Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel (2007)

OT: - 115 Minuten - Thriller / Drama
Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel (2007)
Kinostart: 29.11.2007
DVD-Start: 22.09.2011 - Blu-ray-Start: 22.09.2011
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Filmkritik zu Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel

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Ben Affleck hatte es in seiner Karriere nicht immer leicht. Er erlebte alle Höhen und Tiefen des Showbusiness, aber zumindest konnte er sich immer sicher sein, dass sein Name in irgendwelchen Klatschheftchen abgedruckt wird. Das bisherige Zenit seiner Karriere erlebte er bereits vor langer Zeit, als er gemeinsam mit seinem Freund Matt Damon einen Oscar für ihr Drehbuch zu Good Will Hunting erhalten hatte. Danach folgten seine belächelten Auftritte, in Filmen wie Armageddon und Pearl Harbor und den Tiefpunkt erreichte er schließlich mit seiner Flopserie, mit Filmen wie Paycheck, Gigli und Jersey Girl, weswegen er sich auch für eine gewisse Zeit aus dem Geschäft verabschiedete. Sein Comeback gelang ihm dafür wirklich eindrucksvoll, und für seine Leistung in Die Hollywood-Verschwörung bekam er unter anderem den Darstellerpreis bei den Filmfestspielen in Venedig. Mit Gone Baby Gone wechselt er nun erstmals auf den Regiestuhl, und zeigt eindrucksvoll, dass sich seine Karriere weiterhin auf dem aufsteigenden Ast befindet.

Die vierjährige Amanda McCready (Madeline O'Brien) verschwindet in einem Arbeiterviertel in Boston spurlos. Nachdem die Polizei lange im Dunkeln tappt, wendet sich Amandas Familie an die beiden Privatdetektive Patrick Kenzie (Casey Affleck) und Angie Gennaro (Michelle Monaghan). Die beiden sollen sich mit denjenigen unterhalten, die nicht mit der Polizei zusammenarbeiten wollen, und so hoffentlich etwas mehr herausfinden. In Zusammenarbeit mit dem Poilzisten Remy Bressant (Ed Harris) und seinem Vorgesetzten Jack Doyle (Morgan Freeman) entdecken sie schon bald, dass die drogenabhängige Mutter des verschwundenen Kindes  Helene (Amy Ryan), bei ihrer Aussage nicht bei der Wahrheit geblieben ist...

Jedem Leser, der in den letzten Monaten zumindest gelegentlich die Nachrichten, oder Zeitungen verfolgt hat, wird bei dieser Inhaltsangabe wohl bereits ein Licht aufgehen. Man könnte diese Geschichte nämlich durchaus in den Kontext, rund um die verschwundene Madeleine bringen, die während dem Familienurlaub in Portugal aus ihrem Hotelzimmer verschwunden ist, und seit dem auf der ganzen Welt gesucht wird. Und auch der britische Verleih ist sich wohl um diese auffällige Paralellität bewusst, und so hat er Gone Baby Gone kurzerhand aus dem Programm genommen. Die Sinnhafigkeit dieses Unterfangens kann allerdings getrost in Frage gestellt werden.

Denn man kann Ben Affleck in keiner Sekunde vorwerfen, dass er das mediale Interesse dieses aktuellen Falles ausnutzen wolle, um seinen Film an ein Publikum zu bringen. Erstens ist Gone Baby Gone für dieses reisserische Unterfangen viel zu ruhig und unbequem, und zweitens, basiert der Film an keiner Stelle auf den aktuellen Ereignissen, sondern auf dem schon lange erschienen Roman von Dennis Lehane, dessen deutschsprachiger Titel Kein Kinderspiel lautet. Falls sie sich fragen wo sie den Namen Dennis Lehane schon einmal gehört haben, so kann ich auch gleich die Antwort geben: Auch Clint Eastwoods grandioser Mystic River basiert auf einem seiner Romane.

