Foxcatcher (2014)

OT: Foxcatcher - 130 Minuten - Drama
Foxcatcher (2014)
Kinostart: 05.02.2015
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Foxcatcher

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Ganz behutsam und immens wuchtig entwickelt sich „Foxcatcher“, der Film von Bennett Miller, der bereits mit „Moneyball“ und davor „Capote“ ein feinfühliges Gespür für Charaktere gezeigt hatte. Wie „Moneyball“ ist „Foxcatcher“ streng genommen ein Sportlerdrama, aber weil Miller sich viel mehr dafür interessiert, was abseits des Feldes / der Halle / der Arena vorgeht und welche persönlichen Verstrickungen der Wettkampfteilnehmer vor der eigentlichen Austragung eine Rolle spielen, hebelt er allein schon dadurch vordergründige Bilder und Erzählkonventionen aus. 
In „Foxcatcher“ geht es im weitesten Sinne ums Wrestlen – genauer betrachtet aber um das Ringen um Anerkennung und Liebe.

Miller verfilmt hier eine reale Begebenheit, die in den USA zum Zeitpunkt ihres Geschehens für viel Aufsehen gesorgt hatte, aber über die zum Beispiel in Europa wenige bescheid wissen. Der Grad der Hintergrundinformation mag eine Rolle spielen, wie lohnend sich der Film auflöst; er tut aber der Intensität des Dramas keinen Abbruch. 
Kurios genug ist die Idee, dass sich jemand – in diesem Falle der Multimilliardär John Du Pont in den Achtzigern beschließt, sich ein Wrestler-Team zu kaufen, um damit die Olympischen Spiele 1988 zu bestreiten – und für die USA zu gewinnen. „Team Foxcatcher“ fehlt es nicht an Geld und das Logo – nichts Geringeres als ein Adler – ist als Alter Ego seines Sponsors gedacht.

Größenwahnsinnig und kleinlaut spielt Steve Carell mit falscher Nase und genialem Habitus dieses unverhohlen verkappte Muttersöhnchen, das um die Gunst seiner Mami buhlt und seine homosexuellen Tendenzen zwar redlich unterdrückt, aber in den Interaktionen mit den professionellen Wrestlern doch zumindest annähernd ausleben kann.


Besonders gerne arbeitet er mit den Brüdern Schultz, Dave und Mark (beide außerordentlich: Mark Ruffalo und Channing Tatum), die bereits während Olympia als Team 1984 große Erfolge verzeichnen konnten. Es ist vor allem der jüngere Mark, der von Dave gecoacht wird und etwas mehr Aufstiegspotenzial besitzt, doch Dave ist der geistig und strategisch Stärkere der beiden. Dies weiß auch Du Pont und versucht, beide Brüder für sein Team zu gewinnen.


Wie Miller in Folge die Dynamiken auslegt, die sich nicht nur zwischen Dave und Du Pont ergeben sondern auch zwischen den Brüdern Dave und Mark, von denen der eine sich plötzlich aus dem Schatten des anderen lösen kann, dafür aber eventuell noch nicht oder gar nie bereit ist, ist subtil und perfekt temperiert erzählt. Mit der Zeit werden die moralischen Integritäten shiften und Helden werden sterben, aber nicht, wie man es erwarten möge.


Miller inszeniert permanent wie unter einer dicken Schneedecke, wie aus einer schall-dichten Schrei-Zelle, in der Wut und Ergebenheit eins werden. In einer schlicht grandiosen Szene relativ zu Beginn des Films sehen wir Mark und Dave trainieren. Eine in sich perfekte Szene, die – rückblickend – noch einmal alles sagt. // Alexandra Zawia

Wertung:
8/10 Punkte
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