Her (2013)

OT: Her - 126 Minuten - Drama / Romantik / SciFi
Her (2013)
Kinostart: 28.03.2014
DVD-Start: 04.09.2014 - Blu-ray-Start: 04.09.2014
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Filmkritik zu Her

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Wenn es nach der Filmbranche geht, erwartet uns keine schöne Zukunft. „Metropolis“, „Brazil“, „Blade Runner“, „Clockwork Orange“, „Wall-E“ – die Liste der Filme mit pessimistischer Zukunftsvision ließe sich fast unendlich weiterführen. Nicht nur deshalb ist Spike Jonze's romantisches Drama „Her“ schon etwas Besonderes. Das von ihm entworfene Bild unserer Zukunft ist realistisch und plausibel, schließlich ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis Betriebssysteme unseren Alltag vollkommen regeln und vielleicht sogar zwischenmenschliche Kontakte ersetzen. Ob das eine Zukunft ist, auf die man sich freuen kann, ist allerdings auch fraglich. Was jedoch klar ist: Mit „Her“ hat Spike Jonze den vielleicht besten Liebesfilm der letzten Jahre geschaffen – und das, obwohl die weibliche Hauptfigur nur eine Stimme aus einem Smartphone ist.

Die Scheidung von seiner Frau Catherine (Rooney Mara) setzt Theodore (Joaquin Phoenix) stark zu. Wenn er nicht gerade seiner Arbeit als Grußkarten- und Brief-Texter nachgeht, suhlt er sich regelrecht in seiner Einsamkeit und vertreibt sich die Zeit mit Videospielen und anonymem Telefonsex. Lediglich zu seiner Nachbarin Amy (Amy Adams) steht er ab und zu in Kontakt. Als er von einem neuen intelligenten Betriebssystem namens OS1 hört, das einem den Alltag erleichtern soll und über ein eigenes Bewusstsein verfügt, installiert er es und entscheidet sich impulsiv für eine weibliche Stimme. So macht er erstmals Bekanntschaft mit seinem OS Samantha (Stimme im Original: Scarlett Johansson). Schnell ist er fasziniert von der virtuellen Frau, die alle seine Wünsche kennt und sich Tag und Nacht mit ihm unterhält. Samantha und Theodore verlieben sich ineinander, doch die Beziehung zwischen Mensch und Maschine bringt viele Probleme mit sich.

Joaquin Phoenix verliebt sich in einer nicht allzu fernen Zukunft, deren Menschen mit ihren Wohnungen und Klamotten ein 1950er-Revival feiern, in eine Art Siri, das wiederum im Original von Scarlett Johansson gesprochen wird. Seien wir ehrlich: Bei „Her“ hätte so einiges schiefgehen können. Doch das wichtige ist: Das ist es nicht! Völlig zu Recht wurde das Drehbuch von Spike Jonze bereits mit dem Golden Globe ausgezeichnet, denn es hat zwei Stärken: Zum einen erschafft es ein realistisches Bild von einer Zukunft, in der wir bald leben werden, und zugleich befasst es sich mit Problemen, die zeitlos sind: Wie lernt man nach einer gescheiterten Beziehung alleine zu leben, wie verliebt man sich wieder und in wen? Und diese Fragen wiederum führen zur Essenz des Films, die brandaktueller kaum sein könnte: Liebe und Isolation im digitalen Zeitalter. Spike Jonze führt dem Zuseher gelungen vor, dass diese Zukunft bereits angebrochen ist - etwa wenn er in der U-Bahn dutzende Menschen zeigt, die sich nicht in die Augen sehen und nur mit ihren Smartphones kommunizieren und wenn sich Theodore in einen Sexchat einloggt, um sich mit einer beliebigen anderes Userin verbinden zu lassen.

Zugleich liegt das Hauptaugenmerk des Films aber in jeder Spielminute auf der Liebesgeschichte zwischen Theodore und OS Samantha, die tiefberührend ist. Natürlich birgt eine Romanze zwischen Mann und Betriebssystem auch eine gewisse Komik in sich und derer bedient sich Jonze nicht selten, wenn er auch seine Protagonisten und deren Geschichte immer ernst nimmt. Einen Löwenanteil am Gelingen des Films leistet Hauptdarsteller Joaquin Phoenix, der in jeder Szene zu sehen ist und so gut wie nie eine direkte Partnerin zum Anspielen hat. In seinen Augen kann man die Einsamkeit, die Hoffnung, das Glück, die Verzweiflung, die Trauer – kurz: alle Gefühlsstadien rund um Liebesbeziehungen – durchleben. Dafür braucht er kein Gegenüber. Phoenix, der sonst für emotional und körperlich extrem labile Rollen bekannt ist, spielt hier einen vergleichsweise normalen Mann und damit gelingt ihm etwas: Der Zuseher identifiziert sich mit seiner Figur und es scheint nur allzu verständlich, dass er sich in die smarte, witzige Stimme aus seinem Smartphone verliebt. Andererseits weiß man wie er, dass die Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Denn selbst in der digitalen Welt stößt man irgendwann auf reale Probleme, wie dem Bedürfnis nach einem Sexualleben. Das Auf und Ab dieser Beziehung erzählt Jonze in herrlich fotografierten und arrangierten Szenen, die mit der wunderschönen Filmmusik der Indie-Band Arcade Fire hinterlegt sind.

Fazit:
Spike Jonzes Liebesfilm „Her“ ist berührend, komisch, wunderschön und schauspielerisch überzeugend. Jetzt schon ein Highlight des Kinojahres 2014!

Wertung:
9/10 Punkten
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 26
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