Der Pate 2 (1974)

OT: The Godfather: Part 2 - 200 Minuten - Mafia Epos
Der Pate 2 (1974)
Kinostart: 25.09.1975
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Pate 2

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Erneut ist es ein Fest, das die Geschichte von Michael Corleone (Al Pacino) einleiten soll. Doch diesmal ist es nicht Vito Corleone, der an einem solchen Tag in einem dunklen Hinterzimmer sitzt und Geschäfte erledigt, sondern sein Sohn Michael, der längst die Familiengeschäfte in die Hand genommen hat. Doch die fröhliche Fassade ist nur Lug und Trug, denn im Inneren brodelt es. Am Ende des Abends kommt es gar zu einem Mordanschlag auf Michael, der allerdings misslingt. Doch Michael ist stinksauer, dass man ihn gerade durchs Fenster seines Schlafzimmers erschießen wollte, wo seine Frau Kay (Diane Keaton) schläft, und wohin sein Sohn Anthony (James Gounaris) zum Spielen kommt.

Doch wer steckt hinter dem Anschlag? Hat gar Michaels Bruder Fredo (John Cazale) etwas damit zu tun, der eifersüchtig ist, weil er ständig im Schatten seines Bruders steht? Oder war es Frankie Pentangeli (Michael V. Gazzo), der sauer ist, weil Michael ihn nicht bei seinen Problemen unterstützen will? Vielleicht war es sogar Hyman Roth (Lee Strasberg), der Michael immer freundlich gegenüber steht, ihm sogar seine Geschäfte überlassen will, aber im Geheimen vielleicht ganz andere Pläne hegt?

Parallel zu Michaels Problemen im Jahr 1958 erzählt uns der Film auch noch in einer epischen Rückblende den Aufstieg des jungen Vito Corleone (Robert de Niro). In seiner Kindheit musste er aus Sizilien fliehen, weil ein Mafiaboss seinen Vater, seinen Bruder und seine Mutter getötet hat und nun auch Vito töten will, weil dieser sonst später Blutrache nehmen könnte. Später, als er 25 Jahre alt ist und sich sein Geld in einem kleinen Geschäft in New York verdient, kommt er erneut mit der Mafia in Berührung.

Don Fanucci (Gastone Moschin), der im ganzen Viertel Schutzgelder kassiert, veranlasst, dass Vito entlassen wird, damit sein Neffe seine Position einnehmen kann. Doch gemeinsam mit seinem Freund Clemenza (Bruno Kirby) startet Vito schon bald eine Karriere als Kleinkrimineller. Doch durch den finanziellen Erfolg der Truppe wird wiederum Don Fanucci auf den Plan gerufen, der von ihnen einen Anteil verlangt. Nun stellt sich allerdings für Vito die Frage, warum er denn einen Don bezahlen soll, wenn er ihn doch auch töten und anschließend selbst zum Don werden könnte….

Unter Filmfans stellt sich nicht die Frage, ob man denn Gefallen an den Filmen der Der Pate-Trilogie findet, sondern eigentlich nur ob man den ersten oder den zweiten Teil lieber mag. Auch der dritte Teil der Reihe ist noch großes Kino, aber die unbestrittenen Höhepunkte bleiben die ersten beiden Teile, die in punkto Schauspielkunst, Erzähltiefe und Inszenierung Maßstäbe für das Hollywoodkino setzten.

Der Pate, das ist in erster Linie die Geschichte von Michael Corleone. Zwar war es im ersten Teil noch der übermächtig von Marlon Brando verkörperte Vito Corleone, der seinen Schatten über den ganzen Film geworfen hat, und im zweiten Teil ist es nun ein etwas dezenterer, aber nicht weniger einprägsamer Robert de Niro, der als Gegenpol zu Michael steht, aber das emotionale Zentrum und der Schnittpunkt aller Filme der Reihe ist Michael Corleone.

Und es ist auch nicht so wie man vielleicht vermuten könnte, dass Robert de Niro der Ersatz für Marlon Brando ist, da er ja auch die gleiche Rolle spielt (und genau wie Brando einen Oscar dafür erhalten hat), es ist eindeutig Al Pacino, der hier in die Fußstapfen Brandos tritt, und der in Der Pate 2 wohl die Leistung seines Lebens abgibt. Und dass es nicht er, sondern Art Carney für Harry and Tonto war, der den Oscar als Bester Hauptdarsteller gewonnen hat, ist das, was ich gerne als den großen Witz der Oscargeschichte bezeichne.

Es ist das schattierte Spiel von Pacino, fernab von Gut und Böse, das diesen Film zusammenhält. Er ist kein Bösewicht, aber schon gar nicht ist er ein Held. Er wollte nie in diese Position geraten, aber die Umstände haben ihn zum Oberhaupt der Familie gemacht. Da steht er nun zwischen den Versprechen, die er seiner Frau gegeben hat, und dem Weg, den ihn sein Vater gelehrt hat. Er ist mächtig, reich und kompromisslos. Die Rolle des Mafiaboss wurde ihm in die Wiege gelegt, doch er schafft es nicht, legal zu werden (diese Tragik wird im dritten Teil der Reihe weiter ausgebaut). Und je erfolgreicher er im Beruf wird, je mehr er glaubt für seine Familie zu erreichen, umso gespaltener wird dieser Zusammenhang und am Ende steht er völlig kaltblütig, einsam und beruflich erfolgreich da, aber ohne die Familie, die ihm immer so wichtig war.

