Machtlos (Rendition)

OT: -  120 Minuten -  Polit / Thriller
Machtlos (Rendition)
Kinostart: 23.11.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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1984
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Filmkritik zu Machtlos (Rendition)

Von am

Der 11. September 2001 hat so einiges verändert. In Amerika fiel auch des Öfteren der Begriff der „extraordinary rendition“, was bereits unter der Clinton Regierung eingeführt wurde, aber erst unter George W. Bush zur Praxis wurde. Im Klartext ist dieses Verfahren nämlich die Genehmigung der Regierung, Personen, die verdächtigt sind mit dem internationalen Terrorismus in Kontakt zu stehen, in ein Drittland abzuschieben, und sie dort der Rechtlosigkeit zu übergeben. Dort versucht man ihnen nun unter der Anwendung von Folter ihr Wissen zu entlocken, was allerdings selbst unter CIA Fachleuten für Diskussionen sorgt.

Einmal ganz davon abgesehen, dass man sich über die Genfer Konventionen und sämtliche Menschenrechte hinwegsetzt, stellt sich nämlich überhaupt die Frage wie effektiv diese Methode ist. Denn wie uns die Vergangenheit schon zeigte gestehen Menschen unter Folter eigentlich alles, und erzählen ihren Peinigern was sie hören wollen, nur damit die Folter aufhört. Wenn man jetzt noch die grundsätzlichen, moralischen Fragen hinzunimmt, und das alles mixt, ergibt sich ein durchaus ansprechendes Thema für einen politisch brisanten Film. Hinzu kommt ein fabelhaftes Staraufgebot und mit Gavin Hood ein Regisseur, der sein Handwerk versteht, was er ja bereits mit Tsotsi (Oscar für den besten fremdsprachigen Film) beweisen konnte. Doch leider ergeben all diese feinen Komponenten kein stimmiges Gesamtbild, weshalb Gavin Hoods amerikanisches Filmdebüt leider sein ansprechendes Thema in den Wind schießt. Man manövriert nur um den Kern herum, und beweist nicht genug Mut, was Machtlos leider nicht über gewöhnliches Hollywood Entertainment hinauswachsen lässt.

In einem, nicht näher bestimmten, nordafrikanischen Land, sorgt ein tragischer Selbstmordanschlag für große Aufregung. Denn unter den Opfern befindet sich auch ein CIA Agent, der an der Seite seines Kollegen Douglas Freeman (Jake Gyllenhaal) stirbt. Ziel des Anschalgs war jedoch Abasi Fawal (Igal Naor), der ein geheimes Gefängnis leitet, in dem Verdächtige gefoltert werden, um von ihnen Informationen zu bekommen. Als die CIA merkwürdige Informationen entdeckt, die den unscheinbaren Geschäftsmann El-Ibrahimi (Omar Metwally) belasten, kennt die verantwortliche Corrinne Whitman (Meryl Streep) keine Gnade und lässt den Verdächtigen nach einer Geschäftsreise entführen, und in das besagte Lager von Abasi Fawal bringen. Douglas Freeman muss gemeinsam mit Abasi Fawal alles versuchen um Informationen aus El-Ibrahimi heraus zu bekommen, und die beiden scheuen vor keiner Methode zurück. Gleichzeitig versucht El-Ibrahimis hochschwangere Frau Isabella (Reese Witherspoon), mit der Hilfe ihres alten Freundes Alan Smith (Peter Sarsgaard), dem Assistent von Senator Hawkins (Alan Arkin), herauszufinden was mit ihrem Mann geschehen ist...

Man kann sicher nicht bestreiten, dass sich Regisseur Gavin Hood einige kürzlich erschienene Filme angesehen hat, um sich für Machtlos inspirieren zu lassen. So erinnert die aufgesplittete Erzählweise, aber auch die visuelle Gestaltung, speziell bei den in Marokko gedrehten Szenen, sehr an Babel, und die Episode rund um die hochschwangere Reese Witherspoon, weist doch gewisse Paralellen zu Ein mutiger Weg auf, in dem eine hochschwangere Angelina Jolie nach ihrem entführten Mann suchen musste. Die Bilder von Dion Beebe (unter anderem Kameramann bei Collateral und Miami Vice) sind zwar, wie von ihm zu erwarten war, großartig, lassen aber das gewisse Etwas vermissen, und orientieren sich nur am altbekannten.

Dies soll allerdings auch gar nicht bemängelt werden, gibt es doch bei weitem gravierendere Mängel, die den Filmgenuss trüben. Das Thema, der höchst zweifelhaften Entführungspolitik, die verdächtige Menschen, einfach abschieben lässt, um sie im Ausland foltern zu lassen (nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn), hätte sich eine ernsthafte und durchdachte Umsetzung verdient, aber Gavin Hood scheint bei seiner Umsetzung sehr unter die Räder der Studiopolitik geraten zu sein, denn Machtlos leidet vor allem darunter, seinem Thema absolut nicht gerecht zu werden.

