Who Am I - Kein System ist sicher (2014)

OT: Who Am I - Kein System ist sicher - 105 Minuten - Thriller
Who Am I - Kein System ist sicher (2014)
Kinostart: 26.09.2014
DVD-Start: 25.05.2015 - Blu-ray-Start: 25.05.2015
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Filmkritik zu Who Am I - Kein System ist sicher

Von am
Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der ein Großteil der Kommunikation mittlerweile im Internet stattfinden. Eine Tatsache, die durchaus nicht von der Hand zu weisende Vorteile mit sich bringt, allerdings auch Sicherheitslücken aufweist, die sich wiederum sogenannte Hacker zunutze machen, um mit den betroffenen Usern Katz und Maus zu spielen und nicht selten Schaden anzurichten. Genau dieses Spiel nimmt Regisseur Baran bo Odar (Das letzte Schweigen, 2010) zum Anlass, seinen Hauptcharakter Benjamin auf einen psychotischen Trip zwischen Macht und Niederlage zu schicken. Dabei stellt er vor allem aber auch dem Zuseher die ein oder andere Falle, sodass dieser im Wirrwarr der Geschehnisse zusammen mit Benjamin schon mal die Orientierung verliert.

Seit jeher ist Hacker Benjamin (Tom Schilling) ein Außenseiter, fast schon unsichtbar. Niemand nimmt ihn wirklich wahr, nicht einmal die Frau seiner Träume Marie (Hannah Herzsprung). So driftet er immer mehr in die Cyberwelt ab, in der er seinem Ideal eines Superhelden nahe sein kann. Nach einem weiteren, gescheiterten Versuch, Marie zu imponieren, lernt er schließlich Max (Elyas M’Barek) kennen, der mit seiner coolen Art nicht nur bei Frauen ankommt und damit zu Benjamins Vorbild wird, sondern auch sein Talent und Potential das Hacken betreffend erkennt. So wird er schließlich bald von Max sowie dessen Kollegen Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot jr.) unter dem gemeinsamen Pseudonym CLAY in ihre Hackerclique aufgenommen. Zunächst sollen ihre Aktionen nur kleinere Gruppen provozieren, wenn sie beispielsweise einen geheimen Nazitreff lächerlich machen. Doch um sich in der Hackercommunity, genauer vor dem großen Vorbild MRX zu beweisen, muss etwas Großes her – ein Hackangriff auf den Bundesnachrichtendienst. Als jedoch alles außer Kontrolle gerät, wird auch die Europol unter der Leitung der Cybercrime-Ermittlerin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm) auf die Gruppe aufmerksam, bis Benjamin schließlich vor ihr sitzt, um alles zu gestehen. Doch ganz nach dem Hacker-Motto „Kein System ist je sicher“ – hat auch seine Geschichte Lücken?

Die komplexe Praxis des Hackens ist für den Laien nur schwer nachzuvollziehen und so scheint es auch für Filmemacher keine leichte Übung zu sein, die Thematik für Unwissende ansprechend darzustellen – zuletzt versucht von Bill Condon mit Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt (2013). Dabei liegt die größte Schwierigkeit wohl bei der visuellen Veranschaulichung der ernüchternd anmutenden Eingabe diverser Codes. In Who Am I gelingt es bo Odar dieser Komplexität durch ein Aufeinandertreffen der Cyberprotagonisten in einem U-Bahn-Wagon mit Masken bekleidet gerecht zu werden und so die virtuelle von der realen Welt abzuheben.

Schon zu Beginn des Films lässt sich eine Anlehnung an den legendären Filmklassiker Fight Club (1999) ausmachen, die sich sowohl in der stilistischen Umsetzung als auch dem immer wieder auftretenden Umschlagen der Nähe zu den Protagonisten wiederfindet. Generell wird Benjamin nur oberflächlich eingeführt, sodass sich der Zuseher nie ganz sicher sein kann, was er von „seinem Helden“ zu halten hat und so die Empathie zu Benjamin bis zum Schluss immer wieder infrage gestellt wird. Auch die übrigen Charaktere, wie jener der Europol-Ermittlerin Lindberg oder aber Benjamins Herzensdame Marie, bleiben im Laufe des Films eher rätselhaft, sodass man nie genau weiß, woran man bei diesen ist.

Die Besetzung sprießt nur so vor deutschen Talenten, allen voran Tom Schilling (Oh Boy, 2013), der seit Jahren in Charakterrollen überzeugt, und Elyas M’Barek, der sich vorranging mit Komödien wie Türkisch für Anfänger (2012) und Fack ju Göhte (2013) einen Namen machte, jedoch beweist, dass er es locker auch mit spannungsgeladenen Psychorollen aufnehmen kann. Daneben treten auch Wotan Wilke Möhring (Männerherzen, 2009) und Hannah Herzsprung (Hell, 2011) auf, die den Cast abrunden, wenngleich auch die Motive ihrer Charaktere immer wieder verschwimmen.

Trotz oder aber gerade wegen des immer wiederkehrenden Chaosgefühls, das sich nicht nur in Benjamin, sondern auch im Zuseher auftut, lassen sich innerhalb der Handlung einige ungeklärte Fragen und nicht gefüllte Lücken erkennen, die dem filmischen Realitätsanspruch durchaus einen Abbruch tun. Im Angesicht des teilweise gewollt undurchschaubar wirkenden Psychospiels, in dem sich die Charaktere bewegen, kann hier jedoch ein Auge zugedrückt werden, wonach dennoch ein effektgeladenes und spannungsvolles Filmerlebnis übrig bleibt, das durchaus mit internationalen Vorbildern mithalten kann.

Fazit:

Obwohl sich Who Am I oftmals abseits der Realität zu bewegen scheint und damit mehrere Fragen offen lässt, schafft es Baran bo Odar die Komplexität der Hackerwelt auch für Laien nachvollziehbar einzufangen und visuell effektvoll und spannend darzustellen. Mit Tom Schilling und Elyas M’Barek in den Hauptrollen, entsteht ein abenteuerlicher Trip zwischen Geltungssucht und Machtspielchen, dem man die ein oder andere Lücke innerhalb der Handlung als auch der Charaktere durch den größtenteils stabilen Spannungsbogen schon mal verzeihen kann.

Wertung:
7/10 Punkte
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