Blick in den Abgrund (2014)

OT: Blick in den Abgrund - 88 Minuten - Dokumentation
Blick in den Abgrund (2014)
Kinostart: 31.01.2014
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Blick in den Abgrund

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Forensische Psychologen, Profiler, Psychiater – wir kennen sie aus Fernsehserien wie „CSI“ und aus Büchern, wie zum Beispiel Simon Becketts Buchreihe um „Die Chemie des Todes“. Ihre Arbeit wird meist recht spannend und romantisch dargestellt - verglichen mit der Realität ist das aber falsch. Denn was diese Menschen sehen und erleben, prägt sie fürs Leben.

Barbara Eder hat einige der erfolgreichsten Spezialisten weltweit begleitet. Sie werden täglich mit dem Tod, Mord und Vergewaltigungen konfrontiert. Eingesetzt werden sie, wenn es in die Untiefen der Psyche der Verbrecher gehen soll. Das Erstellen von Täterprofilen, das Rekonstruieren des Tathergangs, Interviews mit Serienmördern - das alles steht täglich auf der Liste, die erledigt werden müssen. Das Berufsleben ist hart, doch wie kann man das Erlebte privat „vergessen“? Nimmt man es mit ins Bett, oder kann man es im Büro auf dem Schreibtisch liegen lassen? Verändert sich der Blick auf die Menschheit?

Für ihren Dokumentarfilm „Blick in den Abgrund“ war Eder weltweit unterwegs. In Südafrika, USA, Deutschland und Finnland. Dabei hat sie sich mit scheinbar unterschiedlichen Charakteren beschäftigt, die jedoch eines gemeinsam haben: die Beschäftigung mit dem Bösen.

Wichtig war Barbara Eder auch Frauen in diesem Beruf vorzustellen, die es nicht immer leicht haben sich durchzusetzen. In Finnland hat sie Helinä Häkkänen-Nyholm begleitet. Sie ist forensische Psychologin und arbeitet sowohl an Universitäten, für die Polizei und hat ihre eigene Praxis. Sie wirkt kühl und nachdenklich. Aber selbst im Privaten spricht sie meistens über ihre Fälle. Helen Morrison ist forensische Psychiaterin in Chicago. Sie beschäftigt sich mit Serienmördern und die Analyse ihrer Psyche. Ihre Überzeugung ist, dass es ein Serienmörder-Gen gibt, das man in sich hat und darauf wartet auszubrechen. Eine starke Frau, die jedoch nach den Besuchen im Gefängnis Angst hat und Zeit für sich braucht.

Roger Deque und Robert Hazelwood sind beide pensioniert und leben in Virginia. Sie haben lange mit diesem Thema im FBI gearbeitet und schließlich, nach ihrer Pensionierung, die „Academy Group“ gegründet. Eine Firma, die sich auf Fälle spezialisiert, die schon abgelegt wurden. Außerdem standen sie Thomas Harris bei der Recherche für sein Buch „Schweigen der Lämmer“ beratend zur Seite. Die beiden wirken sehr gefasst und gehen distanziert mit dem Thema um. Stephan Harbort ist DER Experte für Serienmörder in Deutschland. Er hat schon mehrere Bücher veröffentlicht und arbeitet mit der Polizei zusammen. Auch er wirkt eher distanziert, doch kann auch in gewisser Weise mitfühlen. Gérard Labuschagne ist Psychologe und arbeiten in Südafrika mit der Polizei zusammen. Er ist sehr erfolgreich in seinem Beruf. Dabei strahlt er eine gewisse Gelassenheit aus und steht fest im Leben.

Barbara Eder ermöglicht uns einen Einblick in ein Berufsfeld, das einen starken Charakter erfordert. Das was sie jeden Tag zu sehen bekommen, ist grausam und frisst sich in einen hinein. Und viele kommen davon nicht los, wie zum Beispiel die beiden ehemaligen FBI-Mitarbeiter. Selbst nach ihrer Pensionierung müssen sie weitermachen. Interessant sind die verschiedenen Menschen, die begleitet werden. Nicht jeder scheint so stark zu sein, wie es manchmal erforderlich wäre. Im Gespräch kann man heraushören, dass es auch viele gibt, die den Beruf nicht ausführen können, weil sie keine Distanz herstellen können. Sie nehmen das Erlebte mit nach Hause und werden es nicht mehr los.

Der Film gibt einen interessanten Einblick darauf, welche Wirkung dieses Thema auf die „Betroffenen“ hat und schreckt auch vor schonungslosen Bildern, wie „frische“ Skelettfunde oder Pathologie-Leichen, wenn auch nur kurz, nicht zurück. Im Gegensatz zu anderen Dokumentation wirkt „Blick in den Abgrund“ sehr gestellt und genau durchgeplant, wer- was- wann macht. Er dokumentiert zwar, aber hat auch Spielfilmelemente. Es ist alles sehr szenisch. Genau das war die Idee von Barbara Eder. Sie wollte keine klassische Doku machen, mit Interviews. Sondern sie gestaltete den Film, was auf eine ausführliche Recherche zurückzuführen ist.

Fazit:
Ein spannender Dokumentarfilm, der den Zuschauer von den „romantischen“ Vorstellungen, die einem von Fernsehserien vorgegeben werden, befreit.

Wertung:
6/10 Punkte
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