Cruelty (2013)

OT: Cruelty - 32 Minuten - Kurzfilm / Drama / Krieg
Cruelty (2013)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Cruelty

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Cruelty ist das Debüt des Berliner Regisseurs Tim Gerrit Augurzke, der sich in seinem Kurzfilm mit dem zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Genauer gesagt versucht er die psychologischen Auswirkungen des Krieges auf einen Infanteriesoldaten zu ergründen. Augenscheinlich ist dabei zunächst die überraschende visuelle Professionalität des Filmes, der es durchaus schafft in Sachen Bildkomposition, und -qualität vergessen zu lassen, dass wir es nicht mit einer größeren Produktion zu tun haben. Doch wo die visuelle Ebene zunächst noch Großes verspricht, stellt sich leider inhaltlich bald Ernüchterung ein: Dem Film gelingt es leider nie zu einer konsistenten Struktur zu finden und er verliert sich in einer etwas zu melodramatischen Bildsprache. Auch ansonsten gelingt es nicht dem Genre neue Facetten abzugewinnen.

Ein kleiner alliierter Stoßtrupp trifft nach der Landung in der Normandie auf eine feindliche deutsche Einheit. Alle sterben bis auf den geistlichen Dolmetscher Jones (Chris Nachtigall). Dieser zieht sich in die Wälder zurück und versucht die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Dabei driftet er immer weiter ab und versucht sich aus allem heraus zu halten. Doch unweigerlich kreuzen andere Soldaten von den verschiedensten Fraktionen seinen Weg. Diese Begegnungen und die Entscheidungen, die er dabei trifft lassen ihn immer weiter vom Kurs abweichen...

Alles beginnt noch recht vielversprechend. Die klaren und durchaus poetischen Bilder lassen auf etwas Großes hoffen und der in rot gehaltene Leichenberg zu Beginn des Films samt ästhetisch interessanter Erzählvariation sorgt zumindestens dafür das Interesse zu wecken. Dabei ist der Film äußerst kryptisch. Wer ist dieser Mann, der hier im Wald lebt? Welche Ziele verfolgt er? Woher ist er gekommen? Doch leider gelingt es dem Film nicht diese anfängliche Neugier des Zusehers aufrecht zu erhalten. Bald schon stellt sich die zerfranste und episodenhafte Erzählung des Films als recht ermüdend und wenig ergiebig heraus. Und auch die Handlungen der Figuren selbst scheinen nicht immer recht nachvollziehbar, bzw. anhand des Films logisch begründet zu werden.

Verständlicherweise wird darauf verzichtet große Schlachtgemälde zu zeichnen - das kann man einem Film dieser Größenordnung natürlich auch nicht vorwerfen - allerdings gelingt es auch nicht durchgehend die psychologische Dimension der Erzählung zu schildern. Die emotionale Entwicklung der Hauptfigur bleibt kryptisch und die Metaphern auf visueller Ebene verlieren sich leider in Klischees und etwas zu dick aufgetragenem Pathos. Letzten Endes kann man weder besonders mit der Hauptfigur mitfühlen (was auch an einem Übermaß an affektiert zur Schau gestellten Darstellergesichtern liegen mag, die aber in ihrer Exekution etwas zu hölzern wirken um einer solchen Repräsentation standzuhalten), noch werden dem Genre irgendwelche neuen Facetten abgewonnen.

Weiters stören kleine technische Probleme den Filmgenuss. Wie bereits erwähnt ist die visuelle Ebene tadellos, allerdings ist dafür die tonale Ebene großteils misslungen. Die hinzugefügten Soundeffekte können ihre Herkunft leider kaum verbergen und hier entsteht eine deutliche Kluft zwischen der Bildebene und der Tonebene des Films. Allerdings verbergen sich in Cruelty doch einige vielversprechende Ideen: Wenn es Regisseur Tim Gerrit Augurzke in Zukunft gelingt sich mehr von der Ästhetik der großen Vorbilder zu lösen (denn im direkten Vergleich kann man hier gegen die um ein vielfaches teurere Produktionen kaum punkten) und stattdessen sein Gefühl für spannende Bilder in eine eigene Inszenierungssprache zu transformieren, dann kann man gespannt auf seinen nächsten Film sein.

Fazit:
Cruelty verspricht zunächst durchaus einiges, da die visuelle Ebene sich nicht verstecken braucht und die anfängliche Ästhetik des Films geschickt die Spannung weckt. Doch leider wird bald schon klar, dass sich hinter den affektierten Großaufnahmen und der etwas zu platten Symbolik nicht viel mehr als eine im Grunde genommen simple Geschichte verbirgt, die etwas verworren und unfokusiert erzählt wird. Potential ist vorhanden, aber im Detail gibt es zu viele Probleme als dass der Film sich angesichts der zahlreichen Genrekonkurrenz wirklich aufspielen könnte.

Wertung:
4/10 Punkte
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Ø Wertung: 4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
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