Nicht nur seine Frau Kay entfremdet sich von ihm, doch nicht etwa weil sie ihn nicht mehr liebt, sondern weil sie das Monster in ihm nicht mehr ertragen kann, auch sein Fleisch und Blut Fredo entgleitet ihm. In all seinem Drang zur Perfektion übersieht er die Wut, die in Fredo keimt, die Eifersucht, die ihn von Michael wegtreibt und die schließlicht die ganze Familie endgültig in Richtung Abgrund drückt. Dies alles drückt Al Pacino in Perfektion aus. Er spielt seinen Charakter voller Zerrissenheit und voller Leiden, und wenn er auch noch so viele große Rollen gespielt hat, dies ist seine größte. Alleine für den letzten Abschnitt des Films, als Michael während der Beerdigung seiner Mutter auf Fredo zugeht, ihn in die Arme nimmt und ihm scheinbar verzeiht, aber gleichzeitig seinem Leibwächter nur durch einen einzigen Blick den stillen Mordauftrag gibt, hätte sich Pacino jeden Award dieser Welt verdient.

Es ist überhaupt diese subtile Finesse, die Der Pate 2 (genauso wie den ersten Teil, und bedingt auch wie den dritten Teil) auszeichnet. Francis Ford Coppola spinnt ein solch dichtes Netz aus Charakteren, die sich allesamt in unser Gedächtnis brennen, und die nie nur handeln, damit etwas auf der Leinwand geschieht, sondern immer dem logischen Muster ihrer Figur folgen, sodass man nur ins Staunen geraten kann. Und innerhalb dieses dichten Netzes wirft er nicht mit plumpen Aussagen um sich, die jede Handlung ins Detail erklären, sondern erlaubt es sich auch, Feinheiten einfach nur zu zeigen, aus denen sich der Zuseher dann selbst seine Schlüsse ziehen muss. Und das ist für den Hollywoodfilm beileibe nicht alltäglich.

Es hat etwas von der meisterhaften Qualität eines Shakespearestücks an sich, wie sich alle Fäden zusammenfügen, wie die Figuren miteinander und gegeneinander agieren und wie all diese Aspekte in ihrer Zusammenwirkung Michael Corleone immer weiter in Richtung einer Tragödie drücken. Dabei hat man es grandios geschafft, eine parallele Entwicklung der Ereignisse zu entwerfen, die sich gegenseitig nie im Weg stehen, sondern ihre Wirkungen unterstützen, und erst gemeinsam zur wahren Größe auflaufen.

Parallel zu dem Handlungsstrang, der uns zeigt, wie aus dem einst so gutmütigen Michael endgültig eine kaltblütige, einsame und zerrissene tragische Figur wird, die entgegen ihrer früheren Wünschen zum Mafiaboss aufsteigt, wird uns die Geschichte erzählt, die all die Ereignisse in der Haupthandlung erst möglich machte. Vitos Aufstieg zum Don ist ein ganz anderer als Michaels. Während Michael die Geschäfte des Vaters übernahm, hat sich Vito ins Verbrecherleben gestürzt, um das arme Einwandererleben hinter sich zu lassen, wenngleich er seine Landsmänner nie vergessen hat.

All diese Aspekte verwebt Francis Ford Coppola zu einem unglaublich befriedigenden filmischen Kunstwerk. Die Schauspieler sind allesamt das Beste vom Besten, und wenngleich ein Marlon Brando schmerzlich fehlt und auch der großartige James Caan eine Lücke hinterlassen hat, so sind dafür der grandiose Robert de Niro und Method Acting-Erfinder Lee Strasberg zum Cast hinzugekommen. Strasberg war übrigens der Lehrer von Al Pacino, Robert de Niro und auch Marlon Brando.

Doch nicht nur die Schauspieler, sondern einfach alles an diesem Film verdient das Prädikat perfekt. Man hat hier stets das Gefühl, dass Meister am Werk waren, und wenngleich der erste Teil der Reihe immer mein Favorit bleiben wird, so steht die Fortsetzung ihm in nichts nach. Solche Vergleiche sind ohnehin nichtssagend, denn gesehen haben muss man ohnehin die gesamte Trilogie. Denn Hollywood war nie schöner, größer und fesselnder.

Fazit:
Der Pate 2 gilt genau wie sein Vorgänger nicht umsonst als einer der besten Filme aller Zeiten. Das Prädikat „Beste Fortsetzung aller Zeiten“ verdient er sich aus meiner Sicht allemal. Doch genug dieser unsinnigen Zeilen: Der Pate 2 ist Hollywood in seiner ganzen Pracht, wie man es nur selten sieht. Wunderschön, raffiniert und grandios gespielt. Episch und meisterhaft in allen Punkten und bis heute unübertroffen.

Wertung:
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