Die zwei Gesichter des Januars (2014)

OT: The Two Faces of January - 96 Minuten - Thriller
Die zwei Gesichter des Januars (2014)
Kinostart: 29.05.2014
DVD-Start: 09.10.2014 - Blu-ray-Start: 09.10.2014
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Filmkritik zu Die zwei Gesichter des Januars

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Die Schriftstellerin Patricia Highsmith hat unter anderem den Roman „Der talentierte Mr. Ripley“ geschrieben und darin eine Figur erschaffen, die auch noch in zahlreichen anderen Romanen und Filmen vorkam. Highsmiths Romane drehen sich nicht um Helden und deren Kampf gegen das Böse. Sie beschäftigen sich mit der Schattenseite der menschlichen Seele. Die Hauptrollen in ihren Büchern waren besetzt von Gaunern, Betrügern und neurotischen Lügnern. „Die zwei Gesichter des Januars“ ist ein eher unbekannteres Werk der bereits verstorbenen Weltbestsellerautorin. Dass es gleichzeitig wohl auch nicht zu ihren besten Werken zählt, kann man auch aus einer Stellungnahme von Hossein Amini, dem Regisseur dieser Literaturverfilmung, vernehmen: „Der Plot war zu konstruiert, die Zusammenhänge gingen gelegentlich verloren, manchmal fehlte die Logik“.

Dass er sich trotzdem dafür entschieden hatte, gerade dieses Buch als Vorlage für sein Regiedebüt zu verwenden, lag also scheinbar nicht an der außergewöhnlichen Qualität des Romans. Vor allem inspirierten ihn die Charaktere des Buches. „… wahrscheinlich lag es daran, dass ich in den Figuren viel von mir selbst wiedererkannte: ihre widersprüchlichen Gefühle, ihre emotionalen Schwächen.“, so der Regisseur. Den Schwerpunkt auf die Zwiespältigkeit und die Dunkelheit der Charaktere setzen und dadurch den Plot voranzutreiben, war also die Devise, die sich Amini für sein Erstlingswerk gesetzt hatte. Um dies in die Tat umsetzen zu können, mussten natürlich gute Charakterschauspieler her, und so wurden die drei Hauptrollen von niemand geringeren als Viggo Mortensen, Oscar Isaac und Kirsten Dunst verkörpert.

1962. Der Amerikaner Rydal (Oscar Isaac) hält sich in Athen als Stadtführer über Wasser und trifft eines Tages auf Colette und Chester MacFarland (Kirsten Dunst und Viggo Mortensen). Rydal ist auf Anhieb von dem Paar fasziniert; er fühlt sich angezogen von ihrer kultivierten Art und ihrem sorgenfreien Lebensstil. Doch der Eindruck trügt. Als Rydal die MacFarlands in ihrem Luxushotel besucht, bedrängt ihn Chester, einen offenbar bewusstlosen Mann mit ihm fortzuschaffen. Rydal stimmt zu und begibt sich damit in ein dunkles Netz aus Mord, Eifersucht und Intrigen...

Amini fängt flott an und wartet nicht lange bis er die drei Protagonisten zusammenführt. Denn ihm scheint klar zu sein, dass es nicht der Plot ist, der diesen Film sehenswert machen wird. Dies wird auch im Verlauf des Filmes deutlich sichtbar. Denn teilweise wirkt die Handlung sehr konstruiert und nicht ganz nachvollziehbar. Und so wird der Fokus, zum Wohle des Filmes, auf das Zusammentreffen dreier unausgeglichener, verlogener, aber raffinierter Charaktere gelegt.

Für Colette (Kirsten Dunst) bleibt da allerdings nicht viel Platz. Sie dient nur als Instrument um die Kollision der beiden Widersacher zu verschärfen. Ihre Rolle muss schnell den vollgetankten Egos ihrer beiden männlichen Gefährten Platz machen. Chester (Mortensen) ist der weitaus unausgeglichenere Charakter der beiden Rivalen. Vor allem hat er mit seiner Eifersucht zu kämpfen, die durch seinen übermäßigen Alkoholkonsum nur noch stärker zum Vorschein kommt und die Tragödie nach und nach verschlimmert. Mortensen hat bereits in „Tödliche Versprechen“ eindrucksvoll bewiesen, dass ihm die dunkle Seite des menschlichen Seins gut zu Gesicht steht. Auch diesmal spielt er seinen Part sehr überzeugend. Allerdings ist sein Charakter weniger von grausamer Bösartigkeit überseht. Vielmehr sind seine Schwächen und Fehler der Grund, weshalb er selbst und seine Nächsten immer tiefer ins Verderben gezogen werden.

Sein Gegenpart Rydal (Oscar Isaac) wirkt zunächst weitaus ausgeglichener und gefasster. Doch auch er kann sein männliches Ego nicht bändigen und fördert die Eifersucht von Chester - durch Gesten und kleinen Flirts mit dessen Frau. Oscar Isaac ist - seit seiner Rolle des Llewin Davis (Inside Llewin Davis) - eine heißbegehrte Aktie im Filmgeschäft. Auch wenn Mortensens Rolle mehr schauspielerische Klasse verlangt, beweist Isaac bei der Auslegung seiner Rolle viel Feingefühl und verleiht Rydal seine eigene Note. Was folgt ist eine Art „Machokampf“ zweier riesen Egos. Die Kulisse spielt dabei auch eine wichtige Rolle. Die engen Gassen Athens und die Ruinen von Kreta geben den Film einen kammerspielartigen Touch. Im großen Finale bieten dann die Straßen von Istanbul die perfekte Kulisse für eine spannende Hetzjagd.

Fazit:
„Die zwei Gesichter des Januars“ ist ein Film über das Zusammentreffen dreier Personen, die von ihren Egos und Schwächen ins Verderben gezogen werden. Der Plot wirkt dabei stellenweise etwas konstruiert und löchrig. Aufgrund der tollen Schauspieler und exzellent ins Bild gesetzten Kulissen ist aber trotzdem ein spannender Film-noir-Thriller entstanden.

Wertung:
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