Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)

OT: Gone Girl - 149 Minuten - Drama / Mystery / Thriller
Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
Kinostart: 03.10.2014
DVD-Start: 05.02.2015 - Blu-ray-Start: 05.02.2015
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Filmkritik zu Gone Girl - Das perfekte Opfer

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David Fincher gilt als Meister des Thrillers. Das hat er mit seinen großen Meisterwerken wie Sieben oder Zodiac bereits eindrucksvoll bewiesen, aber was man an dieser Stelle nicht vergessen darf ist folgendes: Auch wenn es Fincher großartig versteht Spannung aus den abscheulichsten Verbrechen zu zaubern, was ihn wirklich auszeichnet und seine Filme von den zahlreichen mittelmäßgien Durchschnittsthrillern abhebt ist, dass David Fincher einen großen Fokus auf den Menschen legt und es ihm gelingt Charaktere auszuloten. In seinem neuesten Meisterwerk Gone Girl treibt er diesen Ansatz auf die Spitze: Man könnte gar soweit gehen zu sagen, dass der Thriller hier nur eine Hülle für ihn ist und er in Wirklichkeit eine ganz normale Geschichte einer unglücklichen Ehe erzählt, die lediglich durch ihre Art der Symbolik deutlich drastischer ausfällt, als man es erwarten würde.

Nick (Ben Affleck) und Amy Dunne (Rosamund Pike) sind scheinbar das perfekte Paar. Gebildet, charmant, bis über beide Ohren verliebt - zumindestens wenn man die Oberfläche betrachtet. Doch als Amy an ihrem fünften Hochzeitstag plötzlich spurlos verschwindet, kommen die ganzen schmutzigen Details ihrer Ehe ans Tageslicht: Geldprobleme, wachsende Distanzierung, Angst und Misstrauen. Plötzlich steht Nick im Mittelpunkt der Ermittlungen und gilt für die Medien bereits als Mörder. Und tatsächlich verhält sich Nick auch zunehmend merkwürdig - ist er tatsächlich schuldig?

Alles beginnt wie ein ganz gewöhnlicher Thriller: Eine Frau verschwindet unter mysteriösen Umständen, und jeder der mit den bisherigen Werken von David Fincher vertraut ist, ahnt bereits, dass das wohl kein allzu gutes Ende nehmen wird. Ermittlungen beginnen, Spuren werden gefunden, die Fäden verdichten sich - inszeniert David Fincher hier etwa nur ein gewöhnliches Whodunit, in dem wir uns auf die Suche nach einem Mörder begeben? Doch je weiter die Erzählung fortschreitet, umso klarer wird, dass in Gone Girl nicht alles so direkt und einfach ist wie man meinen möge.

Zwar ist es durchaus möglich (und unterhaltsam) Gone Girl als reinen Thriller zu sehen. David Fincher gelingt es ausgezeichnet unser Misstrauen zu wecken: Das Verhalten der Figuren erlaubt es durchaus unterschiedliche Schlüsse zu ziehen. Die Spannungen zwischen Nick und Amy sind förmlich spürbar, die Geheimnisse der Story faszinierend und die Wendungen der Erzählung verfehlen ihre Wirkung nicht. Immer wieder schlägt der Film einen Haken und bewegt sich in eine aufregende neue Richtung, die häufig von einer solchen Kaltschnäuzigkeit durchzogen ist, dass es durchaus beeindruckend ist. Unterstützt vom pulsierenden Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross entsteht hier ein gelunges Spannungsgeflecht, das sich sehen lassen kann.

Aber das eigentlich besondere an Gone Girl ist, dass der spannende Thriller nur die schillernde Hülle des Films ist, und sich unter der Oberfläche noch zahlreiche weitere Dinge abspielen. Zum Einen schafft es der Film immer wieder den menschlichen Beurteilungsprozess in Frage zu stellen indem er uns Ereignisse zeigt, später den Blickwinkel verändert und uns so vor Augen führt wie leicht man zu einer falschen Einschätzung gelangen kann und wie sehr die Wahrheit von unserer Perspektive abhängig ist. Ganz besonders trifft dies auch auf die Medien zu, die in Gone Girl auch nicht allzu gut wegkommen und deren einfach gefundene Wahrheiten vom Film häufig auf einen kompromisslosen Prüfstand gestellt werden.

