Schoßgebete (2014)

OT: Schoßgebete - xx Minuten - Komödie / Drama
Schoßgebete (2014)
Kinostart: 19.09.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Schoßgebete

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Charlotte Roche gilt als Autorin die sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Als radikal, offen, selbstbewusst und feministisch werden ihre Romane angesehen. Mit Feuchtgebiete gelang ihr ein riesen Erfolg und dies trotz oder vielmehr gerade einiger Tabubrüche. Denn mittels expliziter Beschreibung räumte sie mit Themen wie gesellschaftlichen Hygienezwang, Scham und Ekel auf und sorgte damit für viel Aufsehen. Eine Verfilmung ließ nicht lange auf sich warten. Allerdings war dieses Buch einfach nicht für die Leinwand geschaffen. Und auch Menschen die hart im Nehmen sind, konnten die verstörenden Bilder der Verfilmung, mit Sicherheit nicht genießen. Ihr zweiter Roman Schoßgebete war nicht minder erfolgreich und bietet, wenn auch teilweiße schwere Kost, doch mehr Spielraum und Material für eine Verfilmung. Dies erkannten auch die Produzenten Oliver Berben (der auch erstmalig als Drehbuchautor fungiert) und Tom Spieß - und rasch sicherten sie sich die Filmrechte des Romans.

Kindererziehung, Biokost und Therapie gehören genauso zu ihrem Alltag wie gemeinsame Bordellbesuche mit ihrem Mann: Dies ist radikal offen erzählt, selbstbewusst und voll grimmigem Witz die nicht ganz alltägliche Geschichte von Elizabeth Kiehl. Die junge und hochneurotische Frau Anfang 30 macht sich um alles und jeden permanent Sorgen. Nur bei einer einzigen Tätigkeit ist sie völlig entspannt und angstbefreit: beim Sex. Deshalb ist der ihr auch so wichtig. Elizabeth will allen Rollen gerecht werden, sie will nicht nur perfekte Mutter sein, sondern auch perfekte Ehefrau und Liebhaberin. Ein Anspruch, der ziemlich zermürbend sein kann, und bei dem Humor durchaus hilfreich ist …

Ohne zu viel vorweg zu nehmen, Schoßgebete der Film ist kein Skandalfilm, kein Softporno und genau so wenig bietet der Film, wie bei Feuchtgebiete, viele Ekelszenen. Bei der intensivsten Sexszene, die Handwerklich nichts zu wünschen übrig lässt, sieht man das Ehepaar im gemeinsamen Akt mit einer Prostituierten. Eine wirklich gelungene Szene, die auch ästhetisch überzeugt. Viel mehr erotische Szenen bietet der Film nicht. Regisseur Sönke Wortmann entwickelte aus Schoßgebete ein überraschend leicht verdauliches, psychologisches Drama. Leider geht das nicht wirklich auf. Denn genau so wenig man den Zuseher zutraut, mit heiklen Szenen zu Recht zu kommen, genau so wenig traut man ihm Einfühlsamkeit zu. Die Gedanken und das Innere der neurotischen Frau, werden dem Zuseher auf dem Silbertablett serviert. Durch die ständigen Kommentare aus dem OFF, wird dem Zuseher das Innere von Elizabeth genauestens nähergebracht. Weniger wäre hier aber mehr gewesen, denn vielen wird es stören, dass sie alles vorgekaut bekommen und so die Chance auf eigene Interpretationen gar nicht erstmal bekommen.

Schade denn Potential für eine psychologisch knifflige und anspruchsvolle Studie über die Psyche einer Frau, die durch ein schreckliches Unglück viel durchmachen muss, wäre durchaus vorhanden gewesen. Trotz allem kann sich der Film auch mit einigen guten Szenen schmücken. Kreative Traumsequenzen, sowie emotionale Momente während der Therapiestunde, können als sehr Sehenswert betrachtet werden. Der Cast kann auch schon, wie in Feuchtgebiete, überzeugen. Mit der Besetzung von Lavinia Wilson für die Rolle der neurotischen Elizabeth, hat man ein wahres Goldhändchen bewiesen. Und das nicht, weil sie der Autorin Charlotte Roche zum Verwechseln ähnlich sieht. Wilson kann auch das innere der Hauptfigur unterhaltsam und authentisch auf die Leinwand projizieren. Jürgen Vogel nimmt sich gekonnt zurück und bildet so, mit Wilson, ein harmonierendes Filmpaar.

Ein weiteres Problem liegt beim Drehbuch, welches es einfach nicht schafft einen gelungenen Bogen zwischen Spannung und Drama herzustellen. Das liegt unter anderen an den Rückblenden, die den Sehfluss unterbrechen und mit zu wenig Brisanz erzählt wurden. Es ist einfach nicht leicht einen Film zu machen, in welchen es keinen eigentlichen Spannungsbogen gibt, sondern der einfach nur über das Alltagsleben einer Person handelt. Nur mit viel Fingerspitzengefühl und stillsicheren emotionalen Szenen, kann so das Publikum auch bei der Stange gehalten werden. Dies gelingt wie gesagt, nur in wenigen Szenen und insgesamt ist der Film einfach nicht besonders unterhaltsam, da man jegliche provokativen Szenen beinahe (die Sexszene zu dritt) vollkommen weglässt.

Fazit:
Schoßgebiete ist im Gegensatz zur Romanvorlage von Charlotte Roche und vor allem zu Feuchtgebiete, ein richtig harmloser Spaß geworden. Dabei überzeugen vor allem der Cast und einige gelungene Szenen. Alles in allen ist Schoßgebiete aber nur stellenweiße unterhaltsam und es fehlt einfach an Brisanz.

Wertung:
5/10 Punkte
Filmering.at
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Liste von fette_sau
Erstellt: 13.08.2013