Das merkwürdige Kätzchen (2013)

OT: Das merkwürdige Kätzchen - 72 Minuten - Komödie / Drama / Familie
Das merkwürdige Kätzchen (2013)
Kinostart: 11.04.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das merkwürdige Kätzchen

Letztes Jahr auf den 63. internationalen Filmfestspielen in Berlin gab es einen Geheimtipp, der in der Kategorie Forum dem Publikum präsentiert wurde. Beim gegenseitigen Austausch mit den Pressekollegen fiel des Öfteren der Name des deutschsprachigen Films „Das merkwürdige Kätzchen“ oder auch „The Strange Little Cat“. Der Film wurde von den Experten hoch gelobt. Es war der Film weshalb man als Zuseher ins Kino gehen sollte. Betrachtet man nun diesen Film, so lässt sich eines sagen: es handelt sich um einen merkwürdigen Film, allerdings um einen merkwürdig schönen Film.

Ohne Vorwissen wird der Zuseher ins Geschehen und damit in die Wohnung der Familie geworfen. Der Nachname der Familie bleibt ungewiss, denn schließlich handelt es sich um einen gewöhnlichen Tag und wieso sollte darin im Dialog der Familienmitglieder und Freunde der Nachname fallen? Der Film punktet somit mit seiner Authentizität. Es werden Bestandaufnahmen des Tages visualisiert. Clara (Mia Kasalo), die kleine Tochter, sitzt am Küchentisch und schreit. Die Mutter (Jenny Schily) besitzt ein Geheimnis. Der Bruder (Luk Pfaff) erzählt von einer vergangenen Begegnung. Nun klingelt es an der Tür und Besuch kommt herein. Welche Verbindung die neuen Figuren zu den bereits eingeführten Charakteren haben muss der Zuschauer mithilfe der Dialoge selber heraushören.

Ansonsten besitzt die Familie dem Filmtitel zufolge eine Katze, welche auch bei verschiedenen Aktivitäten gezeigt wird, die wiederum den Tagesablauf der anderen Familienmitglieder beeinflusst. Der Regiedebütant Ramon Zürcher, der in diesem Projekt auch für das Drehbuch, die ausführende Produktion sowie für den Bild- und Ton-Schnitt verantwortlich ist, bringt das Ganze mit einer faszinierenden Ruhe auf die Leinwand. Demzufolge nimmt der Zuseher meistens die beobachtende Rolle ein und erhält durch viele Standbilder die Gelegenheit die Charaktere näher kennen zu lernen. Diese Art Regie zu führen kann auch als „Stillleben“ bezeichnet werden. Während eine Filmfigur also mit einem Freund oder einem Familienmitglied interagiert, wird die Kamera auf diese eine Person fixiert. Die restlichen Charaktere, die sich eben im Raum befinden, sind hörbar oder nur sichtbar, wenn sie durchs Bild laufen, um beispielsweise an das andere Ende des Raumes zu gelangen.

Ferner benutzt der Filmemacher den Dialog und den Monolog als filmisches Mittel und verknüpft diese abwechselnd mit dem Affektbild (Nahaufnahme auf das Gesicht) oder mit der Montage. Besonders Cineasten werden hier begeistert sein, da der Film damit eine jeweils andere Wirkung beim Betrachter auslöst.

Im Kontrast zu der bisher beschriebenen Authentizität stehen theatralische und eher unecht dargestellte menschliche Reaktionen der Charaktere, die damit völlig aus der Reihe des gewohnten „Stilllebens“ tanzen. Des Weiteren ziehen nicht nur die Figuren das Interesse des Zuschauers auf sich. Auch Dinge oder Tiere werden im Film charakterisiert. Beispielsweise führen Katze und Hund sozusagen ein „Eigenleben“, sodass bemerkenswerte Bilder zwischen den beiden Tieren entstehen. Zudem erhalten auch eine Flasche als auch eine Wurst auf dem Esstisch ihre Auftritte, sodass es zu gekonnten Lachern kommt.

Infolgedessen gelingt es Ramon Zürcher einen Kinofilm zu kreieren, welcher nicht nur seine eigenen filmischen Mittel zur Schau stellt, sondern auch dem Zuseher zeigt, welche Wirkung diese Mittel hervorrufen. Schließlich kann dem Filmemacher nur eines vorgeworfen werden: sein visualisiertes „Stillleben“ mit bewusst eingebauten Kontrasten kann zwar im Augenblick begeistern, jedoch regt die vorgeführte Handlung aufgrund ihrer Alltäglichkeit nicht zum Nachdenken an, sodass der Film mehr mit seiner filmischen Art, als mit seinem Inhalt überzeugt.

Fazit:
Ramon Zürchers erster Kinofilm „Das merkwürdige Kätzchen“ war der Geheimtipp auf den 63. internationalen Filmfestspielen in Berlin und hat es nun endlich auch in die österreichischen Kinos geschafft. Jeder Cineast sollte sich aufgrund dessen ins Kino begeben und sich von dem kontrastreichen und anspruchvollem „Stillleben“ des Regisseurs beeindrucken lassen.

Wertung:
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Liste von julian
Erstellt: 16.10.2014