufwerfen, mitnehmen und bleibt in diesem Sinn durchaus als fesselnd in Erinnerung.

Wertung:
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Liste von sarah15
Erstellt: 17.11.2014