Die geliebten Schwestern (2014)

OT: Die geliebten Schwestern - 138 Minuten - Drama / Geschichte / Romantik
Die geliebten Schwestern (2014)
Kinostart: 14.11.2014
DVD-Start: 10.01.2015 - Blu-ray-Start: 10.01.2015
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Filmkritik zu Die geliebten Schwestern

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Der Vorschlag für das Kino-Projekt Die geliebten Schwestern, stammte von der Produzentin Uschi Reich. Ihr Interesse, die Dreiecksbeziehung der Schwestern Lengefeld und Friedrich Schiller zu erzählen, entstand bereits 2004 während der Dreharbeiten zum Fernsehfilm Schiller mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle. Regisseur Dominik Graf reizte vor allem die Idee, einen Film über Worte zu machen und gleichzeitig drei interessante und komplexe Charaktere zu porträtieren. Seit Der rote Kakadu aus dem Jahr 2006, kehrt Graf damit wieder vom Fernsehfilm zum Kino zurück.

Zwei Schwestern verlieben sich in denselben Mann: Die schöne Caroline (Hannah Herzsprung), unglücklich verheiratet, die sich nach Leidenschaft und Liebe sehnt. Und die schüchterne, kluge Charlotte (Henriette Confurius), auf der Suche nach einem rücksichtsvollen Ehegatten. Die Geschwister sind ein Herz und eine Seele, auch als im Jahr 1787 der Dichter Friedrich Schiller (Florian Stetter) ihren Weg kreuzt und auch sein Herz an beide Frauen verliert.

Die Geschichte einer verhängnisvollen Ménage à trois wird oft verarbeitet und gern gesehen, da Beziehungskisten immer viel Spielraum für emotionale Dramen bieten. Bei Die geliebten Schwestern spielen sich jedoch Gefühlsleben und Unglück zumeist im Stillen und im Inneren der Figuren ab und es scheint, als ob auch der Zuseher die längste Zeit nicht daran teilhaben darf. Und so plätschert die Geschichte recht nüchtern vor sich hin. Erst gegen Ende des Filmes kommen die geliebten Schwestern aus der Reserve, nur um sich kurz darauf wieder zu verschließen und in ihr früheres emotionales Reaktionsmuster zurückzukehren.

Dabei klingt Grafs Wunsch einen Film zu kreieren, in dem nicht Bilder, sondern Worte – schließlich geht es in dem Film doch auch um Friedrich Schiller – im Vordergrund stehen, als sehr ambitioniert. Er wollte Briefe verfilmen, den Figuren beim Schreiben zusehen und sie die Briefe (aus dem Off) auch sprechen lassen. Und ja, Worte können oftmals große Wirkkraft entfalten. Sie können berühren, verärgern, beängstigend sein, glücklich machen oder auch Geschichte schreiben. Nur wollen weder die gesprochenen noch die geschriebenen Worte in Grafs historischem Drama beim Zuschauer ankommen und ihn mit in die Un-Tiefen der mehr oder weniger glücklichen Liebschaften hineinziehen. Fehlende Identifikationspunkte, eine monotone Erzählstruktur ohne Höhen und Tiefen und Figuren, die sich emotional jahrelang nur im Kreis drehen, verhindern, sich in die Figuren einfühlen zu wollen. Die Emotionen sind den Figuren zwar von den Gesichtern abzulesen, schaffen es aber nicht von der Leinwand in die Publikumsherzen. Und so kommt es, dass von der Absicht, die Zuseher in die briefliche Gefühlswelt hineinzuziehen, nur ein nerviges Voice-over bleibt, das den Film unentwegt begleitet.

Wesentlich mehr gelungen ist Graf das Einflechten historischer Details und Stimmungen mit denen sich die Figuren immer wieder konfrontiert sehen. Dazu zählt das Thematisieren gesellschaftlicher Zwänge, die technischen Entwicklungen beim Buchdruck, revolutionäre Unruhen in Frankreich sowie Schillers Engagement für die Monatszeitschrift Horen. Zumindest hier beweist Graf sein Geschick und verbindet glaubhaft Faktisches mit Erfundenem.

Fazit:
Die Ambitionen mit denen Graf ans Werk ging, klingen zunächst vielversprechend und wurden zumindest teilweise auch gut umgesetzt. Mit Die geliebten Schwestern demonstriert Graf sein Geschick, historische Details glaubhaft mit Fiktion zu verknüpfen und überzeugt ebenso mit einem liebevollen Zeitkolorit und einem zufriedenstellenden Cast. Das Problem jedoch: nichts von all dem bewirkt, den Zuseher auf der emotionalen Ebene abzuholen. Auch die unsympathische Stimme aus dem Off, vermag es nicht, die Worte und Gedanken der Figuren lebendig werden zu lassen. Der eine oder andere Kinobesucher könnte deshalb lethargisch auf das Filmende warten und sich dann streckend und müde vom Kinosessel erheben.

Wertung:
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Ø Wertung: 5.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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