Den Filmemachern fehlte letztendlich einfach der Mut um das Thema konsequent zu betrachten. Dabei können die Kernszenen des Films, die sich um die illegale Folterung drehen, sogar durchwegs überzeugen, und für ambivalente Gefühle sorgen: Diese Menschen werden gefoltert um tausenden anderen Menschen vielleicht das Leben zu retten, in dem man an wichtige Informationen gelangt, die zukünftige Terroranschläge verhindern könnten. Aber auf der anderen Seite stehen die großen, moralischen Bedenken die diese Praxis beinhaltet, denn von einer zivilisierten Welt ist ein solches Vorgehen weit entfernt. Als letztes kann natürlich noch die generelle Sinnhaftigkeit der Folter in Frage gestellt werden, da man nicht davon ausgehen kann, dass die Gefolterten überhaupt die Wahrheit sagen.

Das Problem von Machtlos ist nur, dass der Film zwar diesen interessanten Kern hat, er sich aber nur um diesen herumdrückt, und es schön vermeidet konsequente Statements zu setzen. Man will möglichst niemandem auf die Füße treten, und so vermeidet man es auch dem besagten Land, in dem der Film spielt, einen Namen zu geben. Machtlos schlägt die Zeit in Nebenhandlungen tot, und kann so zwar für Kurzweiligkeit sorgen, schafft es aber nicht sein Thema zufriedenstellend abzuhandeln. Es fehlen einfach geschliffene Dialoge, die dieser zwielichtigen Politik auf den Zahn fühlen, und so bleibt Machtlos nur an der Oberfläche hängen, ohne sich tiefer in die Materie vorzuarbeiten. Das Ende der Geschichte ist dann eine relative peinliche, kitschige und vor allem realitätsfremde Auflösung, die dem Film noch zusätzlich Kraft raubt.

Wirklich überraschend ist allerdings, dass noch nicht einmal die großartigen Darsteller durchwegs überzeugen können. Als Hauptfigur stolpert ein Jake Gyllenhaal durch die Szenarie, der es leider absolut nicht schafft, das Publikum in sein moralisches Dilemma hineinzuziehen. An seiner Seite läuft Igal Naor zu einer wirklich präsenten Höchstleistung auf, und kann auf ganzer Linie überzeugen. Auch Omar Metwally, als Folteropfer lässt keine Angriffsläche übrig, und spielt seine Rolle präzise und überzeugend. In der Episode rund um Reese Witherspoon, bleibt vor allem Peter Sarsgaard in Erinnerung, der zwar nur wenige Screen Time hat, diese aber voll und ganz ausfüllt. Meryl Streep und Alan Alda bleiben solide, können aber nichts Großes vollbringen und Reese Witherspoon schließlich neigt etwas zum Overacting, bleibt aber zumindest solide. Dennoch ist es reichlich enttäuschend, dass dieser großartiger Cast nicht mehr vollbringt.

Neben der Episode rund um Reese Witherspoon, und das etwas vernachlässigte Zentrum des Films rund um die Folterung, wird auch noch die Geschichte von Abasi Fawals Tochter erzählt, die sich in einen Rebellen verliebt, und von Zuhause wegläuft. Zwar überzeugt diese Episode duchaus, und kann sich am Ende durch einen (mehr oder weniger) gelungenen Schlusstwist auch in den Film integrieren, aber dennoch wirkt sie etwas wie ein Fremdkörper, bringt sie doch die zentrale Handlung des Films nicht weiter, sonder bewirkt nur, dass sich Machtlos noch ein Stück weiter von seinem Kernthema entfernt. Insgesamt gesehen ist Machtlos ein durchwegs kurzweiliger Film, aber von diesem Thema hätte man sich eben mehr erwartet, als gewöhnliche Hollywoodkost.

Fazit:
Machtlos hatte wirklich alle Vorraussetzungen, die ein anspruchsvoller und politisch brisanter Film braucht. Das Thema, rund um die zwielichtigen Entführungen, und anschließenden Folterungen, unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit, kombiniert mit dem talentierten Regisseur und dem großartigen Starensemble ließ auf großes hoffen. Schade nur, dass man nicht genug Mut zeigte um dieses Thema auch würdig umzusetzen, und so manövriert Machtlos sehr um sein Kernthema herum, und verliert sich sehr in Nebensächlichkeiten. Zwar bleibt der Film dennoch unterhaltsam und solide, aber man hätte sich doch mehr erwartet, als gewöhnliche Hollywoodkost.

Wertung:
6/10 Punkte

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