Ruhet in Frieden - A Walk among the Tombstones (2014)

OT: A Walk Among the Tombstones - 114 Minuten - Krimi / Drama / Mystery / Thriller
Ruhet in Frieden - A Walk among the Tombstones (2014)
Kinostart: 14.11.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
21324
Bewerten:

Filmkritik zu Ruhet in Frieden - A Walk among the Tombstones

Von am
Frank Scott konnte bereits mit seinem Regiedebüt Die Regeln der Gewalt eine stilsichere Hand für den Film noir beweisen. Seitdem, so scheint es, erzählen seine Filme von Hauptfiguren mit prägenden Erlebnissen und außergewöhnlichen Geschichten. Weitaus erfahrener ist Scott jedoch als Drehbuchautor und so übernahm er auch das Drehbuchschreiben für Ruhet in Frieden - A walk among the tombstones. Als Vorlage diente ihm der gleichnamige Roman, geschrieben vom amerikanischen Erfolgsautor Lawrence Block. Das Ergebnis ist ein gelungener, straighter und düsterer Thriller, der aber nicht ganz ohne Schwächen ist.

Als Matthew Scudder (Liam Neeson) während eines Polizeieinsatzes eine unschuldige Passantin erschießt, entscheidet er sich fortan für ein zurückgezogenes Leben als Privatdetektiv. Acht Jahre später beauftragt ihn der Drogendealer Kenny Kristo (Dan Stevens) die Entführer und Mörder seiner Frau zu finden. Bei seinen Ermittlungen erfährt Scudder, dass die Entführung kein Einzelfall war, sondern das Werk von brutalen Serienkillern ist. Um den Fall aufzuklären, sieht sich Scudder gezwungen die Grenzen der Gesetze auszuweiten und befindet sich bald in einem perfiden Katz- und Maus-Spiel mit den Verbrechern.

Wie schon bei Scotts Erstlingswerk, finden sich auch hier wieder wesentliche Thriller- und Dramaelemente. Das Drama dreht sich dabei hauptsächlich um das Innenleben der Hauptfigur. Angetrieben durch die Tatsache, dass er bei einer Schießerei während eines Polizeieinsatzes betrunken eine unschuldige Passantin getroffen hat, sucht er nun schon seit acht Jahren nach Erlösung. Er quittierte den Polizeidienst, besucht die Treffen der Anonymen Alkoholiker und arbeitet als unlizenzierter Privatdetektiv. Er selbst bezeichnet dies als Gefallen, den er den Menschen macht. Als Gegenleistung erhält er Geschenke. Allein dieser Umstand beschreibt Scudder als einen traurigen und stoischen Charakter, der mit jedem Auftrag versucht, seinen Fehler wiedergutzumachen. Und so dreht sich die Geschichte mindestens genauso sehr um ihre Hauptfigur wie um dem eigentlichen Kriminalfall.

Ebenfalls auf demselben guten Niveau geblieben ist Scotts Talent Atmosphäre zu schaffen. Die Entscheidung, im winterlichen Brooklyn von New York zu drehen, war jedenfalls eine bewusste. Und tatsächlich verschmilzt die kühle Umgebung mit den geplagten Gefühlswelten der Figuren, die sich in ihr bewegen. Die größtenteils verregneten Nächte in denen gedreht wurde und ein Friedhof als Schlüsseldrehort für den finalen Showdown, betonen zusätzlich das düstere und verlassene Handlungsfeld. Den Ton des Films gab auch die knappe Farbpalette der Kostüme an: Braun, Dunkelblau, Grau, Ziegelrot, Olivfarben und Taupe. Das Farbspektrum von getrocknetem Blut.

