Am Sonntag bist du tot (2014)

OT: Calvary - 102 Minuten - Drama
Am Sonntag bist du tot (2014)
Kinostart: 28.11.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Am Sonntag bist du tot

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Die Brüder John Michael und Martin McDonagh sind die Könige des bitterschwarzen Humors. Denkt man an Filme wie „Brügge sehen… und sterben?, „7 Psychos“ und „The Guard“, dann denkt man gleichfalls an schräge Figuren, bizarre bitterböse Geschichten und atmosphärische Schauplätze. Mit „Am Sonntag bist du tot“ meldet sich der jüngere Bruder, John Michael McDonagh, nach seinen von den Kritiken hoch gelobten „The Guard“ wieder mit einen weiteren tiefschwarzen Film rund um die Insel Irland zurück. Diesmal wagt er sich aber in noch tiefgründigere Gebiete vor und lässt sich auf religiöse Fragen rund um den tieferen Sinn des Lebens ein. Zwar gibt es auch diesmal eine Brise Humor, allerdings ist „Am Sonntag bist du tot“ sicherlich McDonaghs düsterstes filmisches Werk.

Eigentlich will Dorfpriester James Lavelle (Brendan Gleeson) doch nur, dass es allen Menschen in seinem Provinznest an der irischen Küste gut geht. Doch seine Gemeinde schockt ihn regelmäßig durch ihren Hass und ihre Streitlust. Eines Tages, als der Geistliche die Beichte abnimmt, droht ihm eines seiner Schäfchen: "Am Sonntag bist du tot!" Nicht, dass der unbescholtene Priester etwas ausgefressen hätte. Er soll stellvertretend für einen anderen katholischen Geistlichen sterben, der dem Gläubigen früher Schlimmes angetan hat, aber nicht mehr lebt. Immerhin hat sich vor knapp 2000 Jahren ja auch Jesus Christus für die Sünden der Menschheit geopfert und schuldlos auf Golgatha kreuzigen lassen. Das Beichtgeheimnis hindert den Priester daran, die Polizei einzuschalten. Also muss er sich selbst auf die Suche nach seinem zukünftigen Mörder machen. Parallel übt er weiter seine pastoralen Pflichten aus. Das Seelenheil seiner Gemeinde steht für ihn an erster Stelle, auch wenn seine psychisch labile Tochter und manch anderer schwierige Fall im sozialen Umfeld seine volle Aufmerksamkeit bräuchten. Eine turbulente Woche, in der Priester Lavelle sein Leben ins Reine bringen will, vergeht wie im Flug. Jetzt muss er sich seinem Schicksal stellen. Wird die raue Küste Irlands am heutigen Sonntag zu seinem ganz persönlichen Golgatha?

Am Sonntag bist du tot ist wieder mal in vielen Aspekten ein typisches McDonagh Werk geworden. Der Schauplatz Irland spielt hierbei wie schon in „The Guard“ nicht nur eine Nebenrolle, sondern ist tatsächlich das Zentrum des Filmes. Ja man könnte fast schon behaupten, Irland ist der Grund für diesen Film. Die Insel hats den Brüdern angetan und Irland bietet tatsächlich die perfekte Atmosphäre für einen tiefsinnigen Inhalt. Die vom Nebel verschluckte Küste scheint das perfekte Symbol für die Handlung zu sein. Denn auch wenn James von Anfang an zu wissen scheint, wer der Mann ist, welche ihn, (wie der Titel schon verlautbaren lässt), am Sonntag umzubringen plant, wird die Ahnungslosigkeit des Zusehers bis zum letzten Showdown nicht aufgelöst. Dabei schleichen sich im Laufe der Handlung immer mehr kuriose Personen zu dem Kreis der Verdächtigen, so dass man als Zuseher schon mal den Überblick verlieren kann.

Doch der Film bietet viel mehr als nur eine krimihafte Story, in welcher man versucht zu erraten wer der potentielle Mörder sein könnte. Am Sonntag bist du tot handelt von einen Mann, der seine düstere Vergangenheit stets mit sich trägt und über den Sinn des Lebens nachdenkt. Ein Mann der versucht sein Karma zu reinigen in dem er versucht das Richtige zu tun, welches wiederum die zentrale Frage aufwirft: was überhaupt das Richtige ist? Und inwieweit sich „das Richtige tun“, mit der Rolle eines Priesters überhaupt vereinbaren lässt? Brendan Gleeson verkörpert seine Rolle wie immer beeindruckend. Er trägt den Film, kann zugleich Mitgefühl, Sympathie und Authentizität vermitteln. Leider fehlt ihm diesmal allerdings dieser Charme, den er in seiner Rolle in „The Guard“ schon ganz groß ausleben durfte.

Am Sonntag bist du tot geht mit schwierigen Themen sehr düster um und verlangt vom Zuseher, sein eigenes Herz und Gehirn in diesen Film einzubinden. Durch diese düstere und melancholische Inszenierung macht Am Sonntag bist du tot allerdings weniger Spaß als etwa „The Guard“. Der Film ist alles andere als ein Happymaker und als Zuseher braucht man auch teilweise viel Geduld, da sich der Film vor allem im Mittelteil etwas in die Länge zieht.

Fazit:
Immer schön einen vielschichtigen und unkonventionellen Film geliefert zu bekommen. Am Sonntag bist du tot, ist etwas für Leute die sich Gedanken über Themen wie Religion, Sünde, Schuld, Reue und den Sinn des Lebens machen. Lässt man sich darauf ein bekommt man einen interessanten und auch unterhaltsamen Film zu sehen. Alle Fans von Filmen wie „The Guard“ und „Brügge sehen und sterben…?“ sei gesagt, dass der Film zwar durchaus als ein typischer McDonagh Film bezeichnet werden darf, es allerdings diesmal um einiges ernster und weniger humorvoll zur Sache geht.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 7
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