Die Wolken von Sils Maria (2014)

OT: Clouds of Sils Maria - 124 Minuten - Drama
Die Wolken von Sils Maria (2014)
Kinostart: 19.12.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Wolken von Sils Maria

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Auf Festivals, wie beispielsweise in Cannes oder aber auch auf der Viennale hochgepriesen, wenn auch nicht ausgezeichnet, wurde nicht nur die melancholisch gestimmte Story des Dramas Die Wolken von Sils Maria von Oliver Assayas rund um eine erfolgreiche, mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontierte Schauspielerin, sondern vor allem auch die Leistungen der Darstellerinnen, allen voran Juliette Binoche.

Die international gefragte Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) reist zusammen mit ihrer Assistentin Val (Kristen Stewart) in die Schweiz, um dort der Ehrung ihres Lieblingsregisseurs Wilhelm Melchior, der ihr mit der Rolle der jungen Verführerin Sigrid im Film „Maloja Snake“ einst zum Durchbruch verhalf und mit dem sie mehr als nur eine berufliche Freundschaft verband, beizuwohnen. Dieser verstirbt jedoch noch vor Marias Ankunft, allerdings wird ihr eine Rolle in der Neuauflage ihres Debutfilms für die Bühne angeboten. Diesmal soll sie jedoch Sigrids Gegenspielerin spielen, die viel ältere, von ihr verführte Helena. Anfangs etwas zögerlich, nimmt sie die Herausforderung schließlich an, was sie jedoch nicht nur im Angesicht ihrer jungen, von Skandalen umgebenen Kollegin Jo-Ann Ellis (Chloe Grace Moretz) an ihre Grenzen bringt.

Regisseur Assayas (Paris, je t’aime, 2006) widmet sich in dem deutsch-französisch-schweizerischen koproduzierten Drama der Frage um Erfolg und Vergänglichkeit, Schönheit und Jugend, Liebe und Leidenschaft, aber auch Angst und Eifersucht. Dabei verzichtet er allerdings auf überladene Gefühlsausbrüche und vertraut auf die Prägnanz von leisen Gesten und Blicken seitens der Charaktere. Unterstützt wird diese Stilistik auf der visuellen Ebene durch raumschaffende Schwarzblenden sowie durch eindrucksvolle Bilder und Fahrten über die mächtige Schweizer Alpenlandschaft. Dazu passend ist der Filmtitel eine direkte Anspielung auf die Wolkenformation von Sils Maria, die sogenannte Maloja Schlange.

Die Spannung der Geschichte bewegt sich weniger innerhalb großer, ereignisreichen Szenen als vielmehr auf der zwischenmenschlichen Ebene der verschiedenen Akteure zueinander und den daraus hervorgehenden Konflikten. Im Vordergrund steht dabei zum einen die Beziehung von Marie zu ihrer Assistentin Valentine, die als sehr inniges Verhältnis jener Beziehung von Sigrid und Helena in „Maloja Snake“ ähnelt. So ist auch ihre gemeinsame Geschichte von leidenschaftlich aufgeladenen Momenten gespickt, wobei diese meist unterschwellig und „zwischen den Zeilen“ versteckt zu finden sind, ab und an, beispielsweise im gemeinsamen Nacktbaden aber auch sehr direkt angeschnitten werden. Generell werden die aufgezeigten Gefühle und Emotionen größtenteils unaufdringlich vermittelt, wodurch man diese als Zuseher jedoch nicht auf den ersten Blick einordnen kann, was bei eben diesem durchaus auch zur Irritation und darauffolgend zu einer gewissen Langatmigkeit des Films führen kann.

Allen voran überzeugt Französin Juliette Binoche, bekannt aus Filmen wie Chocolat (2000) oder Cosmopolis (2012), in der Rolle der, von 0815-Rollen gelangweilten und mit der Konkurrenz von Jungstarlets konfrontierten Schauspielerin, die sich zwischen Realität und Fiktion zu verlieren scheint. Neben ihr glänzt aber auch, die sich langsam aus dem Schatten ihres einstigen Vampirdaseins lösende Kristen Stewart (Snowwhite and the Huntsman, 2012) als Marias Assistentin, zu der sie eine überaus innige, spannungsvolle Freundschaft pflegt. Mit von der Partie ist schließlich auch Chloe Grace Moretz, die sich mit Rollen in Let me in (2010) und Wenn ich bleibe (2014) vom Kinderstar längst zur ernstzunehmenden Schauspielerin gemausert hat und als, von Papparazzi verfolgte, im Internet mit fragwürdigen Videos verewigte Skandalschauspielerin auftritt und dem Film so eine zusätzliche, witzige, zugleich aber auch sehr reflexive Komponente gibt.

Oliver Assayas verarbeitet in seinem Film Die Wolken von Sils Maria einige kontrastreiche Emotionen und Ängste und gibt dem Zuseher dabei viel Spielraum für eigene Interpretationen der Motivationen der Charaktere, was diesen vom gängigen Massenkino abhebt, zugleich aber auch dafür sorgt, dass der Film mit seiner komplexen Art, die Komplexität der zwischenmenschlichen Beziehungen seiner Protagonisten einzufangen, in Bezug auf Unterhaltungskino nicht unbedingt jedermanns Sache ist.

Fazit:
Der französische Regisseur Oliver Assayas schafft mit seinem Drama Die Wolken von Sils Maria, das größtenteils in den Schweizer Alpen spielt, einerseits eindrucksvolle Kulissen sowie auch ein spannungsvolles Spiel der Gefühle und Emotionen der Charaktere zueinander. Die Thematik rund um die leidenschaftliche Beziehung zwischen zwei Frauen taucht in diesem Film mehr als nur einmal auf und dient Juliette Binoche und Jungkolleginnen Kristen Stuart und Chloe Grace Moretz als Bühne, auf der sich alle drei beweisen. Ein Film, der von seinen leisen Momenten und eindrucksvollen Bildern sowie den verborgenen Spannungen innerhalb der Charakterkonstellationen lebt und mit seinen komplexen Handlungssträngen zwar sicher nicht jeden Zuseher für sich gewinnt, dafür aber auch umso mehr in die Tiefe gehen kann, wenn man sich auf diese einlässt.

Wertung:
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Filmering.at
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