Der Goldene Kompass

OT: -  113 Minuten -  Fantasy
Der Goldene Kompass
Kinostart: 06.12.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Goldene Kompass

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2003 endete sie, die wohl größte, epischste, und beeindruckenste Fantasysaga unserer Zeit, wenn nicht sogar der Kinogeschichte. Peter Jackson brachte mit seiner großartigen Herr der Ringe Trilogie, über die man eigentlich gar nicht zuviele Superlative schreiben kann, die Quintessenz der Kinoerfahrung genau auf den Punkt, und lieferte nicht nur den Beweis, dass man auch "unverfilmbare" Bücher standesgemäß auf die Leinwand bringen kann, sondern mit dem Finale seiner Saga egalisierte er auch den Oscarrekord von Titanic und Ben Hur, und stieg in die höchsten Box-Office Hemisphären auf.

Die Herr der Ringe Trilogie lieferte somit den Beweis, dass sich filmische Qualität und hohe Einspielergebnisse nicht per se ausschließen. Nachdem auch die Harry Potter Reihe höchst erfolgreich auf die Leinwand gebracht wurde, schienen die Produzenten ein neues Lieblingsthema gefunden zu haben: Den Fantasyfilm kurz vor Weihnachten. Doch obwohl dies theoretisch ja gar keine schlechte Idee wäre, ließ ein würdiger Nachfolger der berühmten Herr der Ringe Serie lange auf sich warten. Die Chroniken von Narnia, Wintersonnenwende, oder gar der sehr enttäuschende Eragon, sie alle scheiterten kläglich. Für Der Goldene Kompass standen die Vorzeichen allerdings sehr gut, dass endlich der lang ersehnte Nachfolger gefunden wurde. Doch auch diese Vorschusslorbeeren erwiesen sich als ungerechtfertigt. Zu hohe Erwartungen werden also zwangsläufig zu einer großen Enttäuschung führen.

Lyra Belacqua (Dakota Blue Richards) hat ihre Eltern nie kennengelernt, und lebt nun schon seit geraumer Zeit bei ihrem Onkel Lord Asriel (Daniel Craig), der sie mit strenger, aber liebender Hand erzieht. Das allmächtige Magisterium, welches über die gesamte Welt herrscht, ist beiden ein Dorn im Auge. Lord Asriels neuste Entdeckung, die er bei einer seiner vielen Expeditionen im Norden machte, ist ein mysteriöser magischer Staub, der eine Verbindung in fremde Welten darstellt, was wiederum dem Magisterium nicht gefällt. Eine weitere Bedrohung in der Welt ist eine Serie von seltsamen Kindesentführungen. Als ihr Onkel auf einen seiner Expeditionen ist, bekommt Lyra nun die Chance selbst ein Abenteuer zu erleben. Die glamouröse Wissenschaftlerin Mrs. Coulter (Nicole Kidman) bietet ihr an, sie mit auf eine Reise zu nehmen...

Wie gesagt, die Vorzeichen für diesen Film ließen wirklich auf etwas Großes hoffen. Philip Pullmans dreiteilige Fantasyreihe, die im englischen unter dem Titel His Dark Materials vertrieben wird, ist zwar bei weitem nicht so bekannt, wie die berühmte Fantasytrilogie von Tolkien, oder die Harry Potter Reihe, aber verfügt doch über eine erwähnenswerte Fanbase, und vor allem wurde sie von den Kritikern sehr gelobt. Besonders der phillosophische Touch der Reihe, und die komplexe Fantasywelt, nahe an unserer eigenen Welt, sind löblich zu erwähnen, und so konnte man durchaus auf einen Film hoffen, der mit Peter Jacksons Herr der Ringe Serie auf Augenhöhe steht, oder zumindest qualitativ auf einer ähnlichen Ebene operiert.

Die Trailer zum Film heitzten diesen Vergleich noch zusätzlich an, in dem sie groß posaunten, dass der Film von New Line Cinema ist, dem Studio, dass uns bereits nach Mittelerde entführte. Fast schon als wollte man jedem, der es noch nicht gemerkt hat, vor Augen führen, dass man hier versucht den Genreprimus vom Thron zu hieven. Die Fans wurden also angeheitzt, und die Hoffnungen wuchsen. Schade ist nur, dass von der erhofften Qualität kaum etwas zu sehen ist. Schlussendlich muss sich Der Goldene Kompass sogar eher mit Die Chroniken von Narnia duellieren, und kommt nicht einmal ansatzweise in Schlagweite zum großen Vorbild.

