Everyday Rebellion (2013)

OT: Everyday Rebellion - 118 Minuten - Dokumentation / Action / Drama / News
Everyday Rebellion (2013)
Kinostart: 21.03.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Everyday Rebellion

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The Art of Change - die Kunst der Veränderung - so der Untertitel des Dokumentarfilms über politisches Engagement auf der ganzen Welt. Im Zentrum stehen der arabische Frühling, Occupy Wallstreet, die spanischen „Indignados“, die Proteste in Syrien und im Iran, die Aktivistinnengruppe FEMEN. Auf den ersten Blick bedienen sich diese Gruppierungen, Proteste und AktivistInnen völlig verschiedener Methoden um ihre unterschiedlichsten Ziele zu erreichen, aber eines haben alle gemeinsam: sie sind Formen des gewaltlosen Widerstands.

Es ist bezeichnend, dass es im 21. Jahrhundert fast gleichzeitig und unabhängig voneinander zu verschiedensten Protestbewegungen auf dem ganzen Globus gekommen ist. Fasziniert von der inspirierenden Kraft, die vom zivilen Ungehorsam ausgeht, beginnen die Brüder Arash und Arman T. Riahi ihre Reise mit dem 15M-Manifest und der Bewegung der „Indignados“ („die Empörten“) in Spanien. Eine geheimnisvolle Flüsterstimme verliest das Manifest, das sich thematisch für alle folgenden Gruppierungen gleichermaßen wie ein roter Faden durchzieht: „We are ordinary people. We are like you. People, who get up every morning to study, work or find a job. [...] But we are all concerned and angry about the political, economic and social outlook.“ Daraufhin Bilder von verschiedenen Menschen, Kindern in syrischen Flüchtlingslagern, gigantischen Protesten, Einzelpersonen.

In der spanischen Protestbewegung findet man unterschiedliche Menschen, Jung und Alt, Menschen verschiedener Schichten, vereint zu einem Ziel: dem Kampf für ein Recht auf Wohnen, Kultur, Gesundheit, Bildung, politischer Partizipation. Geprägt ist die Bewegung durch die Stärkung auf kommunaler Ebene und die Diskussion zum Thema „Was ist ein lebenswertes Leben?“. Sie halten zusammen, spenden Geld und verhindern Zwangsevakuierungen, von denen allein in Madrid ca. 80 pro Tag stattfinden. Die Betroffenen, an den Rand gedrängten Menschen, denen im finanziellen Ruin auch noch das Dach über dem Kopf genommen werden soll, sehen keine andere Wahl, als sich zu wehren, oder, wie es leider derzeit oft der Fall ist, Selbstmord zu begehen.

Andere wiederum könnten sich problemlos in die Gesellschaft eingliedern, wählen aber bewusst und aus freien Stücken den zivilen Ungehorsam um auf die Missstände in der Gesellschaft hinzuweisen. So auch die ukrainische FEMEN- Aktivistin Inna Schewtschenko, die sich mit ihrer politischen Tätigkeit in ihrem Land in die Ecke drängt und aufgrund ihres Engagements ihren Arbeitsplatz verliert. Sie ist täglichen Morddrohungen und Aggressionen ausgesetzt, sodass sie keine andere Wahl hat, als ihre Heimat zu verlassen. Ihre Aktivitäten möchte sie aber um keinen Preis aufgeben und setzt ihre Tätigkeit in Paris fort, wo sie AktivistInnen ausbildet.

In Syrien und im Iran wird der Protest zum lebensgefährlichen Unterfangen. Im Iran führt bereits das Teilnehmen an einer Demonstration zu Gefängnisstrafen, Folter, Exekution oder zur Folter und Gefängnisstrafen für Familie und Verwandtschaft. Die Studentin Neda, die 2009 bei einer Demonstration von einem Heckenschützen wahllos erschossen wurde, wurde zum traurigen Symbol des Widerstands, der dennoch nicht niederzukriegen ist und sich in kreativen Aktionen sichtbar macht: Nedas Gesicht wird auf Geldscheinen verbreitet, ebenso wie Symbole und Slogans des Protests.

Auch Occupy Wallstreet und die Aktivisten-Künstlergruppe The Yes Men zeichnen sich durch organisierte, kreative und intelligente Formen des Widerstands aus, die Bewusstsein schaffen und die Autoritäten lahmlegen. Zur Bekanntheit gelangte das „People's Mic“, bei denen viele Menschenstimmen als Mikrophone eingesetzt werden und das sich nach dem Verbot von Megaphonen in der Occupy Wallstreet-Bewegung durchsetzte.

Fazit:
Everyday Rebellion ist nicht nur ein informativer, gut recherchierter und zusammengestellter Dokumentarfilm, er ist auch ein zutiefst bewegendes Kunstwerk, das die Kraft der menschlichen Kreativität und Energie in einer ästhetisch adäquaten Form umsetzt. Hoffnung, Solidarität, Liebe und Menschlichkeit- Werte die alle Menschen, egal aus welchem Land und unter welchem politischen Regime vereinen- stehen im Mittelpunkt und stellen politische Motivierungen in den Schatten. Anstatt mit Gewalt Veränderungen in ihrem Land zu forcieren, formieren sich kreative Gruppen, planen Einzelpersonen gezielt überlegte, humorvolle und künstlerische Aktionen, die in keiner Form kriminalisiert werden können und die Obrigkeit mit kleinen Aktionen friedlich aus der Reserve bringen. Everyday Rebellion ist aber nicht einfach nur ein Film, sondern ein dreiteiliges Crossmedia- Projekt, das Film, Social Media und digitale Medien verbindet. Auf der Web-Plattform (www.everydayrebellion.net) gibt es die Möglichkeit, gewaltlose Methoden zu Teilen und zu Sammeln in Form von Videos und Artikeln.

Wertung:
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Filmering.at
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