Godzilla (2014)

OT: Godzilla - 123 Minuten - Action / Abenteuer / SciFi
Godzilla (2014)
Kinostart: 16.05.2014
DVD-Start: 25.09.2014 - Blu-ray-Start: 25.09.2014
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Filmkritik zu Godzilla

Von am
Würde man alles aufzählen wollen, was im 2014er US-Reboot so toll ist, müsste man zuerst das Drehbuch auf seine Unzulänglichkeiten, und die Story auf ihren modernisierten Godzilla-Mythos mit großer Vorsicht untersuchen. Da diese Filmkritik aber nicht der Versuch einer Abhandlung über Subtext und Metaebene von GODZILLA (2014) sein soll, fasse ich mich kurz und bleibe bei dem, was die meisten von uns aus popkulturellem Kontext heraus über Godzilla wissen: Es ist eine monströs große Urzeitechse mit starkem Hang zu Vandalismus; trat das Riesenmonster nicht gerade als Feind auf, war es in der Rolle des Beschützers zu sehen. Die Macher der aktuellen Ausführung entschieden sich für den Antiheldenstatus, denn ganz andere Urzeit-Monster wollen sich auf der Erde breit machen, und die sind nur auf zwei Dinge aus, Reproduktion und Futtersuche. Wie es sich für nichtmenschliche Wesen so gehört, ist das nicht weiter verwunderlich, nur sind es wolkenkratzergroße Parasiten (M.U.T.O.) mit Kohldampf auf alles, das radioaktiv verstrahlt ist. Von Brennstäben futtern bis zum Ausplündern von atomaren Endlagern, ist ihnen alles recht.

Es ist schwer einzuschätzen was komischer ist: ein reißerischer US-Blockbuster, der sich mit Atomnutzung kritisch auseinandersetzt oder die Überspitzung dieser Kritik in Form eines M.U.T.O.-Flugparasiten, der Atom-U-Boote aus dem Meer fischt, um sich anschließend den Kernreaktor in den Rachen zu schieben. Neben all den umweltbewusstseinsstärkenden Messages – deren Klarheit die GODZILLA-Macher zu verfehlen fürchteten, falls sie die selbige Message dem Zuseher nicht auf die Nase binden – war die feinsinnige Metapher eines „erlegten“ Atom-U-Boots das vortrefflichste Äquivalent zu den Dokumentationen aus dem wilden Tierreich. Mensch gegen Natur einmal andersrum. Eine phänomenale Szene von tiefgründigem Witz. Sonst ist wenig geistvolles zu sehen und noch weniger gibt es zum Lachen, ja es herrscht geradezu Untergangsstimmung. Emmerichs Echse (mehr so ein mutierter T-Rex) aus dem Jahre ´98 war dagegen erheiternde Blödelei für Jung und Alt – Emmerich eben. In der zweiten Traumfabrik-Version suchte man stattdessen mehr an die menschlichen Tragödien anzuknüpfen, nicht unbedingt zu erwarten war es, dass man damit auf ganzer Linie scheitern wird, wirklich überraschen tut es auch nicht. Der ganze Cast erledigt mit kleineren Macken ganz passabel seine Arbeit nach vorgegebenem Maßstab; nicht mehr als narratives Beiwerk, das es von der TO DO Liste zu streichen gilt. Der Film erinnert hier und da, dass angesichts solcher Ereignisse immer Zeit für etwas Kitsch sein muss.

Es gibt was anderes zu bestaunen und wie soll es sonst sein, das besagte Andere ist Tod und Zerstörung im weitesten Sinne. Niemand geht heute mehr ins Kino, um zwischen Trümmern der Verwüstung echte menschliche Tragödien zu sehen, wenn das Geld dafür ausgegeben wurde, in kürzester Szenenabfolge möglichst viele Menschen, plastisch sichtbar, reihen-und haufenweise einen schrecklichen Tod sterben zu lassen. Hier fallen welche von der Brücke, andere werden von monströsen Parasiten platt getreten und dort erschlagen Hochhaustrümmer hysterisch rumwuselnde Zivilisten. Wieso am Ende des Films nicht ganz San Francisco dem Erdboden gleichgemacht wurde, ist vergleichsweise nicht weniger unschlüssig, als die Story dem Zuseher weiß zu machen versucht, dass die Atombombentests am Bikiniatoll eigentlich als gezielte Angriffe gegen Godzilla angedacht waren, wobei sie a) keinen Erfolg hatten und b) die Riesenechse in diesen Angriffen keine Kriegserklärung gesehen haben soll. Wenn das einen Sinn ergeben soll, dann haben wir es mit einem absolut pazifistischen Wesen zu tun, das Vergeltungsschläge aus vernunftgründen ablehnt. Ja, klar!

Schon im Trailer deutete sich die Absicht der GODZILLA-Macher an der Zerstörungswut früherer Megamonster im Nichts nachstehen zu wollen. Tatsächlich leistet der Film in Sachen Opulenz und Wucht bedeutend mehr als Guillermos PACIFIC RIM, welcher oft wie ein undurchschaubares Handgemenge unter flackernden Discolichtern anmutete, oder CLOVERFIELD, dessen einzig positiven Aspekte die Grundidee war, den Film wie eine Amateuraufnahme aussehen zu lassen, und der Tod aller Hauptdarsteller. Der City-Rumble zwischen Godzilla und den M.U.T.O.s, ist weder von schnellen Schnitten, noch von übertriebenen Lichteffekten zum Actionspektakel hochstilisiert.

Man ist mit den Elementen des technisch machbaren weitaus verspielter, um dem Publikum das Gefühl zu geben, es ist größer als du und kann sich trotzdem vor dir verstecken. Und es gelingt! Was in PACIFIC RIM schmerzlich vermisst wurde, kam mit dem neuen GODZILLA zurück: die Wucht des Gigantischen, das Empfinden von bewegter Masse. Diese Atmosphäre mit dem Handicap der CGI-Künstlichkeit zu evozieren, ist eine ziemliche Meisterleistung und allein deswegen einen Kinobesuch wert.

Fazit:
Es hapert an einigen Stellen. Regisseur Gareth Edwards bemühte sich, so gut es ging, den Aberwitz des Unschlüssigen im intendierten Ernst zu einem gesunden Mittelweg zu führen und kriegte das mal gut, mal weniger gut hin. Glaubwürdigkeit ist nicht immer die große Stärke von GODZILLA und dabei ist nicht seine bloße Existenz gemeint. Optisch und akustisch hingegen, ist der Kampf der Urzeit-Titanen ein aufpeitschendes Erlebnis. Verwüstungsporno und Großstadt-Wrestling der Extraklasse. Schnitt und Kamera dürfen sich hier gegenseitig auf die Schulter klopfen. Fan oder nicht Fan – wer Destruktion im dekorativ herausgeputzten Stil liebt, soll und muss sich GODZILLA ansehen. Starke Verbindungen zu Ishiro Hondas Ur-Godzilla zu erzeugen, waren das ausgemachte und größten Teils unerreichte Ziel des Remakes, aber jetzt mal im Ernst, wäre es nicht zu viel der Erwartungshaltung?

Wertung:
7/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 21
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