Elizabeth - Das Goldene Königreich

OT: -  114 Minuten -  Historien / Drama
Elizabeth - Das Goldene Königreich
Kinostart: 21.12.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Elizabeth - Das Goldene Königreich

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Man hat sich ja bereits an die Fortsetzungspraxis Hollywoods gewöhnt, dass jeder Film, der genug Geld in die Kassen spült, zwangsläufig mit einem Sequel erweitert wird. Dass diese Taktik jetzt allerdings auf eher künstlerisch ausgerichtete Historienfilme auch schon angewendet wird, ist etwas Neues. Neun Jahre nach seinem, für sieben Oscars nominierten Elizabeth, macht sich Regisseur Shekhar Kapur ans Werk um eine Fortsetzung aus dem Hut zu zaubern, und die weiteren Jahre im Leben der berühmten Königin zu beleuchten. Doch leider hat er sich dabei einige Fehlgriffe geleistet, weswegen Elizabeth - Das Goldene Königreich an vielen Stellen etwas langatmig wird.

Spaniens König Philip II (Jordi Molla), plant mit seiner gigantischen Armee England zu überrollen und die protestantische Insel wieder zurück zum katholischen Glauben zu holen. Dabei ist es für die fragile Beziehung zwischen England und Spanien nicht gerade hilfreich, dass es sich der junge Seefahrer Sir Walter Raleigh (Clive Owen) nicht nehmen lässt als Pirat tätig zu sein, und so die spanischen Handelsschiffe überfällt. Zu allem Überfluss wird er von der englischen Königin Elizabeth (Cate Blanchett) nicht nur nicht bestraft, sondern die Monarchin schließt ihn auch noch in ihr Herz. Währenddessen ist Sir Francis Walsingham (Geoffrey Rush) dabei eine äusserst prekäre Verschwörung ans Tageslicht zu bringen...

Während der erste Teil noch damit beschäftigt war den Aufstieg der berühmten Monarchin zu zeigern, widmet sich Elizabeth - Das Goldene Königreich nun dem Reifungsprozess der Königin und zeigt sie viel deutlicher als eine ambivalente Figur. Elizabeth ist nicht länger eine von allen Seiten geliebte Königin, sondern es brauen sich erste dunkle Wolken am Horizont auf, und schließlich sieht sie sich sogar einem Attentäter konfrontiert. Auch eine Verschwörungsgeschichte hat es in den Film geschafft, die schließlich im historischen Ereignis von Mary Stuarts Enthauptung gipfelt.

Der Trailer zum Film ist dabei leider sehr irreführend. Was hier nämlich als eine Art zweites Braveheart mit großen Schlachten und heroischen Ansprachen verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein sehr ruhiger Historienfilm, der eigentlich ausschließlich von seinen Figuren und Dialogen lebt. Der ganze Film schaukelt langsam zur Finalen Seenschlacht auf, die sich dann allerdings als viel zu kurz, und überraschend einfallslos erweist. Weiters fällt es auf, dass sich Elizabeth - Das Goldene Königreich beinahe ausschließlich auf seine Hauptperson fokusiert, und streckenweise viel interessanter Passagen, wie z.B. die Verschwörungsgeschichte, nur umrissen werden.

Der Film legt stets die Geschichte von Elizabeth in den Vordergrund, und verwehrt dem Publikum konsequent was es eigentlich sehen will. Denn die sich anbahnende Love-Story, die schließlich in Eifersucht gipfelt, und beinahe tragisch endet, bewegt sich ausschließlich auf durchschnittlichem Niveau. Beinahe um den Zuseher noch zusätzlich zu ärgern werden ihm häppchenweise interessante Szenen gezeigt, die den darauf folgenden Hofalltag noch langatmiger erscheinen lassen. Was uns auch schon zum größten Fehler des Films führt: Er ist einfach viel zu langatmig, und so fühlen sich die knapp zwei Stunden Laufzeit doch merklich länger an.

Was dem Film allerdings wieder merklich Auftrieb verschafft, ist seine durch und durch makellose, technische Umsetzung. Die gezeigten Bilder können durchwegs überzeugen, und sind ein wahrer Augenschmaus. Eine wahre Meisterleistung sind schließlich die unglaublich pompösen Kostüme, die wohl zumindest mit einer Oscarnominierung geehrt werden. Auch die musikalische Untermalung ist durch und durch erstklassig, wodurch der technisch perfekte Eindruck noch abgerundet wird. Optisch ist der Film ohnehin ein Fest, und so kann man sich sehr in den opulenten und dick auftragenden Sets verlieren.

Als weiterer Bonuspunkt bleibt schließlich auch noch der vortreffliche Cast zu erwähnen. Cate Blanchett darf sich erneut in der Rolle versuchen, die sie berühmt machte, und liefert, wie man es von ihr gewohnt ist, eine Galavorstellung. Sie befindet sich momentan auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und darf sich im Moment mit Sicherheit als die beste aktive Darstellerin Hollywoods bezeichnen. Die obligatorischen Oscarnominierungen in jedem Jahr sind dabei nur das Sahnehäubchen. Apropos Oscar: Auch dieses Jahr wird sie wohl mit einer Nominierung rechnen können. Auch wenn ihr Auftritt in I'm not There mit Sicherheit noch beeindruckender war, als ihre ausgezeichnete Darbietung in Elizabeth - Das Goldene Königreich, bleibt es spannend, für welche Darbietung sie schließlich nominiert wird. Vielleicht sogar für beide? Unterstützt wird sie von den beiden ebefalls großartigen Geoffrey Rush und Clive Owen, die sich allerdings mit wesentlich undankbareren Rollen zufrieden geben müssen.

Insgesamt gesehen bleibt dennoch ein bitterer Nachgeschmack zurück. Natürlich ist die Technik perfekt, und auch die Darsteller sind über jeden Zweifel erhaben, aber dennoch kann Elizabeth - Das Goldene Königreich nie ein magisches Band zum Zuseher herstellen. Man fühlt sich zwar von der visuelle Opulenz beinahe erschlagen, aber die Figuren sind einem dabei beinahe völlig egal. Auch schleppt sich der Film durch einige sehr langatmige Passagen, sodass er sich viel länger als zwei Stunden anfühlt. Schlecht ist er zwar deswegen nicht, aber man sollte sich den Kinobesuch dennoch genau überlegen. Die sechs Punkte die der Film schließlich erhalten hat, bewegen sich nämlich hart an der Grenze zu fünf Punkten.

Fazit:
Elizabeth - Das Goldene Königreich ist ein schönes Beispiel dafür, warum die Checklisten-Methode bei Filmen nicht funktioniert. Eigentlich hätte der Film nämlich alles: Eine interessante, historische Rahmenhandlung, eine technisch makellose Umsetzung, einen wunderschönen Score und vor allem einen absolut umwerfenden Cast. Aber dennoch erweist sich der Film als sehr zäh und über weite Strecken langatmig. Natürlich bewegt sich alles dennoch auf solidem Niveau, aber trotzdem kann sich der Film am Ende nur schwache sechs Punkte sichern, und man sollte sich den Kinobesuch am besten noch gut überlegen.

Wertung:
6/10 Punkte

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