Im Keller (2014)

OT: Im Keller - 81 Minuten - Dokumentation
Im Keller (2014)
Kinostart: 26.09.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Im Keller

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Ulrich Seidl und Provokation stehen in einer Beziehung wie der Wiener zum Bier. Ganz ohne geht es einfach nicht und ab und zu wird schon mal übers Ziel hinausgeschossen. So sorgte Seidl schon 2012 für einen großen Skandal. Mit seinem Film „Paradies Glaube“ erzürnte er die ultrakonservative katholische Organisation „No 194“, die gegen Seidl wegen Blasphemie Anzeige erstattete. Der neue Skandalfilm von Ulrich Seidl macht dem Wortlaut Skandal ebenfalls alle Ehre und sorgte schon im Vorfeld für jede Menge Aufruhr. So sind in einer längeren Szene zwei ÖVP Politiker zu sehen, die sich gemütlich in einer Männerrunde über das Leben und seine Tücken austauschen. Der Skandal dabei: Der Keller, in dem sich die mittlerweile zurückgetretenen Politiker so befreit austauschen, ist voll mit Antiquitäten aus der Nazizeit, wie etwa ein großflächiges Portrait von Adolf Hitler oder mehrere Puppen in typischer NS-Kleidung. Doch dies ist keinesfalls die einzige Szene mit der Ulrich Seidl den Zuseher an seine „Schmerzgrenze“ bringt.

Der Film handelt von Menschen und Kellern und was Menschen in ihren Kellern in der Freizeit tun. Der Film handelt von Obsessionen. Der Film handelt von Blasmusik und Opernarien, von teuren Möbeln und billigen Herrenwitzen. Von Sexualität und Schussbereitschaft, Fitness und Faschismus, Peitschenschlägen und Puppen.

Sich „im Keller“ im Kino anzuschauen verlangt den Zuseher einiges ab. So ist es keine Überraschung wenn am Ende nur noch die Hälfte des anfänglichen Publikums anwesend ist. Und von diesen Leuten der Großteil beschämt auf den Boden blickt und sich wünscht, so schnell wie möglich zu Hause zu sein und sich in Fötus Haltung ins Bett unter die Decke zu vergraben.

Dabei schockt Seidl vor allem mit der schonungslosen Offenheit seiner Protagonisten und die dadurch entstandenen Bilder. Als Paradebeispiel dient ein übergewichtiges Ehepaar, dass ihre Sado-Maso Praktiken schamlos vor der Kamera auslebt und sich dabei sichtlich mehr amüsiert, als es das angewiderte Publikum vor der Leinwand tut. Dabei macht es Ulrich Seidl dem Publikum mit seinem unverwechselbaren Stil nicht gerade leichter. Die Kameraperspektiven kennt man schon von seinen früheren Werken und sind auch bei „im Keller“ wieder ein Paradebeispiel dafür, wie viel Emotionen und Aussagekraft man durch den richtigen Blickwinkel und der Positionierung in nur eine Aufnahme transportieren kann.

Ansonsten hält sich der Regisseur wie immer sehr zurück. Weder urteilt er, noch setzt er auffällige filmische Mittel und verleiht so dem Ganzen eine beängstigende Natürlichkeit. "Im Keller" sachlich und objektiv zu bewerten ist eigentlich nicht möglich. Denn handwerklich ist Seidl wie gewohnt exzellent unterwegs. Doch trotzdem stellt sich die Frage, warum dieser Film überhaupt gemacht werden musste? Die Antwort kennt wohl nur Seidl selbst. Provokation schön und gut, doch ist es dabei nötig den Menschen so zu erniedrigen und damit eigentlich nur sehr wenig auszusagen? Der Keller als Symbol für die Abgründe der menschlichen Seele. Der Keller als Fluchtort von der konventionellen Ordnung in die private perverse Einsamkeit. Vielleicht Themen die sich durchaus eine intensivere Beschäftigung verdient hätten. Doch hätte man das alles nicht anders verarbeiten können? Denn trotz der typischen Prise Humor ist das Wohlfühlgefühl für den Zuseher gleich Null.

Fazit:
Ulrich Seidls neuer Film ist 100 Prozent Provokation. Der Zuseher wird mittels schonungslosen Bildern zum Wegschauen und Fremdschämen gebracht. Dabei fragt man sich danach unweigerlich, warum man sich so etwas überhaupt angesehen hat und hofft, das Gesehene so schnell wie möglich wieder zu vergessen. Aufgrund der gewohnt handwerklich perfekten Inszenierung von Ulrich Seidl, ist das aber leider gar nicht einmal so einfach. Ein Film der schwer zu bewerten ist und den man guten Gewissens einfach nicht weiterempfehlen will.

Wertung:
6/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 5
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