Nächster Halt: Fruitvale Station (2013)

OT: Fruitvale Station - 85 Minuten - Biographie / Drama
Nächster Halt: Fruitvale Station (2013)
Kinostart: 23.05.2014
DVD-Start: 03.10.2014 - Blu-ray-Start: 03.10.2014
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Filmkritik zu Nächster Halt: Fruitvale Station

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Das Thema Rassismus gegen schwarze Mitbürger hat gerade in Amerika eine umfangreiche Geschichte und dadurch einhergehend auch eine hohe Brisanz. Betrachtet man das ganze ausschließlich aus der filmischen Perspektive, so ist festzustellen, dass Filme, die diese Problematik aufgreifen, sehr zahlreich, aber auch sehr erfolgreich sind. Gerade die Academy Jury scheint ihre Vorliebe für Anti-Rassismus-Filme zu hegen. Das war auch dieses Jahr so, als „12 Years a Slave“ unter anderem den Oscar für den Besten Film des Jahres 2013 erhielt. Aber auch andere Filme aus nicht allzu ferner Vergangenheit können als Beispiel dienen: „The Help“, "LA Crash", "The Blind Side".

2009 fand ein dramatisches Ereignis mitten in der Öffentlichkeit in Okkland (Kalfornien) statt. Der afroamerikanische Bürger Oscar Grant wurde wehrlos von einen Polizisten erschossen. Was folgte, waren zahlreiche Demonstrationen und ein Gerichtsverfahren, in dem der Angeklagte weiße Polizist, mit zwei Jahren Haft, glimpfig davon kam. Das tragische Ereignis selbst, hatten zahlreiche Augenzeugen mitangesehen und einige filmten das Ganze auch. Genau dieses Material nimmt Regisseur Coogler als Ausgangspunkt für sein Erstlingswerk und liefert uns anschließend eine fiktionale Geschichte über die letzten 24 Stunden im Leben des Oscar Grants, welche zwar etwas aufgesetzt wirkt, dafür am Ende doch eine kräftige emotionale Wucht entfaltet. Ein 22-jähiger Kleinkrimineller aus San Francisco versucht sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Als Vater, Ehemann und Sohn möchte er ein besserer Mensch werden und ist auf einem guten Weg dorthin. Während einer ausgelassenen Silversternacht, geschieht dann aber das Unglück – in der U-Bahn Station „Fuitvale“.

Wie erwähnt, beginnt der Film mit den tatsächlichen Handyvideoaufnahmen des besagten Unglücks. So weiß auch jeder der Zuseher, dass er hier nicht nur ein wahres Ereignis zu sehen bekommt, sondern höchst wahrscheinlich auch ein tragisches Ende. Gerade weil es ein Erstlingswerk ist, sollte man betonen, dass der Regisseur sein Handwerk versteht. Ryan Coogler wechselt zwischen Hand und Standkamera, spielt ab und zu eine Slowmotionsequenz ein und macht auch sonst technisch keine großen Fehler. Dabei sind die ersten zwei Drittel des Filmes gerade einmal guter Durchschnitt.

Denn Coogler versucht alles um Grant als kleinen Helden, einfühlsamen Vater und liebevollen Ehemann darzustellen. Als Mann der durch seine Fehler gewachsen ist und alles versucht um ein guter Mensch zu sein. So wirkt die Handlung sehr aufgesetzt und inszeniert. Grant verliert seinen Job, versucht einen angefahrenen Hund zu helfen, gibt das Dealen trotz Geldprobleme auf, kümmert sich um seine Mutter und hilft einer Frau im Supermarkt, die passenden Produkte zu bekommen. Und das alles an nur einem Tag! Das diese zwei Drittel, trotzdem gar nicht mal so schlecht sind, hat man den grandiosen Darstellern zu verdanken. Michael B. Jorden ist eine Wucht. Den inneren Zwiespalt, die Angst zu versagen und die Liebe zu seiner Familie, all dies gelingt ihm mit Mimik und Gestik seiner Figur zu vermitteln. Auch die Nebendarsteller machen ihren Job richtig gut und verleihen dem Film noch extra Tiefe und Emotionen.

Und dann folgt das letzte Drittel, welches aus einem durchschnittlichen, einen richtig guten Film macht. Gekonnt und mit ausreichend Fingerspitzengefühl dreht Coogler die Spannungsschraube bis zum dramatischen Höhepunkt ins Unerträgliche. Mittels wackeliger Handkamera, schafft er aus dem durcheinander des Geschehens, eine fast klaustrophobe Wirkung auf die Zuseher zu transportieren. Und plötzlich machen sich die ersten beiden Drittel auch bezahlt. Denn der Zuseher hat sich mit den Hauptprotagonisten angefreundet und so ist das Spannungslevel und das emotionale Entsetzen noch größer. Coogler begibt sich ganz eindeutig auf eine Seite und lässt die Polizei schlecht aussehen. Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß, das Ende lässt niemanden kalt.

Fazit:
Das Erstlingswerk von Ryan Coogler ist zunächst ein parteiischer und etwas aufgesetzter Film, der durch die starken Darsteller aber noch vor dem Ertrinken gerettet werden kann. Durch ein meisterliches letztes Drittel, erscheinen am Ende aber auch die ersten beiden Drittel relevanter und die einzelnen Teile fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Und so ist aus „Nächster Halt: Fruitvale Station“ ein gelungenes emotionales Drama geworden.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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