Richtig meisterhaft ist allerdings wie (und hier bezieht sich das "wie" auch ganz besonders auf die Art der Realisierung) es dem Film gelingt von den alltäglichen Horrormomenten einer unglücklichen Ehe zu erzählen. Nicht nur in der eigentlichen Darstellung der Ehe von Nick und Amy gelingt es Gone Girl fesselnde Beobachtungen anzustellen, der Film als ganzes kann eigentlich als symbolische Verarbeitung einer solchen unglücklichen Beziehung gesehen werden und wenn man den Film auf diese Art und Weise betrachtet bekommt man ein noch viel tiefergehendes Erlebnis geboten, da David Fincher ein Meister darin ist die emotionalen Untiefen seiner Figuren zu ergründen und auf unerwartete Weise auf der Leinwand zu visualisieren.

Dramaturgisch ist dabei besonders eindrucksvoll, dass Fincher nicht einfach nur linear versucht seine “Thrillerhandlung” abzuspulen, sondern seine Geschichte aus mehreren Persektiven erzählt, was unerwartete Einblicke in die Figuren und auf die Sichtweise auf den jeweiligen Partner zulässt. Zusätzlich verkompliziert wird die Erzählung dadurch, dass Fincher sehr viel von Amys Perspektive in Form von Tagebucheinträgen erzählt und dabei auch noch zahlreiche Fallen für den Zuseher bereithält, die zeigen, dass man sich nicht immer auf den Erzähler einer Geschichte verlassen kann und dabei auch erneut wieder verdeutlicht, dass die Oberfläche oft nicht die ganze Wahrheit bereithält und wir vorsichtig sein müssen wem wir unser Vertrauen schenken.

Getragen wird dieses (nicht ohne Momente des schwarzen Humors vorgetragene) Spannungsspiel von den beiden grandiosen Darstellerleistungen von Ben Affleck und Rosamund Pike. Beide Darsteller verstehen es vor allem ihre Figuren undurchschaubar anzulegen und ihnen unerwartete Facetten zu verpassen. Ben Afflecks Nick ist z.B. ein eigentlich sympathischer, netter Junge, der aber gerade durch diese Charakterzüge im Verlauf der Ermittlung immer wieder höchst befremdlich erscheint und den Verdacht des Zusehers weckt. In den Schilderungen von Rosamnund Pikes Amy bekommt seine Figur allerdings auch noch einige höchst beunruhigende Elemente verpasst, die man so nicht erwartet hätte - die von Affleck allerdings genauso großartig verkörpert werden. Die Überraschung des Films ist allerdings die meisterhaft agierende Rosamund Pike, die eine wahre Tour de Force der Emotionen abliefert und sicherlich zahlreiche Kinnladen nach unten kippen lässt angesichts ihrer unerwarteten Wandlungsfähigkeit - zumindestens eine Oscarnomierung scheint ihr für diesen Karrierehöhepunkt garantiert zu sein.

Fazit:
David Fincher ist mit Gone Girl erneut ein herausragender Film gelungen. Getarnt als spannungsgeladener Thriller erzählt Fincher hier von den menschlichen Abgründen und dem alltäglichen Horror innerhalb einer unglücklichen Ehe. Getragen von den virtuosen Leistungen von Ben Affleck und vor allem der brillanten Rosamund Pike, entsteht ein vielschichtiges Portrait zweier verzweifelter Figuren und eine allegorische Auseinandersetzung mit den Tücken des menschlichen Zusammenlebens. Gone Girl bietet unter der Oberfläche so viel Material und Größe dass es eine schiere Freude ist - aber auch wer sich nur auf den greifbaren Thrill einlässt bekommt eine wendungsreiche Handlung mit zahlreichen Überraschungen geboten.

Wertung:
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Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 28
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