Snowpiercer (2013)

OT: Snowpiercer - 126 Minuten - Action / Drama / SciFi
Snowpiercer (2013)
Kinostart: 25.04.2014
DVD-Start: 23.09.2014 - Blu-ray-Start: 23.09.2014
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Filmkritik zu Snowpiercer

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Sie wird wieder kommen, die Eiszeit. Und mit ihr der Ausnahmezustand. Außerdem wird sie Verwüstung und Tod vieler Menschen mit sich bringen. Wie so ein Zukunftsszenario aussehen könnte, legt der Film „Snowpiercer“ an den Tag. Wir schreiben das Jahr 2031. Der Klimawandel bescherte der Erde eine zerstörerische Eiszeit, die Menschheit ist gänzlich ausgerottet. Nicht ganz ausgerottet, ein kleine Menge Menschen konnte sich retten, indem sie auf den Überlebenszug springen konnten. Das ist keine Metapher, denn sie sind auf den Snowpiercer gesprungen und fristen nun im 17. Jahr nach der Klimakatastrophe ihr räumlich eingeschränktes Dasein auf Gleisen. An ein Überleben außerhalb der ständig die Welt umfahrenden Zugwaggons ist nicht zu denken.

„Snowpiercer“ legt ungewöhnliche Kinozusammenarbeiten an den Tag, was den allergrößten Reiz, sich den Film anzusehen, überhaupt ausmacht. Der südkoreanische Erfolgsregisseur Bong Joon-ho („The Host", „Mother") hat eine aus der Feder der drei französischen Comicautoren Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette stammende Graphic Novel-Reihe mit dem Titel „Le Transperceneige“ adaptiert und daraus einen düsteren postapokalyptischen Thriller von politischer Gewichtung gemacht. Weltuntergangsszenarien wurden uns aus Hollywoods Schmiede zu Genüge beschert, ein gewisser Grad der Übersättigung mag erreicht sein, laufen die meisten nach dem Schema einiger stumpfsinniger Erfolgsgaranten ab.

Nur, dass Bong Joon-ho kein Hollywood-Regisseur ist und er mit seinem Film Mut und Kreativität beweist. Mut zum Genremix, Mut zum Experiment, Mut zur Gesellschaftskritik, Mut zum Humor, auch wenn dieser ziemlich schwarz geraten ist. Ein weiterer interessanter Aspekt ergibt sich auch beim Betrachten der Besetzungsliste. Die Hauptrolle fiel dem US-amerikanischen Schauspieler Chris Evans zu. Eine atypische Wahl - wie es auf den ersten Blick scheint - die allerdings gut funktioniert. Wer jetzt glaubt, dass Captain America ein weiteres Mal die Welt, bzw. den Zug, retten kann, der irrt gewaltig. Nicht, weil es nichts mehr zu retten gibt. Das ist vielleicht nur ein kleiner exquisiter Seitenhieb auf das aus der Popkultur nicht mehr wegzudenkende Superheldenkino à la Marvel-Comicverfilmungen.

Bei dem Film handelt es sich um eine internationale Coproduktion, Geld ist in das Projekt geflossen vor allem aus Korea, USA, Frankreich und Tschechien. Sowohl am Set als auch im Film wurde Englisch gesprochen. Wahrscheinlich auch, um babylonischen Sprachverwirrung zu entgehen. Es schadet dem Film bestimmt nicht dabei, neue und vor allem westliche Märkte zu ergründen. Harvey Weinstein hat bereits die Filmrechte für den US-amerikanischen Markt erworben. Einen US-Starttermin hat der Film allerdings noch nicht, Medien berichteten von Differenzen zwischen Produzent und Regisseur.

In weiteren Rollen sehen wir die bekannten Gesichter von Tilda Swinton, John Hurt, Octavia Spencer und Jamie Bell. Oder auch die der koreanischen Darsteller Kang-ho Song und Ah sung-Ko, die man aus anderen Joon-ho Filmen kennt. Tilda Swintons Darstellung der oder des geschlechtslosen Masons versteht sich in Gestik und Mimik als Farce auf prägende Politikerinnen und Politiker des vergangenen Jahrhunderts, Margaret Thatcher wäre bestimmt nicht amüsiert, dafür ist es das Publikum umso mehr. Wieder eine traumhafte Performance der begnadeten Darstellerin Swinton.

Inhaltlich und politisch motiviert geht es um das Ausbrechen aus vorgefertigten Gesellschaftsmustern, um eine Revolte gegen das herrschende System. Der Zug kann als Diktatur-Pyramide gesehen werden, die Massen leben in großer Armut in den hintersten Waggons, die erlesene Elite im in Luxus schwelgenden vorderen Bereich. Ganz weit vorne und im Maschinenraum sitzt Zugführer Wildford. Doch wer ist eigentlich dieser Wilford? Ungerechtigkeit, wohin das Auge blickt. Dagegen soll was unternommen werden: Gilliam (John Hurt), Edgar (Jamie Bell) und Curtis (Chris Evans) planen einen Aufstand gegen die und den Machtinhaber. Doch Vorsicht, je weiter sie mit Minsus (Kang-ho Song) Hilfe nach vorne dringen, desto unbequemer wird die Wahrheit für alle Passagiere.

Fazit:
„Snowpiercer“ bietet Science-Fiction einmal anders und äußerst ansehnlich. Visuell beeindruckende Endzeitstimmung verdichtet sich zu einem erlesenen Kammerspiel mit politischer Message mit schön choreographierten und etwas zu schnell geschnittenen Kampfszenen. Einige logische Konklusionen müssen außer Acht gelassen werden, zum Beispiel wie denn so eine Zugmaschine in Endlossschleife ohne Wartung funktionieren kann. So etwas wird dann dem Sci-Fi-Aspekt zugeschrieben und tut dem Kinovergnügen keinen Abbruch. Und wer klaustrophobische Angstzustände zu entwickeln pflegt, dem sei eine große Kinoleinwand ans Herz gelegt.

Wertung:
7/10 Punkte
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Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 15
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