Und genau wie Mystic River, handelt auch Gone Baby Gone nicht nur von der offensichtlich erkennbaren Geschichte, sondern versucht tiefgreifende, moralische Fragen zu stellen. Ben Affleck verweigert konsequent ein eindeutiges Statement zu setzen, sondern überlässt das Urteilen stets dem Zuseher, der sich somit auch nicht nur zurücklehnen und sich berieseln lassen sollte, sondern förmlich dazu aufgerufen wird, sich seine eigenen Gedanken zum Thema zu machen. Gone Baby Gone handelt vor allem von Entscheidungen, ganz egal aus welchen Gründen sie getroffen werden, und was es heißt mit den Konsequenzen dieser Entscheidungen zu leben.

Es bleibt auch nicht aus zu sagen, dass sich Ben Affleck scheinbar sehr wohl fühlt am Regiestuhl, und wirklich eine großartige Leistung vollbringt. Das Schauspielen überlässt er seinem sehr talentierten Bruder Casey Affleck, der auch schon an der Seite von Brad Pitt, in Die Ermordung des Jesse James, durch den Feigling Robert Ford, zeigen konnte was in ihm steckt. Und überraschend ist hierbei im Besonderen, dass Casey, obwohl die Rolle des harten Detektivs zweifellos nicht seine Paraderolle ist, dennoch voll und ganz überzeugen kann, und den Zuseher mit auf eine Reise voll moralischer Engpässe nimmt, und ihm dabei hilft die dunklen Seiten der menschlichen Seele auszuleuchten.

Besonders atmosphärisch kann Gone Baby Gone in allen Punkten überzeugen. Während man an den Wendungen der Story durchaus Kritik anbringen kann, schafft es Ben Affleck eine Atmosphäre zu kreiren, die über jeden Zweifel erhaben ist. Einen großen Anteil daran haben selbstverständlich die wunderschönen Bilder seines Kameramanns John Toll, aber die Authentizität holt sich Affleck vor allem bei den realitätsnahen Dialogen, und im besonderen bei den stimmig in Szene gestzten Schauplätzen, die seiner Geschichte stets das gewisse Etwas verleihen, nach dem so viele andere Regisseur sehr lange vergebens suchen müssen. Sehr viele Anleihen holt er sich auch beim klassischen Film Noir, was nicht nur durch die düstere Bildsprache, sondern vor allem durch den lakonischen Off-Kommentar seiner Hauptfigur gezeigt wird.

Skeptiker können natürlich einwerfen, dass Gone Baby Gone, speziell im Mittelteil einige Hänger hat, und nicht an allen Stellen flüssig voran kommt. Auch dass Casey Affleck nicht unbedingt zu 100% für diese Rolle geeignet ist, ist etwas was man nicht leicht von der Hand weisen kann, und schließlich muss man auch sagen, dass Gone Baby Gone gegen den ähnlich veranlagten Mystic River doch knapp den kürzeren zieht. Doch wenn Ben Affleck bei seinem Regiedebüt, einen so überzeugenden Film abliefert, der nur knapp hinter dem Film von Clint Eastwood, der mittlerweile bereits einer der ganz großen Regisseure ist, zurückbleibt, dann sollte man sich diesen ausgezeichneten Film auf keinen Fall entgehen lassen. Denn nur wenige schaffen es den Meisterwerken von Eastwood auch nur nahe zu kommen.

Fazit:
Gone Baby Gone ist mit Sicherheit kein makelloser Film. Im Mittelteil hat er einige Durchhänger, und auch Casey Affleck, so gut er auch spielen kann, ist nicht wirklich der Nummer 1 Kandidat für diese Rolle. Dennoch ist Gone Baby Gone ein sehr seriöses, wunderbar gefilmtes Thriller-Drama, welches vor allem durch die Ambivalenz seiner Geschichte überzeugt, und es dem Zuseher überlässt, was er vom Gezeigten halten möge. So gesehen ist Gone Baby Gone, trotz seiner nicht von der Hand zu weisenden Schwächen ein absolut sehenswerter Film, der darauf hoffen lässt, dass Ben Affleck noch öfters auf dem Regiestuhl Platz nimmt.

Wertung:
8/10 Punkte










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Liste von Jadefuchs
Erstellt: 09.05.2015