Wenn man also mit gepushter Erwartungshaltung in den Film geht, folgt die Enttäuschung schnell. Als erstes fällt schon einmal auf, dass sich die großen Namen, die uns von allen Kinoplakaten her anspringen, als reine Marketingbluffs herausstellen. Daniel Craig bekommt nur einen Mini-Auftritt, und ist nach gut 20 Minuten schon von der Bildfläche verschwunden. Nicole Kidman kann sich ebenfalls nicht ins Rampenlicht spielen, und bleibt mit ihrer konventionellen Darbietung hinter den Erwartungen zurück, und Christopher Lee hat man wohl nur engagiert, um in der Imdb einen weiteren Namen reinschreiben zu können. Denn sein Auftritt beschränkt sich nur auf einen einzigen Satz, dann hört man nie wieder von ihm.

Die Last dieses millionenschweren Blockbusters, liegt also zur Gänze auf den zerbrechlichen Schultern der Jungdarstellerin Dakota Blue Richards. Und spätestens hier sollten alle aufmerksam werden, die sich ein episches Abenteuer erhofft hatten: Da als Hauptfigur ein Kind dient, was in ernsten Fantasyfilmen nur in absoluten Ausnahemfällen funktioniert, raubt sich Der Goldene Kompass schon einmal einiges seiner Kraft. Natürlich ist dies nicht unbedingt ein Grund, weswegen der Film scheitern müsste, denn immerhin hatte Pan's Labyrinth ähnliche Vorzeichen, und wurde ein riesiger, künstlerischer Erfolg, aber Der Goldene Kompass geht genau den falschen Weg.

Anstatt seine Fantasygeschichte ernst vorzutragen, wie es eben Pan's Labyrinth so großartig vormachte, setzt er zur Gänze auf einen kindlichen Touch. Gut, mancher mag hier argumentieren, dass ein solch teuerer Film auf die ganze Familie abzielen muss, um genügend Geld einzuspielen, aber dieses Argument ist nur bedingt gültig, war Der Herr der Ringe doch auch alles andere, als Kino für die Kleinen. Und durch diese kindgerechte Inszenierung, raubt sich der Film auch jede Chance etwas Großes zu werden. Alle rauen Ebenen werden glattgebügelt, alle Ecken ausgefeilt. Heraus kommt ein Film der so durch und durch kommerziell und unkreativ ist, dass man nur enttäuscht sein kann, bei den Erwartungen, die sich der Film aufgeladen hat.

Hinzu kommt, dass bei der, für einen Fantasyfilm, sehr geringen Laufzeit nie das Gefühl von Größe aufkommt. Regisseur Chris Weitz fehlt ausserdem das nötige Können in diesem Genre, um die filmische Welt glaubhaft an sein Publikum zu bringen. Man bekommt nur sehr sporadische Einblicke in die Fantasywelt, und die Story hölpert nur so vor sich hin. Kaum eine Figur kann sich wirklich ins Herz des Zusehers spielen, und so gibt es Makel an allen Ecken und Enden. Auch kann der Film nur mit wenigen eigenständigen Ideen aufwarten, und so zitiert er sich quer durch die Filmwelt, um am Ende eine Mischung aus Der Herr der Ringe, Harry Potter und Die Chroniken von Narnia zu werden.

Ist Der Goldene Kompass deswegen gänzlich gescheitert? Nein, er ist nur deutlich anders geworden, als man es sich im Vorfeld erwartet hatte. Aus dem potentiellen Herr der Ringe Nachfolger, ist ein gewöhnlicher Familienfilm geworden, der vor allem die Kleinen ansprechen wird. Die süßen CGI Daemons, die die Seelen ihrer Begleiter darstellen, werden wohl die Kinder zum Entzücken bringen, und sind auch wikrlich ansehnlich geworden. Über mehr als 08/15 Hollywoodspaß kann sich dieser Film allerdings nie hinausbewegen, was für Freunde des ernsten Fantasykinos (wo ich mich hinzuzähle) doch eine Enttäuschung sein wird. Vielleicht machen es die zwei weiteren Teile besser, denn dass sie kommen werden, steht wohl nach dem sehr offenen (und nicht weniger enttäuschendem) Ende ausser Frage.

Fazit:
Der Goldene Kompass kann seine großen Erwartungen leider in keiner Sekunde halten. Alle die sich einen potentiellen Herr der Ringe Nachfolger erwarteten, sollten ihre Erwartungen sehr drosseln, um einer Enttäuschung zu entgehen, denn Der Goldene Kompass ist ein glattgebügelter Hollywoodschinken, der auf die ganze Familie zugeschnitten ist, und vor allem die kleinen Zuschauer ansprechen wird. Freunde des ernstem Fantasyfilms werden wohl noch lange auf einen Nachfolger für die große Fantasyserie von Peter Jackson warten müssen. Denn Der Goldene Kompass schwächelt sowohl bei seinem Entwurf der Fantasywelt, weswegen man als Zuseher nie vom Film aufgesogen wird, dem hölprigen Storyaufbau, und vor allem bei der viel zu kindgerechten Umsetzung. Schade.

Wertung:
6/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.1/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 14
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