Need for Speed (2014)

OT: Need for Speed - 132 Minuten - Action / Krimi / Drama / Thriller
Need for Speed (2014)
Kinostart: 20.03.2014
DVD-Start: 09.10.2014 - Blu-ray-Start: 09.10.2014
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Filmkritik zu Need for Speed

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Tobey Marshall (Aaron Paul) und Dino Brewster (Dominic Cooper) sind ewige Rivalen aus früheren NASCAR-Zeiten, deren Feindschaft sich ihre alte Intensität bewahrt hat. Und wie das unter Rennfahrern nun mal ist, wo nur der direkte Kampf untereinander und der Sieg über alle anderen etwas zählt, entstehen besondere Rivalitäten von denen der Motorsport lebt. NEED FOR SPEED verlagert plakativ diesen Kampf von der Rennstrecke auf die Straße und wird zu Tobeys persönlicher Rachegeschichte, die ihn quer durch Amerika führt.

NEED FOR SPEED hätte richtig unterhaltsam werden können aber mit der Wahl des Regisseurs Scott Waugh, dessen Propagandawerk ACT OF VALOR den guten Geschmack eines jeden nicht präpotent stolzen US-Amerikaners an die Schmerzgrenze treibt, entschieden die Finanziers im vorhinein ein farbloses (Action)-Drama zu fabrizieren. Selten konnte der Zuseher große Tragödien so entspannt konsumieren. Dem geschwollenen Ernst des Films, kommt noch ein teilweise zu jugendlich wirkender Cast zur wenig hilfreichen Unterstützung. Die blassgewordenen Daily Soap Visagen sind eine Ansammlung von Sprüche klopfenden Pissbacken. Ich wage es kaum auszusprechen, dass es ein ernsthafter Versuch gewesen sein könnte, ein bisschen vom Dialogwitz von THE CANNONBALL RUN (1981) oder RAT RACE (2001) wieder aufleben zu lassen.

Dann wäre da noch der Drehbuchautor George Gattins, welcher lediglich zwei weniger berühmte Rom-Coms mitproduzierte. Ohne aufzuzählen, was in diesem Schinken alles schief gegangen ist; George Gattins hat sich eine ganz passable Story ausgedacht aber bei dramaturgischen Feinheiten oder Dialogen besteht dringender Nachholbedarf und vor Scott Waugh ist in Zukunft jeder Regiestuhl mit aller Macht zu verteidigen – wenn es sein muss mit Waffengewalt. Überhaupt ist da dieser ständige Eindruck, er wäre ein Koch ohne Geschmackssinn oder aufgrund mangelnder Urteilsfähigkeit kognitiv eingeschränkt. Nach einer Handvoll Salz meint Waugh, die Suppe könnte noch etwas Puderzucker vertragen.

So ganz schlimm ist es natürlich nicht, denn NEED FOR SPEED ist augenscheinlich ein Film von der Stange, streng nach Rezept, aber eben mit dem cineastischen Feingefühl, das selbst Michael Bay unfreiwillig dazu brächte darüber nachzudenken, ob er sein Schaffen in dieser Weise weiterführen wolle. Dieser Mangel an Feingefühl hat besonders Aaron Pauls Figur getroffen. Es ist nicht immer eindeutig ob er eine Jesse Pinkman-Phase aus der letzten BREAKING BAD-Staffel noch in Form von Rückfällen mit sich schleppt oder Waughs Mangel an Maßhaltung zu seinen emotionalen Überspitzungen führten. Davon abgesehen, darf neben allgemein nichtssagenden Figuren, von Aaron Paul ein szenenbezogenes Wechselspiel zwischen unantastbarem Obermacker, schüchternem Jungen und nervlichem Wrack beobachtet werden. Wenn das ein Versuch sein sollte, den Hauptprotagonisten mit der vollen Bandbreite des menschlichen Gefühlsspektrums auszustatten, dann ist Tobey Marschall mehr eine wandelbare Karikatur als sonderlich komplex. Dennoch will man ihm und dem Rest des Casts diese Fehlleistungen nur ungern ankreiden, schließlich ist das Fiasko Regie – und Drehbuchbedingt.

Zugegebenermaßen, nicht alles in diesem Film ist schlecht, es gab sogar zwei, drei witzige Momente. Bemerkenswert ist allerdings was Waugh mit 66 Millionen Dollar Budget veranstaltete; fast bescheiden inszenierte er seine Actionsequenzen, deren Rasanz sich aus der Originalität des Regieblicks speist und nicht aus dem Umfang der Zerstörung. Diese wunderbare Einfachheit, die in der Umsetzung mehr kreativen als finanziellen Anspruch gebietet, ist vielen Actionregisseuren längst abhanden gekommen. Nur in diesen Szenen ist „the Need for Speed“ auch tatsächlich Programm. Waugh beweist damit, dass sein wahres Metier die Stuntschule war und bleiben wird, denn als Geschichtenerzähler machen er und sein Pfuschkumpane Gattins eine ähnlich gute Figur wie ewig jungfräuliche Sexkolumnisten.

Mit Michael Keaton, Aaron Paul und Imogen Poots konnten die Produzenten mehr oder weniger namhafte Darsteller gewinnen, jedoch stellt der Fuhrpark das eigentliche Starensemble: Ford Mustang Shelby GT500, Koenigsegg Agera R, Bugatti Veyron, Lamborghini Sesto Elemento, McLaren P1, Saleen S7 usw. Wer diesen Autos nicht eine starke Erotik zuspricht, braucht erst gar nicht darüber nachzudenken, ob der Film einen Kinobesuch wert ist. Jedoch sind sie auch nicht der Grund es doch zu tun, weil man als Zuschauer ständig auf die Palme gebracht wird.

Fazit:
Vor dem Rennen ist nach dem Rennen und so verharrt man zwischen der Aufregung in einer überaus plump erzählten Geschichte, die mehr Dekoration als gehaltvoll ist, mit der immer gleichen Frage: Wann kommt die nächste Kampfansage an die Straßenverkehrsordnung!? Ironischerweise ist NEED FOR SPEED keine Werbung für das gleichnamige, von Eletronic Arts vertriebene Spiel, sondern Hilfestellung für reiche Menschen eine Kaufentscheidung zu treffen, wenn sie das nächste Mal ein High End Supercar zu kaufen gedenken.

Wertung:
3/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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Liste von heinz
Erstellt: 12.09.2012