Ruhet in Frieden – A walk among the tombstones ist kein gewöhnlicher Thriller in dem es um den üblichen Kampf zwischen Gut und Böse geht und ist damit ein willkommenes Gegenbeispiel innerhalb dieses Genres. Scott beleuchtet hier auch die Schattenseiten der Guten. Insofern spielen sowohl Scudder als auch Kenny eine tragende Rolle. Kenny ist nicht nur ein Ehemann, dessen Frau brutal ermordet wurde, er ist auch Drogendealer. Dennoch übernimmt er weder vorrangig die Rolle des trauernden Witwers noch die eines glaubhaften Bösewichts. Vielmehr fungiert er als Vehikel, das einerseits Scudders inneren Kampf weiter antreibt, aber auch klarmacht, dass es noch weitaus düstere Gestalten in der Welt gibt. Und auch Scudder selbst umgibt eine trostlose und schwermütige Aura und die Situationen, in die er gerät, sind nahezu anhaltend angespannt.

Abseits der Verbindung zwischen diesen beiden Charakteren, sind aber auch weitere interessante Beziehungsgeflechte zu beobachten. So bekommt man auch einen Eindruck von der Beziehung Kennys zu seinem drogensüchtigen Bruder Peter (Boyd Holbrook). Um die Kredite aus ihrer Studentenzeit zurückzahlen zu können, begannen sie gemeinsam Drogen zu verkaufen. Doch während Kenny dadurch eine steile (und zweifelhafte) Karriere startete, wurde Peter abhängig. Zwischen den Brüdern entwickelte sich daraus eine komplizierte und harte Beziehung, die von Reue und Gewissensbissen gezeichnet ist. Dass auch die beiden Mörder eine ungleich kühle Beziehung zueinander führen, ist naheliegend. Als Antagonisten bleiben sie im Gegensatz zu den Protagonisten jedoch recht undurchsichtig. Die bedeutendste und zugleich hoffnungsvollste Beziehung ist die zwischen Scudder und TJ (Brian „Astro“ Bradley), einem obdachlosen Teenager, dessen Traum es ist, eines Tages ebenfalls als Privatdetektiv arbeiten zu können. Während seinen Ermittlungen, begegnet Scudder dem Jungen in einer Bibliothek, der dort Schutz vor der Kälte sucht. Beide Figuren treffen aufeinander, als sie sich in einer schwierigen Lebensphase befinden und finden dadurch rasch eine gemeinsame Wellenlänge. Ihr Zusammenspiel sorgt nicht nur für einige schöne Momente, sondern ist auch der einzige Lichtblick in dem sonst so tristen Milieu.

Subtrahiert man jedoch die gelungene Atmosphäre und die solide gezeichneten Charaktere und ihre Beziehungen zueinander, lassen sich aber auch die einen oder anderen Schwächen feststellen. In der ersten Filmhälfte, als Scudder noch versucht die Morde aufzudecken und die Motive zu klären, schafft es Ruhet in Frieden – A walk among the tombstones noch leicht die Aufmerksamkeit der Zuseher zu bannen. Danach gerät die Spannung etwas ins Stocken. Überhaupt verläuft das Thriller-Drama sehr geradlinig. Kein Spannungsbogen, keine überraschenden Enthüllungen und keine unerwarteten Wendungen, die das Filmvergnügen noch ein wenig gesteigert hätten. Es gibt zwar einige starke Momente mit Nervenkitzel – vor allem immer dann, wenn man die Täter im Umgang mit ihren Opfern zu sehen bekommt – doch hinterlässt das Drehbuch auch einige unerklärte Episoden und ein Ende, das zwar ordentlich, aber nicht vollends überzeugend ist.

Fazit:
Ein sehr atmosphärisches Thriller-Drama, das nicht viele Geheimnisse birgt und unkompliziert geradlinig daherkommt. Ruhet in Frieden - A walk among the tombstones ist kein üblicher Neeson-Actionfilm, funktioniert aber hervorragend durch die düstere Färbung und einem markanten Protagonisten. Wer bereits von Die Regeln der Gewalt angetan war, wird auch an Scotts zweitem großem Regiestreich Gefallen finden.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
33%
6 /10
67%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Tall Man (2012)
Zwielicht (1996)
End of Watch (2012)
Deception - Tödliche Versuchung (2008)
Verführung einer Fremden (2007)
Denn zum Küssen sind sie da (1997)
Unknown Identity (2011)
Sicario (2015)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!