A Most Wanted Man (2014)

OT: A Most Wanted Man - 122 Minuten - Thriller
A Most Wanted Man (2014)
Kinostart: 12.09.2014
DVD-Start: 27.02.2015 - Blu-ray-Start: 27.02.2015
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Filmkritik zu A Most Wanted Man

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Ein tschetschenischer Islamist (Grigory Dobrygin), der illegal und von den Behörden unbemerkt über Wasserwege nach Deutschland einwandert, gerät ins Visier des deutschen Nachrichtendienstes. Der Leiter der Abteilung, Günter Bachmann (Philip Seymour Hoffman), sieht im geheimnisvollen Vagabunden die Schlüsselperson, um ein vermeintliches, weltweit agierendes, Terrornetzwerk aufzudecken.

So vage und unabgeschlossen diese Storyline klingen mag, verläuft auch über lange Strecken der Film - wann die Dinge wirklich ins Rollen kommen, bleibt nur zu erraten. Eigentlich keine guten Voraussetzungen für einen Spionagethriller in denen bekannterweise die Szenen dem endgültigen Twist verschrieben sind. Warum der Film trotzdem so hervorragend funktioniert, liegt an seiner minimalistisch kühl getakteten Machart, die den thematischen Überbau (Terrorbekämpfung nach den WTC-Anschlägen, konkurrierende Geheimdienste) als omnipräsente Machtverhältnisse, das eigentliche Geschehen atmosphärisch bestimmen lassen. Einfacher zusammengefasst: ein Film über Spekulation, Verdacht und Falschspiel in der Welt der Nachrichtendienste.

Wie man es schon von Anton Corbijns Vorgängerwerken kennt, nehmen sich seine Filme Zeit, um sich zu entfalten; es ist kein Film dessen Geschichte auf einen Höhepunkt zusteuert, sondern auf eine Pointe eines langsam erzählten Witzes hinausläuft. Mit vornehmer Zurückhaltung, dem Aussetzen von jeglichen überzogenen Gefühlscharaden und familiären Seifenopern, hat A MOST WANTED MAN im Gegenwarts-Mainstreamkino eine Ausnahmestellung inne. Es ist einer von diesen selten gewordenen Filmen. Ihre Bilder zu sehen, ist wie Buchseiten zu lesen. Ruhig und geduldvoll schreitet man voran, die Augen weit offen, jede Geste und jeden Satz verdächtigend, dass ihnen ein Unruhepol des doppelten Spiels arteigen ist. Es wird etwas geschehen - man weiß nur nicht was, wann und mit wem. Ein guter Ausgang der Geschichte ist in Corbijns Universum der Ungewissheiten nur eine Option unter vielen, denn, das Schicksal des Einzelnen unterliegt dem Verlauf der Dinge und niemand ist Herr seiner Lage.

Corbijns Minimierungsstrategie zeichnete seinen zweiten Film THE AMERICAN in gleicher Weise aus. In dem er die Tiefe der Charaktere, die Auswirkungen ihrer Handlungen, an breiter Oberfläche zeichnet, erlaubt er bis zuletzt nicht den Spannungsknoten völlig zu lösen, ohne dadurch eine neue Situation der Unsicherheit zu schaffen. Ursache und Wirkung geschehen universell, nicht auf der kleinen Bühne des tragischen Helden.

Und doch gibt es einen großen Minuspunkt, der gerade die Deutsche (hörbar hölzern geratene) Fassung betrifft. In INGLORIOUS BASTERDS bekam man schon den Irrglauben – auf die ästhetisch hörbare Konfliktsituation stelle sich der Zuseher leichter ein, wenn deutschsprachige Darsteller ihren fremdsprachigen Text selbst übersetzen – bestens vorgeführt. Überhaupt verleitet die Synchronisation, in der Frage wer im Film/jenseits des Films welche Muttersprache spricht, zu einer völligen Irreführung. Robin Wrights Figur Martha Sulivan ist demnach eine US-Amerikanerin, die zwar der deutschen Sprache mächtig ist, aber nicht ohne passenden Akzent. Richtig gewöhnen kann man sich an dieses unfreiwillig komische Dolmetscher-Deutsch nie. Habe ich schon die Originalversion empfohlen?

Fazit:
Anton Corbijns drittes Spielfilmprojekt zeigt mit welcher Konsequenz er die eingeschlagene Richtung seit seinem genialen Erstlingswerk (CONTROL) als Filmauteur nach wie vor beibehalten hat. Als Meister des leisen Dramas bewegt sich Corbijn im vergeistigten Raum hinter den Bildern, wo er ganz im Stillen Unsicherheit und Unbehagen an die Oberfläche trägt. Die intellektuelle Inszenierungsweise Corbijns und ein letzter grandioser Auftritt des leider viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman bügeln fast gänzlich sämtliche Drehbuchschwächen weg. Definitiv ein Ausnahmefilm unter Spionagethrillern. 8,8 von 10!

Wertung:
8/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 7
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